Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

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Windkanter
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Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von Windkanter »

Hallo,
im Rahmen eines Jugend-Freizeitangebots (Ferien) ist angedacht, von unserem Bogenverein aus Bogenbasteln für Kinder/Jugendliche von ca. 7-12 Jahren anzubieten. Die Jugendlichen sollen ihre großteils selbstgebauten Bögen (ca. 3-10#) + gestellten 1-2 Pfeile mit nachhause nehmen, natürlich nach Schießeinweisung und ersten SChießübungen. Die Jugendlichen sollten haftpflichtversichert sein.

Technisch ist soweit alles geklärt, es werden Haselbögen aus entrindeten Haselstecken, vor Übergabe zum Bearbeiten durch die Jugendlichen etwas getillert. Die Bogenlänge entspricht ungefär der Körpergröße der Jugendlichen, eher etwas länger. Werkzeuge nur grobes u. feines Schmirgelpapier, ev. Ziehblech, Schere, Klebstoff, feste Paketschnur.

Es ergibt sich folgendes Problem(chen):
--Die Bögen werfen bereits bei 7# so stark, daß leichtere Pfeile mit ca. 14g incl Plastikkorkenspitze einfach zu schnell und zu weit fliegen. Was innerhalb des Vereinsgeländes unter Aufsicht natürlich schön ist, aber zuhause im einzelnen Fall auch mal problematisch. Es werden als Konsequenz (eigentlich) viel zu schwere Pfeile verwendet , ca. 18-24g, je nach Zugstärke.

Frage: Wenn ein einzelner Jugendlicher ausserhalb des Vereins Unsinn mit diesem Bogen + Pfeil macht und Schäden verursacht, wer bekommt dann ggf. ein Problem? Der Verein oder die Eltern der Kinder/Jugendlichen?

Grüße
Windkanter
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apaloosa
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Re: Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von apaloosa »

Hi,
bin kein Jurist aber ich würde sagen: "Eltern haften für ihre Kinder".

Wenn man eine Bratpfanne geschenkt bekommt oder kauft und das Kind damit jemanden erschlägt haftet ja auch nicht der Schenkende/Hersteller.
(Zum Glück leben wir nicht mit den amerikanischen Gesetzen (in Microwelle, Katze getrocknet)).

1. Ich würde die Einweisung dokumentieren (Video?)
2. eine weitere Person dies bestätigen lassen
3. Die Eltern auf das Projekt hinweisen und gegebenenfalls eine schriftliche Anweisung wie mit Pfeil und Bogen umzugehen ist, übergeben.
5. Hinweis auf Sportgetät und KEINE Waffe
und 5. event. mit Haftungsauschluss

VG
Harald
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Ravenheart
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Re: Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von Ravenheart »

Du musst Dir vor der Veranstaltung von den Eltern eine Freigabe unterzeichnen lassen,
a) dass ihr Kind an dem Bogenbau und Schießen teilnehmen darf und
b) dass es Bogen und Pfeile mitnehmen darf,
Außerdem c)

Haftpflichtversichert sind Kinder automatisch über die Eltern, WENN diese selber versichert sind. Auch das schriftlich mit abfragen

Aaabeer...

Viel problematischer ist etwas ganz anderes:

DU bist verantworrlich dafür, dass das Gerät, das Du denen mitgibst, in der Handhabung sicher ist!!

Was ist, wenn später ein Bogen bricht und jemanden verletzt?
Oder ein (später!) angeknackster Pfeil bricht beim Ablass und geht durch die Hand?

Kannst Du für alle Zeit die Gebrauchssicherheit garantieren?

Und was die Pfeile angeht:
Plastikkorken? Was soll das?

Sicher zum Schießen auf Menschen sind nur professionell gebaute LARP-Pfeile, recherchier mal, wie aufwändig die sind!
Plastikkorken bringen gar nix.

Fazit:
Lass es.

Baut gerne Bogen als Event, schießt damit unter Aufsicht und Anleitung, mit allen Sicherheitsvorrichtungen, aber sammle danach alles ein. Oder lass es ganz.

Rabe
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Re: Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von Windkanter »

Hallo,

Also die Idee eines solchen Projekts ist nicht von mir, ich wäre aber derjenige gewesen, der die Materialien stellt und das Bauen beaufsichtigt. Nach reiflicher Überlegung: Ich lasse da die Finger davon weg.

