Jetzt wirds lustig - und umfangreich. Na ich versuche es mal häppchenweise...
shokunin hat geschrieben:Klar, wenn der junge Herr Rado dann mit seinem bei Dir erworben H2O2 am Küchentisch herumplanscht, und die kleine Schwester kommt rein geschossen, rumpelt an den Tisch und ist den Rest ihrer Tage blind…
Da braucht es nicht mal die kleine Schwester. Getreu dem Motto
Links ist da, wo der Daumen rechts ist! habe ich z.B. je nach Werkzeug auch zwei rechte Daumen...
Unterm Strich haben wir als Gesellschaft von unserer Eigenverantwortung abgedankt und sie dem Staat und unseren Versicherungen usw übertragen.
Nicht als Gesellschaft, als die Summe vieler Einzelpersonen! Hier gilt es ja, den "Gewinnern" des Systems nachzueifern, und von denen haben wir in zwei Finanzkrisen vorgelebt bekommen:
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren! Das ist halt die typische
Und nun verklage ich Dich!-Mentalität, die leider immer weiter um sich greift. Und wenn mir jeder Schritt in den Schuhen umgedreht werden kann, dann laufe ich eben nicht mehr. Und wenn die Richter dann dazu übergehen, die Rechte an meinem Rumgelaufe auch noch dem Schuhhersteller zuzusprechen, dann halte ich meine Füße bar in die Luft. Was bleibt mir übrig?
Und klar, viele Leute haben keine Ahnung wie gefährlich manche dieser Allerwelts-Chemikalien sind…
Und das geht schon beim Verdünnen (halbwegs) konzentrierter Säuren bzw. Laugen los. Schon folgender Spruch ist heutzutage nur noch den semiprofessionellen Amateuren bekannt:
Erst das Wasser, dann die Säure - sonst passiert das ungeheure. Erst die Säure, dann das Wasser - so wird die Reaktion gleich krasser!
Mich gruselt es zwar jedes Mal wenn ich den Deckel vom Zyankali-Bad aufmache und das rieche…
Ich empfehle dringend, in einen Abzug zu investieren. Und in einen passenden Atemschutz. HCN ist eines der Gase, welches in tötlichen Dosen daher wabert, ohne dramatisch unangenehm zu riechen. H2S z.B. riecht erst mal bestialisch - bevor man sich innerhalb von Minuten dran gewöhnt hat... (Diese kurze Zeit sollte aber auch als Warnung reichen...)
[...] und man wird mitunter schon fahrlässig.
Ja. Das ist eines
der Probleme. Gilt genauso fürs Bogenschießen. Meine 1,40m-PVC-Stöckchenschleuder hat man gerade 25# @28", meine Deppenstöckchen haben 3D-Spitzen und ca. 20gr/#. Und trotzdem stecken die Dinger auf 15m Entfernung ca. 10-20cm tief im Heu-Rundballen. (Nur derzeit nicht, der wurde von der Liebsten an ihr Pferd verfüttert... Trainungspause für mich.) Ich habe nicht wirklich Ahnung vom Bogenschießen. Ein guter Grund, sich
jedes Mal klar zu machen, was so ein Projektil für Schaden anzurichten vermag. Gilt genauso für Chemikalien.
[Und somit habe ich auch noch den Bogen zum Forum hinbekommen... hehe.]
Das erste Gebinde Zyankali, das ich gekauft hatte (in UK) waren 0,5kg...
Ganz ehrlich? Mir würde derzeit exakt
ein guter Grund einfallen, welcher ein privater Erwerber vorbringen könnte, damit ich ihm
Kleinstmengen KCN verhökern würde. Und den verrate ich nicht im Netz...

(Ach ja, bitte nicht nachfragen oder spekulieren - ich werde mich nicht dazu äußern.)
Ich hab’ als Kind Tierschädel gesammelt, die wurden nach Anleitung eines Jägers in H2O2 gebleicht.
Das Schlagwort hier lautet
Anleitung. Damit ist zumindest bei den ersten Versuchen auch
Aufsicht verbunden. Und Jäger kennen sich meines Wissens recht gut damit aus...
Gerade relativ frisches Material hab ich dazu schon auch in verdünnter Peroxid-Lösung erwärmt. Kochen würde ich heute nicht mehr, habe ich aber...
