Alsooo.....
Das Thema ob jetzt Kippen und/oder Drehen ist doch eigentlich, also für mich zumindest, geklärt.
(Im Folgenden ignoriere ich LH- SchützInnen...Sorry)
Wir sind uns einig dass es bei Zug des Daumens und ein Aufliegen des Pfeils auf der rechten Seite, zu einem Anschlagen des Pfeils am Bogengriff kommen kann. Dies kann zu kaum sichtbaren bis hin zu klar sichtbaren unruhigen Pfeilflügen von rechts nach links und andersherum, führen. Kurz um, es kann zum wedeln des Pfeils führen.
Warum ist das so?
Bei Daumenablass geht die Sehne dezent nach rechts und dann absolut gerade.
Warum ist das ungünstig bzgl des Pfeilfluges?
Der für das archers-paradox notwendige s-förmige Weg der Sehne gibt es nicht. Daher steht schlicht weg der Bogengriff im Weg um einen ruhigen Pfeilflug zu gewährleisten.
Was also tun?
Möglichkeit a
Ich sortiere mein Skelett und alle notwendigen Muskulaturen dahingehend, dass Sie biomechanisch absolut effektiv, währed deim Schießvorgang, arbeiten. Setze ich dies erfolgreich um, wird der Bogengriff beim Lösen sich ein Stückchen nach links bewegen. Es reichen 1-2mm vollkommen aus. Nachteil an der Sache: Das notwendige und konsequente Training, unerlässlich verbunden mit dem kognitiven und physischen Wissen über die korrekte Biomechanik. Letztendlich muss ich es fühlen können, wenn es passt.
Möglichkeit b
Ich ignoriere weitesgehend und dezent meine Biomechanik und zieh den Bogen einfach aus. Der Bizeps muss ja auch für was gut sein. Geh ich so vor, was ich jahrelang praktiziert habe, kommt es unweigerlich zu einem Zusammenbruch der Körperspannung etc pp wenn ich löse. Das hat wieder zur Folge das ich dadurch den Bogen sogar noch zusätzlich in den Pfeilflug drücke und der arme Pfeil nur durch die Federn am hubschrauberähnlichem Flug gehindert wird.
Um das auszugleichen, kann ich den Bogen gleich schräg greifen um eine Torsionsspannung gleich zu Beginn aufzubauen und/oder ich beginne vor dem Lösen den Bogengriff auf senkrechter Achse zu drehen. Natürlich vom Pfeil weg.
Dadurch kann ich es auch schaffen, dass der Bogengriff um die notwendigen 1-2mm nach links rutscht und ich ich daher einen sauberen Pfeilflug realisieren
kann.
Möglichkeit c
siehe unten
Warum bin ich nun kein Fan vom Drehen des Bogengriffes auf der senkrechten Achse?
Warum sollte ich es tun wenn ich einen sauberen Pfeilflug auch ohne diese Drehung realisieren kann?
Leuchtet mir nicht ein.
Wenn meine Pfeile nicht sauber fliegen, weiß ich unweigerlich dass ich mein Biomechanik nicht im Griff hatte.
Ein großer Knackpunkt ist hier auch das Zuggewicht. Ist die einwirkende Kraft auf den Körper zu groß, kolabiert das System.
Ich hab es heute im Training mal probiert und meinen 50# Osmanen nochmal geschossen. Das sind eigentlich nur 5# mehr als mein aktueller Bogen, aber zum Einen passt der Bogengriff nicht, sodass ich keinen sauberen Druckpunkt am Bogengriff aufbauen kann und zum Anderen sind es doch 5#.
Durch diese zwei Umstände, konnte ich bei allen Bemühungen keinen sauberen Pfeilflug umsetzen. Dann drehte ich doch mal aus Neugier den Griff, und ja, der Pfeilflug war sauberer
Aber es ändert nichts daran, dass der Bogen nicht zu meiner Biomechanik passt.
Warum kippe ich aber den Bogen?
Weils da so ein schönes Bildchen bei Saracen Archery gibt...

Nein, dass ist nicht der Grund.
Simon hat es ja schon beschrieben, beim Griff 99 (siehe Swoboda S.70) ensteht ein Zwischenraum zwischen Bogengriff und dem unteren Bereich der Bogenhand.
Wie man eindeutig sieht ist das kein astreiner 99 Griff, der dem Bogengriff geschuldet ist, aber klar zu sehen ist das, absolut notwendige, gestreckte Handgelenk.
Und jetzt kommt die Magie: Durch den Zwischenraum, dem gestreckten Handgelenk, dem Druckpunkt an der Daumenwurzel, dem leicht angespannten Mittel-, Ring-, und Kleinemfinger. kommte es unweigerlich zu einem Kippen des Bogens. Je mehr ich den !heranziehenden! Druck der unteren drei Finger erhöhe, desto mehr kippt die Geschichte.
Wenn die unteren Finger aber den Bogengriff gleich einem Schraubstock festhalten kippt garnichts.
Für mich ist also ein adäquate Kippen des Bogens, ein Zeichen für mich, dass die Druckverhältnisse gepasst haben.
Auch löse ich im übrigen mit einem bewussten heranziehen der unter drei Finger den Schuß.
Warum jetzt aber dieser nach vorne gewölbter Griff?
Simon hats auch schon wieder gesagt. Ich erklär es mal anders. Da die unteren drei Finger nicht gerade unwichtig sind, ist es ja sehr sinnvoll wenn alle drei den annähernd gleichen Druck aufbauen können. Dies erreiche ich eben über diese Griffform, die es mir ermöglicht das meine Finger den Griff gleichweit umgreifen.
Warum praktizieren viele Bogenschützen inkl Murat Özveri dennoch diese senkrechte Drehung?
Ich konnte mich ja mit Murat in Polen unterhalten (Sehr netter Kerl im übrigen). Wir sind uns in allen Punkten einig was die Schießtechnik betrifft. Ohne passend genutze Biomechnaik des/der SchützIn wird auch mit der Drehung kein Schuh draus.
Und ich muss ihm da auch Recht geben. Es spricht nichts gegen eine Kombination von passender biomechanik und einer dezenten Drehung auf senkrechter (oder was dazwischen) Ebene.
In jedem Fall und da gibt es für mich keinen Zweifel, liegt bei den sehr guten türkischen SchützInnen genau diese Kombination vor.
Ich persönlich will aber einen unruhigen Pfeilflug wenn ich geschlampert habe, und möchte ihn nicht durch eine Drehung kompensieren.
So, ich denke das wars... oder?
Gruß
Stephan