Ich find' es auch spannend wie Kyudo hier so von anderen gesehen wird...
Wenn Dich Kyudo interessiert... 2 Vereine in München, Germaringen, evtl Weilheim über Landsberg

wären doch in Reichweite...
@Johannes...
Zu fragen: was kann man anders machen damit mehr kommen...? erscheint mir persönlich jetzt nicht zielführend.
Für Leute die es nie probiert haben etwas zu ändern ist doch absurd.
Kyudo wandelt sich mit der Zeit schon - aber eben von innen und nicht von aussen.
Leute an zu werben, die mit dem was wir im Kyudo machen eigentlich nix am Hut haben beeinträchtigt die Gruppe und der Lernerfolg wird auch ausbleiben wenn jeder nur macht was er meint.
Das eigentliche Problem hier - und der grosse Unterschied zu Japan, ist, dass hier jeder für alles einen Grund braucht. In Japan wird einfach erst mal gemacht was alle machen und dann sieht man schon.
Man sieht das ja an den Kommentaren hier, keiner weiss wirklich was Kyudo ist oder was im Training abläuft - alle sind sie sich aber einig, dass es für
sie so nix ist. Man hat es nie gemacht, nie ein Training gesehen, aber man weiss: so taugt
mir das nicht.
Etwas einfach einmal ohne grossen Anspruch zu machen - darin sind viele hier schon überfordert.
Ist ja auch ok, da kann man dann aber auch nicht viel tun - und wozu auch?
Mir taugt das Üben so wie es ist. Ich finde auch die Form sinnvoll und interessant.
Ich mag die Ruhe, ich mag auch die Einheitlichkeit. Beides erlaubt mir mit meinem Üben alleine zu sein in der Gruppe. Man stellt sich schneller auf einander ein, übt konzentrierter, man beeinträchtigt niemanden und wird selbst auch nicht beeinträchtigt... die Form trägt einen mitunter sogar in seiner Arbeit.
Ich sehe keinen Grund da was zu ändern.
Und wer das nicht mag hat ja zahllose andere Freizeit-Optionen...
Ich möchte gar nicht Leute in der Gruppe haben die alles erst einmal in Frage stellen und zerreden müssen.
Ich würd' mir dafür auch sicher nicht meine Trainingszeit um die Ohren hauen und unbezahlt unterrichten (nicht dass ich überhaupt Trainer bin, aber prinzipiell...).
Klar geht man auf körperliche Fähigkeiten, verfügbare Zeit usw des Übenden ein - und ein Stück weit auch auf seine Mentalität.
Und klar kann die Gruppe von innen heraus entscheiden ob sie Technik, Form, Zen, Wettkampf oder was-weiss-ich als Schwerpunkt setzt, wie viel man spricht, ob man sich ne Glatze rasiert und nur grünen Tee trinkt...
Ich sehe aber keinen Grund zu meinen etwas Anderes sein zu müssen als was man halt ist, nur um Leute an zu ziehen.
Das war eben der Punkt - lieber weniger Anfänger, die aber bewusst das machen wollen was geboten wird und evtl auch bleiben, als mehr, denen man nur Zeit hinterher schmeisst um sich selbst stören zu lassen damit sie dann doch gehen.
Das mag jetzt für die Nicht-Kyudoka etwas robust klingen...
ist aber nicht bös' gemeint.
Es besteht ja in keine Richtung ein Zwang...
Wenn ich in einen der deutschen Vereine für historischen Schwertkampf eintrete und erst mal mit dem Katana daherkomme und meine ich will es halt lieber so machen usw... die würden mir auch was husten. Oder wenn ich Iaido halt mit dem Breitschwert machen will...
Diese Vereine haben sich zusammengefunden um zusammen etwas zu machen - jeder entscheidet frei ob es ihm taugt oder nicht und jeder Verein kann aufnehmen wen er will - oder auch nicht.
Kyudo ist halt so wie es ist - und die die es machen machen es gern und sehen auch einen Sinn drin.
Wer es so nicht mag muss ja nicht hin...
Dass viele die meinen sie interessiert Kyudo eine verzerrte Vorstellung haben liegt eben an unserer Gesellschaft, den Medien usw. Die probieren es und vielen entspricht es eben nicht. Deswegen muss aber eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition nicht für jeden das Fähnchen im Wind spielen, denke ich.
