ich arbeite zur zeit auch an einem kettenhemd - oder besser, an einem kettenmantel für einen johanniter um 1150.
meine "ringmaße" habe ich sehr instinktiv gewählt (innen 8mm, drahtstärke 1,8mm), aber meines erachtens sehr zufriedenstellend.
das problem, dass sich mir immer gestellt hat, war diese wiederwärtige verzinkung des drahtes - mein allseits bekannter chemielehrer wusste die lösung - säure.
ich hab am selben tag noch 3 liter 80%ige essigsäure (gibts in jeder filiale der metro, ansonsten eventuell auch bei den reinigungsmitteln in jedem gut sortierten drogeriemarkt) eingekauft und mal ein übliches wasserglas damit gefüllt. dann hab ich ein geflecht aus 1105 ringen (also 24x24 + 23x23 ringe) da reingeschmissen - wunder über wunder: die reaktion begann sofort. der essig begann zu schäumen, allerdings nicht wie bei einer brausetablette, nein; es sah viel eher so aus, als wäre die flüssigkeit ganz trüb geworden. bei genauerem hinsehen erkannte man allerdings sehr deutlich die sehr feinen bläschen, die ich für wasserstoff halte.
jedenfalls - nach etwa 2 1/2 stunden war die reaktion dann abgeschlossen, der essig schäumte nicht mehr. ich gab das geflecht (dass sich jetzt erstaunlich rauh anfühlte und sehr matt stahlgrau das licht reflektierte) vorsichtig mit einer gabel in ein zweites glas mit frischer essigsäure - nichts passierte. die reaktion war also tatsächlich vollständig abgelaufen.
ich habe es dann mit fließendem wasser von der säure befreit, und siehe da - nach etwa 2 minuten hatte sich eine zarte flugrostschicht gebildet. operation entzinkung geglückt.
die rauhe oberfläche hat sich dann durch stärkeres bewegen (hochwerfen und fangen, vorsichtiges reiben) sehr schnell abgeschliffen, ebenso die flugrostschicht. zum vorschein kam dunkelgrauer, wie geölt glänzender stahl, dem nichts mehr von seiner widerlich-hellblau-grauen zink-oberfläche mehr anzumerken war.
ich kaufe weiterhin den verzinkten draht, denn ich habe festgestellt, dass es wesentlich angenehmer ist, mit diesem draht zu arbeiten, da:
1. die druckmuster der zange den stahl nicht beschädigen, sondern höchstens die verzinkte oberfläche anritzen
2. einem das arbeitsmaterial nicht unter der hautsäure der finger wegrostet.
ACHTUNG! ES FOLGT WERBUNG EINES ZUFRIEDENEN KUNDEN!
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tja, und jetzt hab ich mir bei www.das-tapfere-schneiderlein.org mein wunderwunderschönes gambeson anfertigen lassen.
gut, es hat mich zwar mit versand 136,70 gekostet, aber dafür:
-wurde es aus natürlichen materialien, die ich gewählt habe hergestellt (feines naturleinen, gefüllt mit unbehandelter schafwolle)
-wurde das gute stück auf maß geschneidert, in hochqualitativer handarbeit
-ist das gambeson, im gegensatz zu den sonst so erhältlichen nicht hüftlang, sondern beinahe knielang
und wenn man bedenkt, dass man für so'n 08/15-teil, das aus baumwolle gefüllt mit polyesterwatte besteht, gerade mal hüftlang ist und sitzt wie nie alditüte mit armlöchern
80 EURO (das muss man sich mal kurz vor augen führen)
bezahlt, finde ich die von mir gewählte alternative deutlich vorteilhafter.
und hier ist das schöne stück

http://www.yfw24.de/userdaten/03791468/ ... mbeson.jpg

Filnek