Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Fragen zu Boegen zum Bogenschiessen. Keine Fragen zum Bogenbau.
tubatabu
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Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Hallo allerseits.

Ich möchte mir einen neuen TD Jagdrecurve zulegen.
Kann mir bitte jemand erklären, wie sich die Wahl eines kurzen Mittelteils im Gegensatz zu einem längeren Mittelteil im Schießverhalten ausdrückt.

Also der Bogen soll insgesamt 60" lang sein. Angenommen ich nehme ein Mittelteil mit 15" und längeren WA´s oder ein Mittelteil mit 19" und kürzeren WA´s, welche Unterschiede würden beide im Schießverhalten haben.

VG
Uwe
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Swissbow
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von Swissbow »

Ein längeres Mittelteil wird etwas schwerer sein und deshalb mehr Stabilität und Schussruhe bringen. Die kurzen Wurfarme haben zudem weniger Masse und werden deshalb auch weniger Handschock verursachen. Sie werden wahrscheinlich bei gleichem Zuggewicht auch etwas schneller sein.

Die längeren Wurfarme werden sich wahrscheinlich in einem weicheren Auszug und einem gutmütigeren Verhalten bemerkbar machen. Das hängt aber auch von der Form der Wurfarme/Recurves und davon ab, wie stark diese vorgespannt sind.

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Andy
tubatabu
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Hallo Andy.

Danke für deine Antwort.
Ich schwanke nämlich zwischen den TradTech Black Onyx und dem Pinnacle. Beide mit den Black Max Carbon/Wood WA´s auf 60".
Ist das eine Tatsache das kürzere WA´s in der Regel schneller sind? Wäre ja ein Argument für ein längeres Mittelteil. ;D

Falls noch jemand einen Nachtrag hat, würde mich über jeden Tipp freuen.

VG
Uwe
shortRec
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von shortRec »

Ist soweit richtig. Man muss allerdings bedenken, dass der Auszug des Schützen eine wesentliche Rolle spielt. Denn die Wurfarme lassen sich nicht beliebig weit biegen. Je kürzer das MT, desto weiter müssen sich die WA biegen und fangen früher an zu stacken. D.h. das Zuggewicht nimmt mit zunehmendem Auszug überproportional zu ohne gleichzeitig entsprechend nutzbare Wurfleistung zu liefern.
Üblicherweise werden die Steckwurfarme für 25" Mittelteile konstruiert, die lange Version für etwa 30" Auszug. Mit einem 19" Mittelteil und 30" Auszug werden die schon ganz gut beansprucht.
tubatabu
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Danke ShortRec.
Ja hätte ich vielleicht mit angeben sollen. ;) Ich habe einen 28"-Auszug. Ist also nicht mit Stacking zu rechnen, oder?
Werde natürlich versuchen vorher ihn einmal probezuschießen. Ist nur nicht so einfach ein Händler in der Nähe zu finden, der den im Angebot hat. Berlin ist mit Händlern nicht so gut bestückt. >:(
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mbf
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von mbf »

Den Bogen wirst Du allerdings bei kaum einem Händler lagernd finden... egal, wie gut sonst bestückt. Das ist einfach ein Exot. Wenn Du nicht wenigstens einen vergleichbaren Bogen im Bekanntenkreis (oder auf einem Turnier) mal in die Hand nehmen kannst, wirds schwer mit dem "mal eben" Testen.
shortRec
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von shortRec »

Ob bei 28" Auszug mit Stacking zu rechnen ist? nunja, das hängt von der speziellen Geometrie des Mittelteils ab, d.h. wie weit befindet sich der Pivotpoint vor der Wurfarmaufnahme und in welchem Winkel stehen die Wurfarmaufnahmen. Die Wurfarme spielen natürlich auch eine Rolle. Hier sind die Geometrie, also Ansatz, Radius, Länge und Verlauf der Krümmung sowie das verarbeitete Material und letztlich die Art der Verarbeitung der Materialien auschlaggebend.
Kurz gesagt: Man sieht es dem Bogen von außen nicht an, wann er stackt.
Tendentiell stacken einfache (billige) Holz-Glasfaser-Arme am schnellsten und bieten den geringsten Comfort. Einfache Holz-Carbon sind da merklich besser. Mehr Komfort bieten Vollkunststoff-WA mit Schaumkern. Berichten zu folge neigen diese jedoch leicht zum delaminieren, wenn sie zu sehr beansprucht werden. Bleiben hochwertige GfK/CfK-Wurfarme mit Holzkern.
Ob die in dem kurzen Mittelteil bei dem Auszug stacken? keine Ahnung. Ausprobieren.
Eine Möglichkeit das in Erfahrung zu bringen, wäre neben dem praktischen Test ein Auszugsdiagramm. Vielleicht kannst du ein solches vom Hersteller des Mittelteils mit den originalen WA auf Anfrage erhalten oder ein freundlicher Händler fertigt es auf Anfrage an.
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mbf
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von mbf »

Ich ziehe 31" mit einem 62"-Bogen. Und was soll ich sagen, es funktioniert. 17"-Mittelteil (Tradtech Titan), lange WA. Wurfarme sind ein Satz alte "Premier Carbon" von Border, Holz, Glas und etwas Carbon. Jetzt schon einige Zeit im Einsatz und die WA halten. Alternativ habe ich einen Satz Hoyt G3 (Vollsynthetik) rumfliegen, die beiden geben sich nichts - wobei ich allerdings keine Aussagen zur Langzeitstabilität machen kann (und mir persönlich ist es auch eher egal, ob es die WA nun zerlegt oder nicht...).

Wenn man sich die Auszugsdiagramme von Blacky auf http://www.bowreports.com so anschaut (irgendwie habe ich zwar das Gefühl, dass da ein paar fehlen, aber was solls), dann hat kaum ein Bogen vor 28" ein ernstzunehmendes Stackingproblem. Wenn es von der Optik her die Original-WA sein sollen, dann nimm die. Wenn es Dir nur auf die Funktion ankommt, tut es jeder Mittelklasse-WA vom HdV (Achtung, bei der Auswahl beachten, dass durch das kürzere Mittelteil leichtere WA erforderlich sein werden, um das gewünschte Zuggewicht zu erzielen). Mit einem 15"-Mittelteil und langen WA bist Du aber m.E. gut bedient.

Du musst auch bedenken, dass unterschiedliche Längen des Mittelteils einen etwas anderen Blick über das Bogenfenster aufs Ziel bedeuten. Von daher kann ein zu kurzes Mittelteil auch wieder störend im Blickfeld sein. Das hängt aber wieder an Deinem Stil.

Von daher würde ich unterm Strich aber sagen, bestell, was Dir gefällt. Viel wichtiger ist allerdings, wie sich der Bogen anfühlt und von Dir schießen lässt. Bei den erwähnten Mittelteilen ist die Griffform vorgegeben, mit der muss man zurechtkommen.
tubatabu
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Danke nochmals euch beiden.

Da ergeben sich für mich wieder neue Fragen. ;D Das ist für mich eine ganz neue Materie, habe nämlich bis jetzt nur Einteilige Jagdrecurves geschossen. ;)

Ich tendiere momentan zum 19" Pinnacle-Mittelteil und ein paar SF Carbon Foam WA´s o.ä..
Da ja die Angaben zur Leistung der WA´s sich auf 25"-Mittelteile beziehen, weiß ich nicht welche Maße ich bei bei einem 19"-Mittelteil angeben muß um auf 40# zu kommen. Ich dachte in meiner Unkenntnis, ich nehme einfach die 6" die das Mittelteil kürzer ist und lege sie auf die Länge der WA´s mit drauf. Also 66" lange WA´s mit 40# macht zusammen 60" 40#@28.
Das ist falsch, oder?
Gibt´s da irgendeine Formel, wie man das errechnen kann?
Mein Gedankengang zur Länge ist doch aber richtig, nur der mit der Leistung nicht, oder?

VG
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Ich habe gerade hier in FC gelesen, 1" kürzeres MT = 1# höheres Zuggewicht. Stimmt diese Aussage?

Wenn das stimmt, würde das heißen, ich müßte bei einem 19"-MT mir 66" lange 35#@28" WA´s holen um einen 60" langen 40#@28" Bogen in den Händen zu halten???

VG
Uwe
shortRec
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von shortRec »

So in der Größenordnung liegt das. Abweichungen sind im Einzelfall möglich (s.o.)
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mbf
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von mbf »

Deswegen probiert man solche "Kleinigkeiten" nach Möglichkeit beim HdV aus (oder man hat einen Pool an WA und etwas Werkzeug, s.u. zu hause rumfliegen...). Online, ohne das Material in der Hand gehalten zu haben, ist immer etwas riskant. Klar, man kanns zurückschicken, aber die Enttäuschung, dass es nicht so gut gefällt wie im Prospekt, bleibt im Hintergrund stehen. Und der Händler freut sich auch nicht wirklich über das Ausnutzen des Fernabsatzgesetzes. ;-)

Ich schieße auf meinem 17"-Mittelteil 34-lbs-WA, macht dann bei 31" so knappe 45 lbs im Vollauszug. Kommt also ungefähr hin. Achtung: auch WA haben eine Toleranz bei der Herstellung: +/- 2 lbs gelten als normal. Ich gehe zwar davon aus, dass die meisten Hersteller genauer fertigen, aber ganz sicher ist das nicht. Letztendlich zählt das Zuggewicht, das man auf dem Finger hat. Das lässt sich am bequemsten über eine Zuggewichtswaage bestimmen, dann weiß man auch, ob das Gesamtsystem so passt. Vorher kann man nur gewisse Vermutungen anstellen... und wenn man dann 5 lbs daneben liegt, ist das mehr als ärgerlich.

Was shortRec geschrieben hat (Di 12. Okt 2010, 15:41, erster Absatz) spielt auch ins (End-)Zuggewicht rein, das Stacken ist ja nur ein Aspekt von mehreren beim Auszug. Nimm x WA unterschiedlicher Hersteller, alle, sagen wir mal, exakt 30,00 lbs @28" (irgendwie bestimmt). Nimm y Mittelteile unterschiedlicher Hersteller, alle, sagen wir mal, 19,00" lang. Und jetzt tausch die WA durch. Ich gehe davon aus, dass Du zwischen 27 und 33 lbs @28" alles finden wirst. Es gibt zwar grobe Standards, aber jeder Hersteller hat da mitunter so seine eigenen Vorstellungen, was im Rahmen des Standards so geht. Das gilt übrigens nicht nur für "Exoten" wie Tradtech & Co, das hat man durchaus auch, wenn man Hoyt und W&W (um mal 2 der "Großen" zu nennen) durcheinander würfelt.
Zuletzt geändert von mbf am 14.10.2010, 14:21, insgesamt 1-mal geändert.
roland73
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von roland73 »

Hallo Allerseits,

ich bin ganz neu hier in diesem Forum. Ich habe vor ca. 2 Monaten mit dem Bogenschießen begonnen und mich faziniert dieser Sport ungemein. Ich schieße momentan mit einem dreiteiligen Recurve (Ragim Impala mit 35 Pfund) den ich mir von einem
sehr guten Bekannten ausgeliehen habe.
Ich möchte mir aber jetzt ein eigenes Gerät kaufen. Ich tendiere auf einen einteiligen Jagdrecurve mit ca.40 oder 45 Pfund.
Könnt ihr mir da irgendwie weiterhelfen ob ich da auf dem richtigen Weg bin.
tubatabu
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von tubatabu »

Vielen Danke nochmal für eure Mühe.
Wenn ich mir einen Bogen zusammengstellt habe, werde ich hier nochmal zusammenfassend posten, was bei rausgekommen ist.

Eine letzte Frage noch. Was heißt GfK und CfK? Mir ist schon klar das es die Materialien der WA´s sind. G wahrscheinlich für Glas und C für Carbon. Aber wofür steht f und K? Wenn ich die Abkürzungen google, kommen auch nur diese Abkürzungen.

VG
Uwe

@Roland73
Du solltest mit deiner Frage einen neuen Thread eröffnen oder die Suche benutzen. Ich glaube nicht, das hier mittendrin einer ein Bogenkaufempfehlungshilfegesuch vermutet. Nicht das du am Ende denkst, das dir keiner helfen will, nur weil keiner deine Frage findet. ;)
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Galighenna
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Re: Auswirkungen eines kleinen Mittelteils

Beitrag von Galighenna »

das f steht für faser und das K für Kunststoff.

Glasfaser-Kunststoff und Carbonfaser-Kunststoff
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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