Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

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Diamantgeist86
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Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

Beitrag von Diamantgeist86 »

Hallo Community,

Ich bin noch ein Neuling im Bogenbau und versuche mich gerade an meinem Ersten. Da ich jetzt an einem Punkt bin, wo ich befürchte, mein Bogen könnte brechen, wenn ich nicht weiß was ich tue, wende ich mich mit ein paar Problemen an euch und hoffe ihr könnt mir ein paar Tips geben, da meine Anleitung aus dem Internet doch eher dürftig ist.

Ich habe mir im Januar eine weiße Birke mit etwa 15 cm Durchmesser gefällt, diese entrindet und einmal gespalten. Aus der einen Hälfte habe ich eine grobe Form des späteren Bogens herausgearbeitet, wobei die Holzschicht direkt unter der Rinde meinen Bogenrücken bildet (Winterring). Nun hat mein Bogen folgende Maße (ich habe auch ein paar Bilder hochgeladen).
http://www.myimg.de/?img=281020111010d0744.jpg
http://www.myimg.de/?img=28102011101196bbf.jpg
http://www.myimg.de/?img=281020111012c32c9.jpg
http://www.myimg.de/?img=28102011101315b76.jpg
http://www.myimg.de/?img=281020111014a4a71.jpg
http://www.myimg.de/?img=281020111015cb366.jpg
http://www.myimg.de/?img=281020111016ced4d.jpg

Gesamtlänge: 1.40 m;
Länge: Mittelstück/Griff = 6 cm, Wurfarme = je 50 cm, Endstücke = je 16 cm;
Breite: Mittelstück/Griff = 3,5 cm, Wurfarme = 5,5 cm, Endstücke = auf 2 cm abfallend;
Dicke: Mittelstück/Griff = 2,5 cm, Wurfarme = 1,4 - 1,6 cm und Endstücke 2,2 cm.

Nun zu meinen Problemen/Fragen/Befürchtungen.
Ich bin gerade dabei mit einer Feile langsam Holz vom Bogenbauch der Wurfarme abzutragen, damit sich der Bogen langsam anfängt zu biegen. Mit etwas Kraft lässt er sich auch schon um 1-2 cm durchbiegen. Nun habe ich mich gefragt, ob ich schon mit dem Tillern anfangen sollte oder ob sich der Bogen doch viel mehr biegen lassen sollte?
Und wenn ich noch weiter Holz vom Bogenbauch abnehme, muss die Dicke der Wurfarme kontinuierlich bis zu den Endstücken abnehmen? oder muss die Dicke am ganzen Bogenbauch einigermaßen konstant sein?

Ich befürchte auch leider, dass mein Bogen etwas zu kurz geraten ist mit 1.40 m, denn ich selbst bin 1.65 m groß. Denkt/Wisst ihr,ob es möglich ist trotzdem noch einen gut funktioniernden Bogen daraus zu machen?

Ein weiteres Problem ist, dass einer der Wurfarme eine leichte Verdrehung um etwa 15 - 20° hat. Stellt dies ein Problem dar? oder lässt sich diese Drehung später am fertigen Bogen durch eine angepasste Abschussweise des Pfeiles ausgleichen? Lässt sich solch eine verdrehung mit Wasserdampf beheben?

Ein letztes problem habe ich bezüglich einer Verkernung/Verhärtung (ich habe leider den fachausdruck nicht gefunden) in einem der Wurfarme. Eine runde schware Stelle, die sehr hart und widerspenstig ist. Stellt diese einen Schwachpunkt im Bogen dar oder sollte ich mir darum keine Sorgen machen?

Das ist jetzt ganz schön viel... ich hoffe trotzdem ihr könnt mir weiterhelfen und mir ein paar erfahrungsgemäße Ratschläge geben.
Ich bedanke mich schon vielmals im Voraus für eure Bemühung.

Beste Grüße

Patrick
optikus
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Re: Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

Beitrag von optikus »

Hallo erstmal und herzlich willkommen auf FC.

Also 1. einen kurzen Bogen zu bauen ist prinzipiel schon mal schwieriger als einen langen.
2. Birke ist wohl nicht sooo das tolle Holz zum Bogenbau.

