das Kapitel Hornnocken für meinen Erstlingsbogen habe ich recht lange vor mir hergeschoben, da ich es für etwas heikel hielt, an einem fertigen, getillerten Bogen rumzuschleifen und einfach mal eben so ein Kuhhorn in Form zu bringen.
Nachdem ich einiges an Literatur zu dem Thema gelesen hatte und mit freundlichen Tipps von Pip und Ravenheart (nebst dessen Illustrationen aus seiner Usergalerie) habe ich den Schritt dann gewagt.
Die einzelnen Schritte habe ich mal für die Nachwelt festgehalten, da mir genau solches Bildmatreial sehr geholfen hätte.
Ich habe für den oberen und unteren Nock zwei etwas unterschiedliche Abfolgen genutzt, wobei ich Ersterer das nächste Mal den Vorzug geben werde:
Variante eins
Das Horn erst auf beiden Seiten parallel plan schleifen (Bogendurchmesser an gewünschten Übergang zum Nock gemessen zzgl. beidseits 2mm)
Läßt sich so besser zum Bohren in den Schraubstock spannen...

Anschließend mit 3mm vor- und mit 6,5mm nachgebohrt und mit Konusraspel (im Sortiment mit anderen Fräsern bei Praktiker) die Kegelbohrung eingebracht (6,5mm ist bei mit der kleinste Konusdurchmesser). Der Geruch dabei ist erträglich, wenn man mit der Drehzahl zurückhaltend bleibt. Wird das Horn zu heiß und verbrennt es, bäckt es außerdem zusammen und es ist recht schwer, das Werkzeug zu reinigen -> Feilenbürste) :-(

Variante zwei
erst bohren, dann schleifen... dachte ich... ist aber nicht so toll, da das Horn trotz diverser weicher und griffiger Backen einfach nicht im Schraubstock bleiben wollte. Hat zwar geklappt, Variante eins ist aber deutlich stressärmer.

Bei diesen Schritten ist auf einen exakten Konus Schnitt zu achten! Fräst man sich hier ein Ei, hat man ein echtes Problem, denn die Delle läßt sich zwar mit Kleber auffüllen und beischleifen, man sieht es jedoch später vor dem hellen Holz.
Bei Bickerstaffe ist nachzulesen, dass man jetzt den Nock auf das inzwischen passend gespitzte Bogenende klebt und dort in Form schleift.
Das war mir dann doch zu riskant, so dass ich einen Ex-Pfeilschaft :-( mit etwas Malerkrepp in den Konus gekeilt habe und so die Grobform am Bandschleifer heraus gearbeitet habe.
Hierbei habe ich den Nock zuerst von vier Seiten geschliffen, dann die Kanten gebrochen und langsam immer mehr die Endform herausgearbeitet.
oberer Nock:

unterer Nock (Überraschung, das Horn ist ja garnicht schwarz, sondern schwarz-beige... fand ich aber ganz charmant):


So ein Bandschleifer ist da schon ein Segen. Sowohl die plane Fläche, als auch der Zylinder tun dabei nützliche Dienste. Mit der Hand zu Fuß (Feilen) wäre es sicherlich auch gegangen.
Der obere Nock nach Beendigung der Bandschleifarbeiten:

Bei diesem Schritt muß man sehr aufpassen, dass man den unteren, offenen Rand nicht zu dünn schleift. Bei mir war es etwa noch umlaufend etwas unter 1mm.
Der obere Nock mit Feilen und Schleifpapier in die endgültige Form gebracht (dabei mit dem Halte-Schaft im Schraubstock fixiert):


Nun ist der Bogen an der Reihe.
Wenn man nicht das Glück hatte, einen konischen Schälfräser nebst dazu passendem Anspitzer zu ergattern, muß man hier wieder mit etwas Geschick den Konus am Bogen von Hand schleifen.
Hierzu habe ich das Bogenende am Bandschleifer erst vierkantig, dann achtkantig und da mit der Feile rund geschliffen.
Die Mitte des Kegels liegt dabei fast am Bogenrücken.


Ich habe den Nock mehrmals innen mit einem Bleistift eingerieben und auf dem Bogenende hin und her gedreht. Dadurch kann man ganz gut sehen, wo es noch klemmt.
Die alten Nockenkerben sind bei mir dabei nicht ganz im Konus aufgegangen. Mit der entsprechenden Klebung stellt das aber kein Problem dar.
Geklebt wurde mit UHU Endfest 300. Die Nocken habe ich vorsichtig mit der Heißluftpistole erhitzt (das Horn wird dabei etwas weich) und dann auf den mit Epoxi bestrichenen Konus am Bogen aufgedrückt.
Eine ganz kleine Kerbe am Bogenbauch erlaubt dabei der Luft und dem Kleber, zu entweichen (sonst ploppt der Nock wegen des Überdrucks wieder ab - ähnlich dem Spitzenkleben)
Nach dem Erkalten saßen die Nocken so fest, dass ich eine Korrektur des Winkels nur noch mit dem Nock im Schraubstock und dem Bogen in der Hand fertig brachte!
Nach dem Aushärten des Klebers werden die Nocken am Übergang zum Bogen bündig verschliffen (damit es die Sehne nachher leichter hat...) und feingeschliffen (naß).
Bei mir kam dann nur Leinöl mit Terpentin drauf, da der seidenmatte Look besser zu meinem Bogen passt, der ebenso behandelt ist.

Fazit:
Ich kann nur jeden ermuntern, es mal selst zu probieren, wenn er von Hornnocken träumt! Es ging einfacher, als ich es mir je vorgestellt hätte.
Für den ersten Nock habe ich Alles in Allem 4 Stunden gebraucht (mit viel try and error), für den zweiten nur noch die Hälfte.
Mit den entsprechenden Maschienen oder Werkzeugen, ein bisschen Mut und einer unempfindlichen Nase ;-) ist das wirklich machbar. Aus Gründen der Sicherheit (für den Bogen) würde ich sie aber nie am Bogen selbst in Form schleifen.
Ich habe hier sicher nichts Neues beschrieben, aber in dieser Form dokumentiert, habe ich nichts gefunden. Ich sehe diesen Post also als ein Zusammentragen aller praktischer Informationen, die ich finden konnte.
Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Oberer Nock:


Unterer Nock:


