getaperte Schäfte und Spinewert

Fragen zu Pfeilen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Pfeilbau.
langen-kerl
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getaperte Schäfte und Spinewert

Beitrag von langen-kerl »

Hallo allerseits.
Da ich neu hier bin und noch nicht allzuviel Ahnung vom Bogenschießen habe, möge man mir verzeihen, falls dieses Thema schon vorgekommen sein sollte.
:anbet
Ich schieße zur Zeit einen Jagd - Recurvebogen (66" Länge, 28 lbs bei 28" Auszug). Bei meinem Auszug von 32" kommt der Bogen auf ca. 34 lbs. Im Parcour schieße ich 11/32 Holzpfeile mit 32" Länge . Ich habe das Problem, daß die Pfeile häufig kurz hinter der Spitze abbrechen, wenn mal ein Baum im Weg ist, und die Pfeile sind teilweise auch recht instabil im Flug (schlingern) (**) .
Nun habe ich bei eBay Schäfte aus Northern Pine - Holz gekauft, und kann die Schäfte tapern lassen (11/32 auf 5/16). Welchen Spinewert sollten die Pfeile haben, um einen stabilen Flug zu gewährleisten?
Um evtl. Fragen eurerseits vorwegzunehmen: Mir sind von den jetzt verwendeten Pfeilen weder die Spinewerte noch das Spitzengewicht bekannt. Das Holz müßte wohl Zeder sein.
Tja, als Anfänger habe ich mir da erst mal keine Gedanken drüber gemacht, aber man will ja was dazu lernen.

Es wäre toll, wenn ihr mir ernstgemeinte Ratschläge geben könntet.

Danke im Voraus. :anbet ;-)
W.Munny
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Beitrag von W.Munny »

Erstmal ein herzliches Willkommen hier bei :fcsmilie


Zum Einstieg in das Thema würde ich dir zunächst den Artikel "Spine" im Wiki empfehlen. Danach gibst du den gleichen Begriff nochmal in die Suchfunktion ein.

Ich schätze, du hast dann ein paar Abende mit Lesen gut zu tun ;-)

Sollten dann noch Klarheiten bestehen, frag nochmal nach. Grobe Faustformel zur Auswahl des Spinewerts lautet:
Pfundzahl des Bogens bei 28" Auszug = Spinewert des 28" langen Pfeils mit 125 grs Spitze
(Dies gilt für einen geraden glasbelegten Langbogen mit nur leicht eingearbeiteter Pfeilauflage)
Für Recurvebogen +5 lbs
je 1" Auszug über 28" nochmal + 5 lbs
macht insgesamt 28 + 5 + 20 = 53 lbs Spinewert für deine Pfeile.

Wie schon gesagt, kann das nur eine grobe Vorauswahl sein. Sollte aber erstmal fliegen. ...und wenn die Technik eingeschliffen ist, kümmern wir uns um das Feintuning. 8-)
Zurzeit unterwegs mit einem Nergal von Karl-Heinz mit 50# @ 29,5"
Juergen Becht
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Beitrag von Juergen Becht »

Ich denke, du solltest dich erst mal mit der Materie 'Pfeil' auseinandersetzen,
selbst ein paar Pfeile bauen, befiedern, tunen, bevor du dich an das Thema 'Tapern / Barreln' heranmachst.

aber nichts desto trotz:
Bei einer Leistimg von 34 lbs ist der einsatz von 11/32 Pfeilen eh nicht ratsam.
5/16 Schäfte mit entsprechendem Spitzengewicht bringen die max. Leistung.

ansonsten wie immer : ROHSCHAFTTEST
langen-kerl
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Danke!

Beitrag von langen-kerl »

Hallo und danke für die Antworten. :bussi
Die Hinweise aufs Wiki sind sehr informativ. Zur Antwort von Jürgen:
Ich habe zwar schon einige Pfeile selbst gebaut (ca. 16 Stück), allerdings wurde mir im Verein gesagt, ich soll mir erst mal keine Gedanken über Spinewerte und Material machen.
Da ich die ersten Schäfte über den Verein bezogen habe, blieb mir nichts anderes über, als 11/32 Pfeile zu nehmen, da es in 32" Länge nichts anderes gab. Da die Pfeile recht lang und schwer sind, habe ich schon des öfteren zu hören bekommen, ich schieße mit Besenstielen
:doh
Die Antwort von W.Munny ist in Bezug auf den Spinewert schon mal hilfreich. Ich hatte mal im Internet eine Spinewerttabelle gefunden. Danach wäre bei meiner Pfeillänge angeblich einen Spinewert von 60 richtig.
Nun ja, da nichts über praktische Erfahrung geht, werden ich es mal drauf ankommen lassen, und mir die neuen Pfeile tapern lassen. Mal sehen was dabei rum kommt. :-)
Juergen Becht
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Beitrag von Juergen Becht »

allerdings wurde mir im Verein gesagt, ich soll mir erst mal keine Gedanken über Spinewerte und Material machen.
Sowas kann eigentlich nur sagen, wer keine/wenig Ahnung von der Materie hat.
Gerade bei einer Auszugs/Schaftlänge von 32" ist das ganze nicht so einfach zu bewerten.

Wie kommst du auf diese Auszugslänge ?
Wie gross bist du ?
Wo ankerst du ?

11/32 Schäfte sind für Anfänger schon richtig,
allerdings würde ich, sobald mal Auszug, Anker und Release soweit stimmen, mit dem Pfeiltuning beginnen.
Solltest du wirklich 32" auszug haben und auch diese Schaftlänge benötigen, würde ich mir vielleicht eher mal überlegen, einen Vorschaft aus Esche anzuspleissen.
Hiermit habe ich die beste Erfahrung gemacht, was den Spitzenbruch betrifft.
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kra
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Beitrag von kra »

Hallo langer Kerl,

wenn du nen Jagdrecurve mit ca. 34#/32" Auszug schießt wirst du nicht lange bei dem Bogen bleiben - in Bälde wirst du auf, imho, 45#-50#/30" kommen.

Das deine Schäfte im Moment nicht passen, seis drum. Der "auf die Mitte geschnittene" Jagdrecurve ist nicht ganz so empfindlich. Den sauberen Ablaß üben und _deinen_ Nockpunkt finden ist viel wichtiger.

Das Schlingern der Pfeile kommt verm. von noch unsauberen Ablaß - kein Problem, da hilft üben. :D

Wenn du soweit bist kommt eh ein neuer Bogen ;-) und dann lohnt es sich, genauer auf den Spine zu gucken.

Vom barreln laß erst mal die Finger - das bringt dir noch nix (außer Kosten, Arbeit und vermehrtem Pfeilbruch).

Btw, ich hätte einem Anfänger erst mal ein paar leichte Alus zum Üben in die Hand gedrückt und wäre im 2. Schritt dann auf Holzpfeile übergegangen.

Only my 2ct.

Ansonsten: willkommen hier!
“Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.”
– George Bernard Shaw
langen-kerl
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RE:

Beitrag von langen-kerl »


Sowas kann eigentlich nur sagen, wer keine/wenig Ahnung von der Materie hat.


Wie kommst du auf diese Auszugslänge ?
Wie gross bist du ?
Wo ankerst du ?


Solltest du wirklich 32" auszug haben und auch diese Schaftlänge benötigen, würde ich mir vielleicht eher mal überlegen, einen Vorschaft aus Esche anzuspleissen.


Nun, zur Ehrenrettung muß ich allerdings sagen, daß unser Trainer schon ziemlich viel Ahnung hat. Ich vermute mal, daß er mich nicht überfordern wollte, und hat mir geraten, erst mal Technik zu üben.

Zu den anderen Fragen:
Ich bin 1,96 m groß und dementsprechend lang sind auch meine Arme :-) .
Den Ankerpunkt habe ich am Mundwinkel, Daumen unter dem Kinn. Die Pfeillänge der Holzpfeile beträbt von der Spitze bis zur Sehne (Nockpunkt) 81,3 cm = 32". Und die Pfeilspitze schaut gerade über die Pfeilauflage hinaus.

Was das anspleißen eines Vorschafts angeht:
Wird der Pfeil dadurch nicht anfälliger für Bruch? :wundern
Und falls nicht, wie lang sollte der Vorschaft sein?
langen-kerl
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RE:

Beitrag von langen-kerl »


wenn du nen Jagdrecurve mit ca. 34#/32" Auszug schießt wirst du nicht lange bei dem Bogen bleiben - in Bälde wirst du auf, imho, 45#-50#/30" kommen.
Na ja, ich glaube, daß ich wohl erst noch einige Zeit mit dem jetzigen Bogen weitermachen werde. Durch meinen Beruf habe ich leider nicht die Möglichkeit, regelmäßig zu trainieren. ;( :motz
Somit dürfte wohl noch einge Zeit vergehen, bis ich zu stärkeren Wurfarmen greife.

Für die bisherigen Tips von euch allen bedanke ich mich nochmals. Da ich allerdings die Bestellung der neuen Pfeile rasch erledigen mußte, habe ich getaperte Pfeile mit einem Spinewert von 55-60 bestellt. Was dabei rauskommt, werde ich dann in Zukunft erfahren.

Viele Grüße von
langen-kerl.
Uli
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Beitrag von Uli »

Spleißen macht den Pfeil nicht anfälliger für Bruch. Ich habe einen Pfeil versucht, an der Klebestelle zu zerbrechen. Die Klebestelle hat gehalten, er ist daneben gebrochen. Ich spleiße an meine Pfeile prinzipiell ein Stück Buche an. Seitdem ist mir noch kein Pfeil wieder hinter der Spitze gebrochen.