Vielleicht solltest Du Dir ( diesen Rat habe ich hier auch bekommen ) besser zum Beginn einen schönen langen Haselnussstecken mit einem ordentlichen Durchmesser von min. 8 cm suchen. Haselnuss ist ein weitverbreitet Gehölz und fast überall zu finden.
Frag mal bei Leuten die einen Knick ( so heist das bei uns ) im Garten stehen haben. Das sind Haselhecken. Die müssen zwischendurch mal runtergeschnitten werden. Da fällt dann immer mal was ab.
Bei Deiner Körpergrösse würde ich lieber überlang bauen. Besonders beim ersten. Das verzeiht Tillerfehler eher. Kurzer Hebel knack, langer Hebel hält eher.
Du hast die Fades in deinem Rohling sehr hart rausgearbeitet, der Übergang vom Griff zum WA muss weicher übergehen.
Benutz mal die SuFU nach Haselnussbögen.
Bin aber auch noch Newb.
Vielleicht sagen Dir die Cracks hier was ganz anderes.
Aber lass Dich blos nicht entmutigen.
Wenns knack macht, ist es zwar ärgerlich aber man lernt was draus.

LG

Armin
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Galighenna
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Re: Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

Beitrag von Galighenna »

Hmm joa
Also von der Form her geht das ja schon in die richtige Richtung. Ein Bogen kann das durchaus werden. Fangen wir mal langsam an:

Ich würde vorschlagen, die "scharfen Ecken und Kanten" am Griff in fließende Übergänge um zu arbeiten. An Kanten und Ecken sammeln sich Spannungen, ausserdem fasst es sich nicht so schön an ;)

Dann deine "Problemstelle"... Die scheint mir ein Totast zu sein. Wie groß dieser ist kann man auf dem Bild nicht so recht einschätzen, ich vermute aber, das spielt sich im Bereich um 5mm ab. Vermutlich stört der nicht wirklich.

Die Dicke der Wurfarme nimmt genau so ab oder bleibt gleich wie es das Holz bestimmt. Die Dicke der WA ergibt sich nämlich automatisch beim Tillern, wenn man den Bogen zu einer gleichmäßigen Biegung bringt. Weil man ja immer an dickeren (steiferen) Stellen Holz abträgt, bildet sich von selbst ein passender Dickenverlauf (engl. Taper)
Generell kann man sagen: Wenn die Seiten den WA Parallel bleiben, also die Breite gleich bleibt, nimmt die Dicke im Allgemeinen gleichmäßig nach Aussen hin ab.
Je mehr die Breite nach Aussen hin abnimmt desto gleichmäßiger bleibt die Dicke gleich... Und natürlich gibt es beliebige Mischformen davon, z.B. wenn ein WA zuerst gleich breit bleibt und später erst schmaler wird...

Zur Länge:
Für 28" Auszug ist der Bogen definitiv zu kurz. Ich würde ihn nicht weiter als etwa 22-23" Ausziehen. Birke ist eh kein so tolles Bogenholz. Wenn der Bogen zu kurz ist, bekommt der Bauch sehr schnell die Knitterseuche (Kompressionsfalten, auch Stauchbrüche genannt)

Zur Biegung (Bodentiller)
Wenn er sich erst ein paar wenige Zentimeter biegen lässt ist das noch zu steif. Er darf sich mit Kraft auch ruhig schon 20cm einbiegen lassen, so das man schon erkennen/fühlen kann, ob der Bogen sich halbwegs OK biegt.
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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Diamantgeist86
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Re: Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

Beitrag von Diamantgeist86 »

@ optikus: Ich werd auf jeden Fall an diesem Bogen weiterarbeiten, auch wenns krachen sollte ;-) aber danke mal für den Hinweis

@ Galighenna: Danke für die Infos, damit weiß ich schonmal, wie ich weiterarbeiten muss. Der Totast is doch schon so 1 cm groß, aber dafür ist an der Stelle auch der Bogenrücken etwas dicker.

Vielen Dank
Gornarak
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Re: Erster Bogenbauversuch - was kommt nach der groben Form?

Beitrag von Gornarak »

Als erstes würd ich wohl die Übergänge am Griff richtig schön weich machen. Die sind viel zu brutal.
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