Frage: Kelten & Bogen

Was nicht in eine der anderen Kategorien passt.
Papierdrache
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Registriert: 10.05.2004, 18:14

Beitrag von Papierdrache »

Ist auch meine Ansicht, daß man sich nicht nur, nach der Fundlage richten darf, sondern aus dem gefundenen und dem Wissen um Handelsbeziehungen gewisse Rückschlüsse ziehen darf.
Der Rückschluss darf aber leider nicht so weit gehen, dass ich behaupte die Kelten hätte Pyramiden gebaut, nur weil sie 'ne ägyptische Öllampe importiert haben. Die Handelsbeziehungen werden ja erst entdeckt, weil man den Fund dazu hat. Aber man kann halt nur sagen, dass genau diese Warenkategorie verschifft wurde, alles andere wäre reine Spekulation.
Und außerdem: Je seltener man die Handelsware findet, um so seltener wird sie auch verschifft worden sein.
Wichtig ist auch zu wissen, das der jeweilige Schreiber eine bestimmte Absicht mit seinem Werk erzielen wollte. Es gab kritische Stimmen, die die Taten der Soldaten, eben echte römische Tugenden, in den Vordergrund stellen wollten, und die Führung als schlecht darstellen wollten.
Das ist besonders wichtig in der Thematik "Antike Literatur und die Kelten". Zu dem was hier Ahenobarbus bereits gesagt hat, kommt noch der Fakt, das etliche Antike Autoren nie vor Ort waren, sondern einfach nur aufgeschnapptes niedergeschrieben haben. Entweder sie haben es gehört oder ihr Wissen stammt von noch älteren Autoren. Das ihr Vorwissen dann nochmal ihren Interessen nach zurechtgeschminkt wurde, hat Ahenobarbus ja schön dargelegt. :-)

Damit ich nicht beliebig rumplapper (wie ich es sonst gerne tue), habe ich in meinen Unterlagen nochmal nachgekuckt. Ob was zur Thematik drin ist.

Das man in den Gräbern der Festlandkelten ab und zu Pfeilspitzen findet, sollte ja nicht so überraschend sein (das Fürstinnengrab von Reinheim aus dem 4. Jahrhundert hat sogar eine Pfeilspitze aus Chalcedon), leider sagen die Gräber nicht wirklich etwas über Pfeil und Bogen bei den Kriegern aus.
Eine Möglichkeit die ich jetzt mal probiert habe. Kurz zu kucken, ob in meinen Unterlagen zu den nordfranzösischen Heiligtümern Gournay-sur-Aronde und Ribemont-sur-Ancre Pfeilspitzen erwähnt werden. In Gournay wurden unter anderem Kriegswaffen geopfert und in Ribemont wurden tote kopflose Krieger (ca. 88 Stück nach Ausgrabungsstand 1999) samt ihrer Ausrüstung auf dem Zwischenboden eines Gebäudes ausgestellt und mumifizierten dort vor sich hin.
Leider sind nirgends Pfeilspitzen erwähnt, was darauf schließen lässt, dass sie entweder nicht vorhanden waren oder dass es zu wenige waren, um sie als erwähnenswert anzusehen.

Ich kann ja, wenn ich Lust dazu finde, Montag nochmal versuchen, Grabungsberichte zu keltischen Gräberfeldern durchzustöbern nach Pfeil & Bogen. Vorerst allerdings sieht es tatsächlich so aus, als ob Pfeil und Bogen in Bezug auf Kriegshandwerk bei den Kelten eine Seltenheit waren.

(Das vorherige mal abgesehen vom Caesar-Bericht, denn der Vercingetorix könnte ja auch alle Jäger, statt ernsthafte Krieger, herangezogen haben. Und dass Caesar das überhaupt erwähnt, könnte auch darauf hindeuten, dass Bogenschützen ansonsten selten waren!)

MfG, Flo :-)


Nachtrag:

Gournay-sur-Aronde = ca. 280 - 160 v. Chr. (Waffen aus der älteren Hälfte dieses Zeitraumes)
Ribemont-sur-Ancre = ca. 260 - 210 v. Chr.
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