Komposit, erste Schritte & Fragen

Sättel, Zaumzeug, Reiterbogen, Kompositbogenbau, usw.
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Snake-Jo
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Snake-Jo »

Hallo Acker,
schön, dass du dich da ran machst. :)
Zwei Bogen gleichzeitig bzw. leicht versetzt zu bauen, ist ein guter Plan. Da kann man beim zweiten die Fehler aus dem ersten vermeiden.
7 mm sind zu viel, allerdings kann man im Spleiß ruhig soviel Tiefe lassen und dann aber den Rahmen bzw. Wurfarm im Holzrahmen runtertillern.
Merksatz: Der Holzrahmen muss sich wie ein normaler Bogen mind. auf 26" ausziehen lassen. Viele testen das nicht und haben später Probleme.

Die Haupt-Knackpunkte sind später die Übergänge von Griff zu Wurfarm und von Wurfarm zu Siyah.
Merksatz: Unter der Wicklung darf sich nichts bewegen. Da muss man also erstmal etwas mehr an Materialdicke draufpacken.

Was die Elastizität von Sehnenmaterial angeht: Vergiss es! Das ist unerwünscht; die müssen reißfest sein und basta! 8)
Bislang konnte ich auch noch keinen Unterschied feststellen zwischen Sehnen von trainierten Tieren und von untrainierten (woher weiß ich das überhaupt?). Wenn die Sehne nichts taugt, dann ist sie meist schlecht zubereitet (erhitzt).
Bambus als Action-Boo habe ich noch nicht verwendet, wohl aber normales Bambus. Osage geht sicher auch sehr gut. Das Gewicht kann man, wie du selbst sagst, bei einem Streifen von 500 x 35 x 5 mm getrost vergessen. Ich habe schon authentische Bogen aus Pflaumenholz und Ulme gesehen, auch nicht gerade leichte Hölzer.

Immer wieder liest man, das der Holzkern keine so große Rolle spielt, weil er in der Mitte liegt. Das ist nicht richtig. Bei Verwendung von rund 3 mm Sehnenschicht, 5 mm Holz und 4-6 mm Horn liegt der Holzkern näher am Rücken und da das Holz mehr als ein Drittel der Schichtdicke ausmacht, ist es auch relevant. Zudem: 5 mm Ahorn oder 5 mm Osage als Holzrahmen sind schon ein gewaltiger Unterschied in der Leistung.

Zahnung in Zahnhobel einschleifen: Eine Dremel-Flexscheibe von gegebener Stärke (1 mm oder 1,5 mm) für eine Rechteckverzahnung geht am leichtesten. Auf der Klinge mit Nadel die Tiefe anreißen, ebenso die Aufteilung der Zähne. Ist mühsam, aber nur einmal nötig. Dann einen Tiefenanschlag setzen und den Dremel im rechten Winkel nach unten bewegen und Schlitzbreite gleich Zahnbreite herstellen. Spitze (dreieckige Zähne) sind schwieriger herzustellen.
Rechteckzähne haben die dreifache Klebefläche, Dreieckzähne nur die doppelte wie flach verleimt.
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acker
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Danke Jo !
Das waren schon mal gute Infos :)
Ah, mit einem Dremel....muß ich nur meine Dremelkiste finden ,nenene ::)

Frage :
Wie tief sollten die Siyhas sein ?
Ich habe dafür nun einige Laminate aus Eibe und Ahorn geschnitten zwischen 3 und 6mm Stärke in etwa.
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acker
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Den Zahnhobel habe ich leider doch nicht fertig bekommen heute , ich hoffe das ich das entsprechende Sägeblatt noch finden werde denn der Korpus ist schon vorhanden für den Hobel ;)
Da muß auf jedenfall bald eine Lösung für her, denn ohne komme ich nicht weiter.
Ich kann nun noch die Laminate für die Syhas biegen, ein zweites Griffstück bauen und dann war es das.