Vielen Menschen ist einfach diese Art des Übens fremd... aber ohne geht es nicht.
Und am Anfang ist Kyudo eben nur Bogenschiessen. Man muss sich hinstellen und die Griffe lernen und üben.
Die Form ist leicht gelernt, die Technik weniger, und um das Ganze zur Kunst (oder gar Zen) zu erheben muss man halt Jahre lang arbeiten.
Vielen ist der Weg zu lang und auch der Anfang zu banal. Was will man da gross machen?
Wenn Leute mit dem Anspruch kommen Zen zu machen oder Bogenmeister werden zu wollen aber nicht jahrelang Schiessen lernen und üben...?
Klar, man versucht heute schon die Leute schneller voran zu bringen als in vergangenen Zeiten aber man muss es halt doch immer noch üben - und üben wollen. Zu erwarten, dass einem da einfach mal schnell die grossen Geheimnisse offenbart werden... ja mei, die werden nicht offenbart, die
offenbaren sich dem der kontinuierlich und konzentriert übt
im Üben.
Durch jahrelanges bewusstes und kritisches Tun wird einem das was man tut zur Natur. Es eröffnet sich einem die Natur der Aktivität und man kann sich in ihr bewegen und gestalten. Irgendwann, wenn man Glück hat, fliesst die Arbeit ganz natürlich aus einem heraus. Deswegen ist es trotzdem noch Arbeit, sie hat aber eine Klarheit, Natürlichkeit die man nicht gewollt herstellen kann. Eine Kunst wird es wenn ich der Natur der Aktivität Ausdruck geben kann. Das geht also über ein Verständnis der Natur hinaus - und weit hinaus über blosse technische Kompetenz. Es ist egal ob das Musik ist, Zeichnen, Tanz, Töpfern oder japanisches Bogenschiessen...
Dort hin zu kommen dauert lange und Abkürzungen gibt es wenige.
In unserer Gesellschaft ist Kunst zu 90% Idee und Handwerk zu 90% Technik. Ein Gefühl für die Materie, Kunstfertigkeit usw müsste man sich ja über Jahre erarbeiten... dafür fehlen Zeit und Interesse. Wir wollen schnell Resultate sehen.
Im Kyudo - wie in manchen seltenen Kunst- und Handwerksdisziplinen wird aber eben noch traditionell auf ein Ideal hin geübt - sei es Maximierung der Energie, Schönheit, Wahrheit,...
Und es geht halt nur mit Übung. Das ist wie Musik oder Zeichnen...
Zeichnen lernt man indem man einfach viel und sehr konzentriert und kritisch zeichnet... mit Kyudo ist es das gleiche.
Wenn einen diese Art des Übens nicht reizt, wenn nicht jeder Pfeil ein spannender Versuch auf diesem Weg ist, wenn man nur das Ziel im Kopf hat: ich will Meister oder was-weiss-ich sein... dann versauert man, vielleicht nicht an der ersten Hürde, aber der zweiten, dritten,... und viele driften dann eben wieder weg.
Ist doch auch ok...
Viele wollen halt nicht so üben - Kunst nicht, noch Handwerk oder Sport,... es muss Fun, Quick und-Easy sein.
Und, naja, der Bogen schiesst auch nur durch aufziehen und loslassen...
...das ist ja auch ok, ist aber kein Kyudo.
Kyudo als Kultur hat sich eben aus diesem Streben nach einen Ideal hin entwickelt. Und das schliesst halt auch mehr ein als nur treffen.
Sonst ist es eben nur "Bogenschiessen mit dem Yumi".
Klar, auch viele die Kyudo praktizieren haben gar nicht den Anspruch "grosse Kunst" erlangen zu wollen, und auch das ist ok. Man kann es auch im Kyudo beim Bogenschiessen mit dem Yumi belassen und nur miteinander Bogenschiessen.
Wenn man aber Bogenschiessen als "Kyudo" machen will muss man sich aber halt wenigstens darauf einlassen, dass es eben in der historisch tradierten Form gelehrt wird.
Für die die Kyudo als Kunst erlernen wollen ist es die einzig sinnvolle.
IMHO...
Gruss,
Mark