Hausenblasenleimherstellung

Hölzer, Kleber, etc.
Antworten
Chirurg
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1518
Registriert: 31.12.2012, 19:37
Hat gedankt: 149 Mal
Hat Dank erhalten: 413 Mal

Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Chirurg »

Ich habs probiert, zuerst viel nachgelesen, an vielen Anleitungen gezweifelt, viel nachgedacht und zum Schluss eine Zusammenfassung einer Gruppe von Restauratoren (Gemälderestauratoren, Buch- und Papierrestauratoren) über die Herstellung von Hausenblasenleim gefunden, welche mir sehr plausibel erscheint. Störleim hat ein höheres Haftvermögen und eine geringere Viskosität als vergleichbare Tierische Leime, wenn die Herstellung richtig durchgeführt wird!

Hausenblasenleim kann frisch zubereitet werden und dann gleich verwendet werden, oder
der frisch zubereitete Leim kann getrocknet werden und bei Bedarf in der gewünschten Menge angerichtet werden.

Restauratoren bevorzugen den frisch zubereiteten Leim
Bogenbauer werden eher den getrockneten Leim verwenden, weil Menge und Verdünnung (10% oder 30%) besser eingeschätzt werden können

Die getrockneten Hausenblasen werden in destilliertes Wasser zumindest 12 Stunden eingelegt, dann mit dem Messer in kleine Schnipsel geschnitten, die Schnipsel sollen kleiner als Reiskörner sein, das zusätzliche Zerkleinern mit dem Mixer habe ich nicht gemacht, einfach mit dem Chefmesser fein schneiden wie beim Knoblauchschneiden. Den Leimkocher auf 55 Grad vorheizen, das Kleingeschnittene in den Topf, immer wieder mit dem Löffel umrühren, nach 45 Minuten hat sich alles verflüssigt. Durch ein Sieb in eine flache Schale gießen, Umrühren bis alles Flüssige durch das Sieb geronnen ist, interessant ist, wie lange Störleim im Vergleich zu Hautleim braucht, bis es geliert, nach mehreren Stunden in Würfel schneiden und auf ein Blech zum Trocknen auslegen. Es ist unkomplizierter als ich gedacht habe!

Auf was ich geachtet habe: Hygiene!, alle Behälter und Instrumente habe ich abgekocht, Handschuhe, Bakterien und Pilze lieben Glutinleim

Einige wichtige Fakten:

Bei 55 Grad lösen sich bereits 96 Prozent der Hausenblase auf! Bei mir hat es 45 Minuten gedauert, kleine Mengen werden sich schon nach 15 Minuten auflösen, mit einem Magnetrührer wird es noch schneller gehen. Getrocknete Leimwürfel sollten sich schon bei 35 Grad wieder verflüssigen.
Je länger der Leim erhitzt respektive warm gehalten wird, umso schlechter werden die Eigenschaften wie Klebekraft und Elastizität! Das heißt Verflüssigen und sofort Kleben, besser mehrmals Ansetzen.
Der Störleim geliert erst bei 25 Grad Celsius, man hat daher viel mehr Zeit zum kleben,
Dateianhänge
IMG_6264.jpeg
IMG_6258.jpeg
Hausenblasen in destilliertem Wasser
Hausenblasen in destilliertem Wasser
Choppen, choppen und choppen, aber nach 20 Minuten wars erledigt
Choppen, choppen und choppen, aber nach 20 Minuten wars erledigt
2013b351-a94b-4150-82ea-25c74cf13fb1.jpeg
Mein Leimkocher, ein Babyflaschenwärmer mit Marmeladenglas geht natürlich auch
Mein Leimkocher, ein Babyflaschenwärmer mit Marmeladenglas geht natürlich auch
Am oberen Bildrand steht die Uhrzeit!
Am oberen Bildrand steht die Uhrzeit!
IMG_6243.jpeg
IMG_6244.jpeg
Nach 42 Minuten bei 55 Grad war fast alles aufgelöst
Nach 42 Minuten bei 55 Grad war fast alles aufgelöst
IMG_6246.jpeg
IMG_6248.jpeg
IMG_6249.jpeg
Fast keine Rückstände
Fast keine Rückstände
IMG_6252.jpeg
IMG_6253.jpeg
IMG_6255.jpeg
IMG_6256.jpeg
Trockenzeit noch unbekannt, wird aber nachgereicht
Trockenzeit noch unbekannt, wird aber nachgereicht
Chirurg
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1518
Registriert: 31.12.2012, 19:37
Hat gedankt: 149 Mal
Hat Dank erhalten: 413 Mal

