Als Beispiele führe ich mal die von mir präferierten Zeitstellungen auf - und jeweils das weshalb!
Es begann mit einer Zeichnung:

Ich war auf der Suche nach einer Zeitstellung/ Kultur, da ich "in die lebendige Geschichtsdarstellung einsteigen" wollte. Damals war - zu meiner heutigen Scham will ich´s hier gestehen - Eitelkeit die primäre Triebfeder! Dieses "Gott-würd-ich-darin-gut-aussehen!"-Syndrom!
Ich also bei einem Spezialisten die Hardware in Auftrag gegeben (nach den besagten Jahren der Recherche, mit der Bronzezeit hatte ich mich schon eine ganze Weile zuvor befasst).
Ich musste ziemlich lange drauf warten, aber ich wollte "gleich loslegen", also suchte ich mir "temporale" Alternativen. Da ich mich auch mit der Keltike befasst, aber die Latènezeit mich nicht ansprach, wandte ich mich der Hallstattkultur zu, welche damals (vor 2 Jahren) völliges Neuland für mich war. Im Rahmen meiner Recherche lernte ich viele nette Leute kennen - vor allen Dingen mich selbst. Aus der Eitelkeit wurde immer mehr eine Art "Berufung", da das Verantwortungsbewusstsein der Geschichte gegenüber immer weiter wuchs. Ich lernte auch, korrekt zu recherchieren und wissenschaftlich vorzugehen. Ich lernte den Aufwand hinzunehmen, den eine simple Gewandschließenform bedeuten kann, wenn man die korrekte für seine Zeitstellung und Gegend verwenden will!
Es ist dann schon ein tolles Gefühl, wenn man immer weiter kommt, alte Erkenntnisse über Bord werfen kann (Fehler passieren immer) und seine Arbeiten neuen Erkenntnissen folgend korrigiert. Heute lach´ich über meine ersten Schritte in meiner damaligen Kluft und es macht schon etwas stolz, wenn anerkannte Archäologen einem auf die Schulter klopfen und sich mit einem ablichten lassen...
Irgendwie hat sich die Eitelkeit in mir ein neues Tätigkeitsfeld gesucht!

Lange Rede, kurzer Sinn:
Es ist fordernd, erfüllend, spannend, bildend (insbesondere den Charakter), Freundschaft wie Feindschaft fördernd (will sagen: es bringt die richtigen Leute zu Dir, die falschen von Dir weg oder lässt sie erst gar nicht ran)! Und da die Wissenschaft immer wieder was neues herausbringt, wird man auch nicht fertig!
Ich rekonstruiere übrigens ausschließlich Sachkultur! Ich laufe als Steve in Klamotte rum und bin nicht "OhneIx der Gallier" oder so! Ich trage die Klamotte auch gerne mal einen Tag oder zwei in stimmiger Umgebung (Freilichtmuseum), freu mich aber jedesmal auf Jeans und Dusche!

Vielleicht sprechen mich diese Zeitstellungen auch an, weil´s über irgendwelche Deportationen und Genozide keine Funde und Befunde gibt! Sicherlich muß ich mir auch Gedanken darüber machen, wie ein einzelner zur Bronzezeit an die von mir rekonstruierte Ausstattung gekommen sein könnte - da wir Gewalt gegen andere durchaus als probates Mittel in Erwägung gezogen!!! Kann aber auch ein wirtschaftlich erfolgreicher Charmebolzen gewesen sein! 8-)
Eigentlich müsste ich jedem anderen Darsteller ebenfalls dessen Zeitstellung/ Epoche/ Kultur zubilligen, aber diesbezüglich hege auch ich meine Ressentiments! 8-|
Aber die sind allesamt persönlicher Natur, denn ich habe persönlich für die römische Antike nichts übrig, weil heute noch an Schulen die Meinung gelehrt wird, dass mit Rom Kultur nach Mitteleuropa kam, wo zuvor keine gewesen sein soll.
Wäre ungefähr so, als würde man sagen, dass in Polen keine Kultur war, bevor die Wehrmacht einmarschierte!
Und so wird meine persönliche Antipathie gegen das antike Rom als für mich persönlich schwer nachzuvollziehendes Interesse lebendiger Geschichtsdarstellung römischer Historie transportiert.
Ebenso im Fall der darstellenden Indianistik als "Non-Natives"! (So viel Mühe sich die Leute auch geben und Sonnentänze aufführen - wie fühlte sich ein Katholik, wenn ein an Totems glaubender Lakota sich die Soutane und Tiara anlegt und das urbi et orbi darstellt!!!???)
Western-Darstellung ist auch so ein Ding, denn die Pionierzeit wurde mit Blut (hauptsächlich mit dem der Natives) geschrieben! (Ich kenn´auch keine Darstellung eines US-Armeebeauftragten, der Pocken-verseuchte Decken feilbietet!)
Ebenso Reconquista-Darstellung!
Es gibt unzählige (gut) dokumentierte historische Befunde, welche man nicht weiter darstellend vertiefen sollte!
Ausnahme bleibt stets:
Rekonstruierte Sachkultur! Solange es nicht darüber hinaus geht und nicht irgendwelche fiktiven Charaktere aus der dargestellten Zeit generiert werden, denn ab diesem Zeitpunkt wird das Format korumpiert!
Was sich mir überhaupt nich erschließt sind Darstellungen historischer Befunde des 20. Jahrhunderts.
Die lebendige Geschichtsdarstellung verliert für mich ab dem Moment jegliche (!) Relevanz, sobald eine fast lückenlose Dokumentation in Schrift, Bild und Ton vorliegen!
Darsteller dieser Befunde (WK I, WK II, Korea, Vietnam, Golfkrieg,...) haben es sehr schwer, mich von ihrer persönlichen Reife und Sozialkompetenz nachhaltig zu überzeugen! Gelungen ist dies bislang einem (!) unter mehreren hundert!!!
Negley, das ist meine Motivation und meine Meinung zur "Szene"!