Produktiv war ich dennoch heute.
Der Griff, aus Buche, wurde ausgesägt und abgerichtet :
DSCI1299.JPG
DSCI1300.JPG
Griff Design aufgezeichnet und per Bandsäge ausgesägt,
DSCI1301.JPG
DSCI1304.JPG
DSCI1306.JPG
Dann an dem Band u Tellerscheifer plan geschliffen ,
DSCI1309.JPG
DSCI1310.JPG
Dann wurden aus einem Eibenstück die Laminate für die Syhas geschnitten und durch die Dickte gejagt :
DSCI1313.JPG
Eine Hobellade für den Zahnhobel gebaut ,
DSCI1318.JPG
Die Laminate für die Syhas auf 25cm laut Buchangabe abgelängt und hier das ganze bisher hergestellte , weil benötigtes Material und Gismos :
DSCI1320.JPG
Da kommt so einiges zusammen ::)
und es ist ja lange noch nicht alles ....
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Snake-Jo
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Snake-Jo »

Dicke der Siyahs: Micha Wolff gibt 3 cm Breite und 2 cm Tiefe an. Ich mache es meist umgekehrt. Es kommt aber immer auf den Bogentyp an.

Zur Verzahnung: Eine Verzahnung erscheint mir nur bei Hochleistungsbögen oder authentischen Nachbauten notwendig zu sein. Natürlich ergibt sich mit der Verzahnung ein besserer Zusammenhalt. Die alten mongolischen Kriegsbogen hatten jedoch bei gleicher Breite keine Verzahnung aufzuweisen und wurden nur mit Hautleim geklebt. Mit einem modernen Epoxykleber geht das alles ohne Verzahnung und hält bombig. Falls doch eine Delamination auftritt, dann hat man schlecht gearbeitet. ;D

Noch zur Stärke der Wurfarmlaminate: Diese sollte in Wurfarmmitte bzw. im ganzen biegenden Bereich um 5 mm liegen , bei Osage kann man sicher auch auf 4 mm runter. An den Spleißen jedoch sollte die Laminatstärke bei rund 8-9 mm liegen. Wenn du also noch die Stärke von 8 mm hast, dann so spleißen und später den zwischen den Spleißen liegenden Bereich runterarbeiten auf 5 mm.
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acker
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Ha, Danke Jo :)
Dann laminier ich einfach eine 3mm Ahornplatte in den Spleißbereichen auf den Wurfarm auf, sollte die einfachste Lösung sein , also so zu sagen ein Spleißpowerlam ;)
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von kra »

Der Gedanke kam mir auch....
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Snake-Jo
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Snake-Jo »

acker hat geschrieben:Dann laminier ich einfach eine 3mm Ahornplatte in den Spleißbereichen auf den Wurfarm auf, sollte die einfachste Lösung sein , also so zu sagen ein Spleißpowerlam ;)
Nö, das Ding heißt Brücke oder auch "rigde" (Kamm, Grat, Leiste, Erhöhung), ist belegt für Koreanische Bogen (Jeff Schmidt in TBB III, Korean archery) oder auch für mongolische Bogen (Ausstellung Steppenreiter, Bonn, der Bogen von Chonot Uul).
Kannst du problemlos machen, aber einen sehr sanften Übergang zum Wurfarm schleifen. Länge: etwas über den Spleiß wurfarmseitig und bis zum Knie siyahseitig. Den Hornbelag dann etwas über das Knie hinaus.
LG,
Jo
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acker
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Danke Jo, ja kein Problem wird bis zum Lichttest runter geschliffen nach dem Spleiß .
Dann kann ich die Leisten ja alsbald Dämpfen und den Rahmen verkleben.
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Snake-Jo hat geschrieben:Dicke der Siyahs: Micha Wolff gibt 3 cm Breite und 2 cm Tiefe an. Ich mache es meist umgekehrt. Es kommt aber immer auf den Bogentyp an.
Ich tendiere da auch zu 3cm tief und 2cm Breit, so dicke Klunker mag ich da nicht dran haben . ::)
Heute kann ich endlich weiter an dem Holzkern arbeiten .
Ich werde wie von Jo beschrieben die Wurfarmstärke auf die 5mm reduzieren und die Brücken anfertigen .
Dann geht es mit der dämpferei los :)

Dann könnte ich im laufe der Woche die Teile verleimen .
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Snake-Jo »