Re: Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Chirurg »

Die Quelle
Dateianhänge
IMG_6225.png
IMG_6226.png
IMG_6227.png
IMG_6228.png
IMG_6229.png
IMG_6230.png
IMG_6231.png
IMG_6233.png
IMG_6234.png
IMG_6235.png
Indie12
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1124
Registriert: 01.10.2005, 13:24
Hat gedankt: 122 Mal
Hat Dank erhalten: 171 Mal

Re: Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Indie12 »

Krasse Wurst... wieviele Störe muss man denn schlachten um den ganzen Rohstoff zu gewinnen??? Wo gibts die??? Kremer hat echt alles...
Wenn der Leim bei 35 ° wieder verflüssigt, ist das in Zeiten der Erderwärmung nicht kritisch?
Wofür nimmst du den dann? Zum Beimengen oder für Kern/Horn-Verbindungen?

Gehen eigtl auch andere Schwimmblasen? Warum Stör?

Danke für den Bericht!
Chirurg
Hero Member
Hero Member
Beiträge: 1518
Registriert: 31.12.2012, 19:37
Hat gedankt: 149 Mal
Hat Dank erhalten: 413 Mal

Re: Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Chirurg »

Das sind Zuchtstöre, keine Wildfänge, natürlich gehen alle Fischblasen, ein hoher Fettgehalt ist aber schlecht, Karpfen ist daher eher schlechter dafür geeignet. Im übrigen werden die Störe ja nicht umgebracht, die Fischblase entnommen und dann weg geschmissen, das ganze Tier inklusive Kaviar, Störhaut etc. wird verwertet, wenn Du einen anderen Fisch dafür umbringst, nur damit es kein Stör ist, dann ändert sich ja im Grunde nichts. Vegane Blasen gibt es leider (noch) nicht.
Benutzeravatar
Bogenbas
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2664
Registriert: 19.10.2018, 21:38
Hat gedankt: 231 Mal
Hat Dank erhalten: 345 Mal

Re: Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Bogenbas »

Danke für den ausführlichen Bericht!
Wirkt wirklich überraschend einfach.
In den meisten Videos die ich über den bau von koreanischen Komposits gesehen habe, wurde der Leim frisch zubereitet und ich dachte immer nur wie man da wissen kann wie stark der Leim konzentriert ist. Deshalb wäre mein Weg auch der deine. Ich muss mal schaun ob es günstiger kommt, den Leim selbst herzustellen. Bzw fällt mir gerade ein das es meine Quelle für den fertigen Leim ja nicht mehr gibt, oder was ist nochmal bei Dictum sache ???

Edit: hab grad gesehen das es Dictum sowie die Straußensehnen wieder gibt.
349 m | Primitive Complex Composite 50#
274 m | Selfbow 50#
Benutzeravatar
Neumi
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 6820
Registriert: 12.10.2013, 23:37
Hat gedankt: 281 Mal
Hat Dank erhalten: 414 Mal

Re: Hausenblasenleimherstellung

Beitrag von Neumi »

Moin, super Sache. Um die Trocknung zu beschleunigen, lasse ich einen Ventilator über den Leim pusten.
Bei http://www.stoerleim-manufaktur.de gibt es Material.
Grüße - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...
Antworten

Zurück zu „Materialien“