Ich denke mal "Wasserstoffperoxid-Lösung". Um so verdünnter, um so unproblematischer. (Hier sei mal der Vollständigkeit halber erwähnt, dass es noch nen Haufen anderer Peroxide gibt. Viele Jugendliche weichen z.B. ihre Akne mit Benzoylperoxid ein...)
Ist es ausgesprochen gefährlich z.B. 10% H2O2 warm zu machen…
Nö. Prinzipiell erstmal nicht. Wenn man Sicherheitsregeln beachtet. Einerseits keine offenen Feuer als Hitzequelle (wegen des freigesetztes Sauerstoffs als Brandbeschleuniger). Andererseits passend spritzgeschütze Gefäße, die aber einen Druckausgleich zulassen. Drittens wirklich ein "Arbeitsmaterial" in der Lösung, damit es nicht zu
Siedeverzug kommt. Wenn man nicht so sicherheitsbewußt ist, kann man aber für seine Enkelkinder viele spannende Anekdoten sammeln...
oder nur z.B. unsinnig weil es dann eben schneller degeneriert als es arbeitet?
Das "degenerieren" ist ja eben das "arbeiten". Wasserstoffperoxid zerfällt zu Wasser und einen freien Sauerstoff-Radikal. Dieses Sauerstoff-Radikal oxidiert durch seinen unstillbaren Wunsch nach einem zusätzlichen Elektron alles, was nicht niet- und nagelfest (bzw. oxidationssicher) ist. Wenn "Farbstoffe" oxidiert werden, verlieren sie zu allermeist ihre Farbe - durch Zerstörung der chemischen Struktur. (Nicht anders funktioniert Bleichen durch Lichteinwirkung. Geht nur langsamer.) Da H2O2 prinzipiell nicht sehr stabil ist, da es sich rein chemisch betrachtet in einem "unglücklichen Übergangszustand" befindet - nichts halbes und nichts ganzes - nutzt es natürlich jeden sich anbietenden Reaktionspartner, um "glücklicher" zu werden.
Prinzipiell ist beim Erwärmen die Faustregel: 10°C (oder auch K, ist in dem Fall wurscht) mehr verdoppelt die Reaktionsgeschwindigkeit. Wenn Du die Temperatur also von 20°C auf 70°C erhöhst, hast Du also eine ca. 30x höhere Reaktionsgeschwindigkeit. (Oder statt 5 Stunden wartest Du nur 10 Minuten.)
Ich hab’ hier eben z.B. auch beheizte Bäder, eines läuft auf ca 70C. Ich gebe da alles rein (einzeln im Glas im Wasserbad) bei dem ich die Reaktion beschleunigen will
Du weißt also, was ein "Thermostat" ist. Du benutzt das Ding als "Wasserbad", um andere Dinge nicht nur schonend und ohne offene Flamme zu erwärmen, sondern auch eine Temperaturobergrenze einzuhalten. Herzlichen Glückwunsch - in Zeiten, wo eine durchschnittliche 30-jährige Peson noch nie was von einem "Milchkochtopf" gehört hat, bist Du auf Sicherheit bedacht. Könnte es sein, dass Du betreffend Deines Wissen teilweise etwas tief gestapelt hast? Keine Sorge, ist nicht schlimm...
Sollte ich das bei H2O2 lassen…?
Um so höher die Konzentration, um so vorsichtiger wäre ich. Thermostat ist ne gute Sache. H2O2 nie "ohne was drin" erhitzen, damit nicht ganz viel Sauerstoff auf einmal da raus will - und sich die Flüssigkeit gleichmäßig im Raum verteilt. Eine Art Deckel gegen anderweitige Spritzer - aber so, dass ein Druckausgleich vorhanden ist. Eventuell nen CO2-Feuerlöscher in der Nähe, wenn man sowas öfter bzw. in größerem Umfang macht. Und - ähäm - nen säurefester Abzug ist immer ne gute Idee, wenn man in die "Massenproduktion" geht...
Und wie gesagt:
Sich immer wieder vergegenwärtigen, was man da treibt und wie gefährlich das werden kann.
Und alle, die bis hier durchgelesen und -gehalten haben, verdienen sich hiermit ein Fleiß-Bienchen!