Hallo Markus,
hier ist der Rahmen eines Komposits, den ich ähnlich wie du produziert habe.
Wenn du den Rahmen plus Brücken verleimt hast, spann ihn auf. Bei meinem sieht man auch gleich, wozu das gut ist: Man sieht die Schwachstellen am Holz und kann dann gleich gegensteuern. Also an den gekennzeichneten Stellen mehr Sehne drauf bzw. links den dickeren Hornbelag. So einen Rahmen mit Schwachstellen wird man jetzt aber nicht voll ausziehen. Tillern bringt bei mir auch nicht viel, weil der dünne, 5 mm-Rahmen, das nicht hergibt.
Wundere dich nicht, wenn der reine Rahmenbogen zur Seite verwindet: Das ist normal. ;)
So ein Rahmen hat ein Zuggewicht um 10 lb, völlig normal.
Zu den Siyahs: Die können natürlich noch weiter verschlankt werden, z.B. durch eine messerartige Form im Querschnitt, also am Bauch breit, am Rücken schmal, eine Art hohes Trapez.
Rahmen.jpg
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Danke Jo :)

Komme grade aus der Werkstatt, hatte ganz vergessen das heute Sonntag ist...ein Tag an dem Nachbarn kein Verständniss haben für eine laufende Dickte ::) >:)

Aber die Brückenstücke vorarbeiten und etwas Hobeln an den Wurfarmen ging dennoch .
DSCI1326.JPG
Hier die Einzelteile , 10 lams für die Syhas , 2 Wurfarme, 4 Brücken, 1 Griffstück, 2 Biegeschablonen für die Wurfarme und die dopellte Schablone für die Syhalaminate.
DSCI1328.JPG
Wobei ich wohl erst noch eine Probedämpfung machen werde mit etwas dickeren Laminaten für die Syhas , denke das bekomme ich auch gut mit 1cm Stücken hin gebogen . Schauen wa mal .
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Snake-Jo »

Hast du die Verzahnung aufgegeben?
Hier wären noch Vorschläge:
Sägeblatt-Hobel.jpg
Aus einem einfachen Stichsägeblatt mittels Dremel und kleiner Flexscheibe
Verzahnung-Sägeblatt.jpg
Auch wenn die Zähne nicht hundertprozentig sauber geschliffen werden: Macht nichts! Mit dem Kleber ergibt sich eine lückenlose Verzahnung.
Zahnleisten-Hobel.jpg
Oder eine Viereck-Verzahnung. Alte Anschlagleiste aus eine Schreibmaschine.
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von acker »

Ja Jo ich habe die Verzahnung erfolgreich verdrängt ::) , zumindest für diesen hier bis ich was passendes gefunden habe zum umbasteln.- der Zweite soll aber mit sein . Wollte dafür mal den Baumarkt unsicher machen , die Viereck- Verzahnung erinnert mich auch glatt an so einen Glätter?? mit eben dieser Zahnung dran.
Danke für die Bilder :)

Die guten Eiben und Ahorn Laminate für die Syhas hebe ich mir für Nr 2 auf, für diesen habe ich aus einer Kantel 2 Syhas geschnitten -> stehende Ringe. Sind noch nicht in Form gebracht, nur grob ausgearbeitet.
Die Wurfarme wurden heute auf 5 ,5mm im Biegebeich runter geschliffen sowie die Brücken geschliffen bis das Licht an den Enden durchscheint.
DSCI1334.JPG
DSCI1336.JPG
Btw :
Ich habe beide Leisten vor dem Dämpfen auf ihr Biegeverhalten hin getestet , so eine Art Handtiller gemacht.
Die Biegungen verglichen und mir je eine Seite markiert welche am Griff angespleißt werden soll.
Denke das sie sich so direkt gleichmässiger biegen werden. Ein Wurfarm ist aber einen döt stärker , aber das werde ich mir dann erst nach dem verspleißen genauer ansehen.
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Lulatsch »

Hallo Acker

zum Thema Zahnschaber: Ich habe dafür die Scherblätter eines Haarschneiders (Langhaarschneider) verwendet.
Härte des Materials und Zahnabstand genügen den Anforderungen.
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Arry
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Re: Komposit, erste Schritte & Fragen

Beitrag von Arry »

Interessanter Tipp!
Wenn ich groß bin, will ich ne richtige Werkstatt.
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