@ Harald
könnte man erstmal so sehen. Hab, aufgrund des Beitrags von Rabe das Ganze mal tiefer beleuchtet. Bratpfannenbeispiel: Die Bratpfanne darf nur hergestellt werden aus Materialien, die den einschlägigen (das sind eine Menge) Euronormen für Bautyp, Maße, Werkstoffe, Schädlichkeit etc. entsprechen. Da gibts ganz od. weitestgehend Nachweispflicht. Am Schluss bekommt das fertige Produkt noch ein offizielles ok, ich denke das CE-Zeiche o.ä. Damit ist der Hersteller recht sicher, daß nichts passiert und er ist gleichzeitig ziemlich aus dem Schneider. Mit einer solchen Absicherung kann ich aber nicht dienen, weil die Bögelchen schnell und aststellenreich hergestellt werden. Natürlich, wenn jemand einen Menschen mit der Pfanne erschlägt, liegt die Schuld beim Schlagenden, komplette und nachweisbare Falschverwendung.
Deine Vorschläge Nr. 1-5 zur Absicherung meinerseits dürften schon helfen, aber komplett?

@ Rabe
Plastikflaschenkorken sind, richtig montiert und nicht auf Personen geschossen, aus meiner Erfahrung nicht so schlecht. Aber was die Kids zuhause machen, kann keiner kontrollieren, oft halt altersgemäßer Unsinn. Ein Freund zieht den Bogen zu stark aus, es knackt an einer der vielen Aststellen und später bricht der Bogen oder ähnlich wie Du schreibst beim Pfeil.

Diese Infos haben jetzt für einen Entscheid meinerseits gereicht, ich bin raus und die Vereinsleitung informiert.
Danke

Grüße
Windkanter
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Ravenheart
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Re: Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von Ravenheart »

Gute Entscheidung.
Aber Nachfrage aus Interesse:
Wenn nicht die Gefahr besteht, dass ein Pfeil einen Menschen trifft - was soll dann der Flaschenkorken?
In dem Fall machen Pfeile, die auch stecken bleiben, doch wesentlich mehr Spaß... oder?

SCHEINBAR gefahrlose Pfeile verleiten m.E. nur dazu, die notwendigen Sicherheitsregeln zu vernachlässigen.

Rabe
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Re: Bogenbau bei Jugendveranstaltung: Sicherheit, Rechtliches ?

Beitrag von Windkanter »

Hallo Rabe,

Man kann nicht wissen, auf was alles die Kids in der Freizeit zuhause oder auf der Straße etc. schießen, die Eltern stehen nicht ständig daneben, bei unklarer Haftung ist mir das zu heiss. Plastikkorken (die aus Weinflaschen) mildern Treffer, egal worauf, gegenüber Scheibenspitzen dann schon sehr wesentlich ab. Treffer auf unbedeckte Körperpartien könnten im Einzelfall (Abstand etc.) dennoch leichte Verletzungen verursachen. Natürlich sind Larp-Spitzen besser, aber bei einem z.B. 7#-Bogen doch recht schwer. Und natürlich machen steckenbleibende Pfeile mehr Spass, wenns dann keinen Ärger gibt......Einer der Muster-Bögen, 7#, schießt einen 10g-Pfeil ca. 50m weit. Die meisten/alle der Kids haben noch nie Bogen geschossen und auch keine Zielscheiben.

Auch das Bogenhandling ev. durch Freunde der Kids ist so eine Sache. Z.B. Freunde ziehen gerne mal ganz weit aus, um zu sehen wie weit es geht, bis zum ersten Knacken (hab ich bei den Kinderbögen meines Sohns 2x erlebt) , dann habe ich ein Restrisiko. Die Haselbögen (runder Querschnitt) wären in der Mitte je nach Zugstärke 12-15mm dick, an den Enden 8,5-12mm, also eher zierlich. Und pro Bogen mit 3-5 eingewachsenen Ästen. Einmal sollten sie nicht zu stark sein, aber schon Spass machen, dann in ca. 1,5 Std. Vorarbeit durch mich von den Kids in ca. 2 Std. fertiggebaut werden und sie sollten möglichst nichts kosten.

Die ganze Idee stammt halt von Nicht-Bogenbauern (Technikbogen-Schützen), ich ging anfangs davon aus, daß das Rechliche klar ist. Jetzt habe ich abgesagt, dann kam von einem Kollegen wieder die Aussage er habe von Bogentraining-Fachleuten (?) gehört, man könne die Bögen den Eltern aushändigen usw. . Hörensagen, nachdem jetzt viele Fragezeichen hochgekommen sind, nicht belastbar genug.

Grüße
Windkanter
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