Kupferacetat ist farblich schon cool!
Kupferacetat (blau, grün, grünblau - je nach Herstellung & Zusammensetzung) ist schon etwas ganz anderes als Kupferoxid (rot oder schwarz).
Es wirkt - wie alle löslichen Kupferverbindungen - gut gegen Mikroorganismen und vor allem Pilze. Kupfersalze werden deshalb auch im Weinbau (auch Ökoanbau) gegen Pilze gespritzt. Generell kann man wohl sagen, dass je höher die Lebewesen einzuordnen sind, desto weniger giftig ist es.
Ausnahme: Wasseroganismen, auch Fische. Die können gelöstes Kupfer (Kupferionen) gar nicht gut ab. Für Fische sind schon ca. 0,1 mg/L über einen längeren Zeitraum tödlich.
Für Menschen gibt es keine geneuen Werte, aber bei Ratten sind ca. 0,5 - 1g pro kg Körpergewicht für 50% der Population tödlich. Also besser nicht esslöffelweise essen
Ansonsten muss man sich aber bei gelegentlicher Verwendung wohl keine Sorgen machen, wird nicht durch die Haut resorbiert. Nach der Verarbeitung Hände waschen und gut ist. Im MA gab es aber schon beschriebene Krankheiten/Vergiftungsfälle durch Kupfersalze, später auch die sog. "Weinspritzerlunge"...
Herstellung zuhause: Wie oben schon geschrieben, Kupfer im Essigdampf stehen lassen. Das Kupferacetat bildet sich dann an den Stellen, die nicht in den Essig eintauchen. Das gebildete Kupferacetat kann man dann alle paar Tage/Wochen abkratzen und trocken sammeln, bis man genug hat.
Geht auch mit Haushaltsessig (ca. 5 % Säureanteil), deutlich schneller mit Essigessenz aus dem Supermarkt (25 % Säureanteil), recht fix in der Wärme mit reiner Essigsäure (100%), aber das würde ich nicht zuhause machen.
Wer das mal schnell ausprobieren will ("Jugend Forscht..."): Einfach ein paar 1 - 5-Cent-Stücke nehmen, auf einen Teller legen und ein paar Tropfen Essigessenz drauf. Mit Glas o.ä. abdecken und den nächsten Tag abwarten...
Grünspan: Auch als Farb-Pigment bekannt und genutzt ("Spanisches Grün"); vielleicht kommt daher auch der Name, da habe ich nur Vermutungen aber keine verlässlichen Quellen gefunden.
Verdigris: Der Name kommt wohl durch mehrere Umwandlungen ursprünglich von "vert de grece" (oder so), mit der Bedeutung "Griechisches Grün", als Pigment wohl aus Griechenland importiert.
Ich habe mal zuviel Hautleim angemischt und einfach im Pott stehen lassen. Der vergammelt recht schnell, Schimmel, Gestank, das volle Programm.
Nächstesmal habe ich dann einfach ein paar Kupfermünzen reingeworfen. Gefühlt (!) hat es länger gedauert, bis Schimmel kam. Habe ich aber nie kontrolliert untersucht oder im direkten Vergleich.
Aber man liest ja auch von Vorschlägen, Kupfermünzen ins Wasser von Schnittblumen zu legen, das soll dann auch länger halten bevor es müffelt.
Wenn man also Kupfersalze (Grünspan, Kupferacetat, Verdigris) in recht hoher Konzentration in Hautleim oder anderen organischen Kleber mischt, dann scheint mir plausibel, dass gerade in kalter, feuchter Umgebung der Klebstoff länger hält bevor er von irgendwelchen Mikroorganismen verstoffwechselt wird. Ob er auch Läuse und Mäuse davon abhält, en den Federn zu knabbern? Keine Ahnung...
Ich kann mir auch vorstellen, dass eine Beimischung von Kupfersalzen (Grünspan, ...) zu Harz oder Öl dafür sorgt, dass die Stoffe als Überzug oder Klebstoff schneller vernetzen, also "trocknen / hart werden". So wird Leinöl ja mit verschiedenen Schwermetallen gekocht, um daraus schneller härtende/trocknende Firnis herzustellen. Aber diese Verwendung ist nur eine Vermutung von mir.
(Nun ist der Text länger geworden als geplant, aber vielleicht findet die/der eine oder andere ja ein paar Bröckchen, die interessieren...
Lieber Gruß aus Kiel
Thorsten