Uli
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RE:

Beitrag von schiefa »

Original geschrieben von W.Munny
Grobe Faustformel zur Auswahl des Spinewerts lautet:
Pfundzahl des Bogens bei 28" Auszug = Spinewert des 28" langen Pfeils mit 125 grs Spitze
(Dies gilt für einen geraden glasbelegten Langbogen mit nur leicht eingearbeiteter Pfeilauflage)
Für Recurvebogen +5 lbs
je 1" Auszug über 28" nochmal + 5 lbs
macht insgesamt 28 + 5 + 20 = 53 lbs Spinewert für deine Pfeile.
Muss ich was dazu schreiben:
Entscheidend ist die Pfundzahl bei deinem Auszug nicht bei 28", dass ist die Kraft die auf die Nocke wirkt und den Pfeil "biegt" (Euler'sche Knickung für Physiker und Maschinenbauer).
Angaben wie +5 lbs gelten nur für einen ziemlich starken Bogen (schätze 70lb) und können nie allgemein gültig sein.
Die Länge des Pfeils geht mit dem Quadrat ein
(Hinterkante Spitze bis Nockenboden) also bei Dir ca. 31,5". Beim Spitzengewicht kannst Du ca. +-4% pro +-25 grain rechnen.
Für Recuve würde ich das ganze nochmal + 10% nehmen. Wenn Du eine Fastflight Sehne schießt (nehme ich mal an) kommen nochmal ca. 7% dazu.

Ergebnis: Spine = 34*(31,5/28)²*1,1*1,07 = 50 lb

Bei schlechtem Ablass musst Du eher etwas mehr rechnen. Mit Centershot werden 60lb schon hinkommen.
Von daher brauchst Du sowieso 11/32. Die sind übrigens etwa gleich schwer wie 5/16 bei gleichem Spine,
weil sie eine geringere Dichte haben.
lg
Andreas
W.Munny
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Beitrag von W.Munny »

Hi Andreas,

da bin ich jetzt aber froh, dass wir doch so ungefähr einer Meinung sind ;-) :D


Du mit rechnen (hat bei mir schon in der Schule nicht so gut geklappt) bei 50-60 lbs ausgekommen. Ich mit der groben Faust auf 53 lbs (ach ja, an die FF-Sehne hab' ich gar nicht gedacht, hätt ich so grob nochmal 5 lbs draufgepackt => 58 lbs ges.) Ich find für'n Grobian wie mich gar nicht mal so schlecht. 8-)


...und um's Ausprobieren kommt man eh nicht drumherum.
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schiefa
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Beitrag von schiefa »

Hallo Munni,
Faustformel ist meine Rechnung auch, das einzige was physikalisch sicher ist, ist dass man die Kraft bei tatsächlichen Auszug nehmen muss und das die biegsame Pfeillänge mit dem Quadrat eingeht. Ob man für den Recurve wirklich 10% mehr nehmen muss, hängt natürlich stark vom Recurve ab (Bei einem Border werdens sicher mehr sein).
Da hab ich mich an www.blackysarchery.com gehalten und die +- x lbs in Prozent umgerechnet was dann für alle Bögen gilt.
Sonst müsste man z.B. bei einem 20lb Langbogen den man nur 24" auszieht einen Spine von 20-4x5 = 0 nehmen.
Solche Schäfte sind unheimlich schwer zu kriegen!! :D
lg
Andreas
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Spinnwert bei getapperten Pfeilen

Beitrag von Bogensport »

Hi, ich habe alles genau gelesen, und ich konnte nichts finden, wie man bei getapperten Pfeilen den Spinnwert messen kann (Spinntester). Auch wenn man davon erstmal die Finger lassen sollte, würde es mich trotzdem interressieren?

kann mich da mal jemand aufklären?

Danke imvoraus Michael
Ratanrecurve 58" 49# Eigenbau :)
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kra
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Beitrag von kra »

Na ganz einfach, wie auch die normalen Schäfte auch - mit nem Spinetester!!!

Pfeil auflegen, Gewicht aufsetzen und dann den Wert ablesen. Der Spinewert ist eine Eigenschaft des ganzen Schaftes, wie er auch immer aussehen mag.

Such mal nach "Spinetester"
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Spinnwert

Beitrag von Bogensport »

Sicherlich kann man das auf einem Spinntester messen, aber das gewicht kommt doch auf die Mitte. Der Schaft ist aber vorne dicker und hinten dünner?
Gleicht sich das ganze aus? Oder sollte es dieses zumindestens tun?

Danke erstmal für deine Antwort!
Ratanrecurve 58" 49# Eigenbau :)
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