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Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 04.03.2012, 14:31
von Snake-Jo
Es gab ja schon eine ganze Menge an Kommentaren, aber ich möchte drei Schritte zurück und zu den Ursachen kommen. Für mich kommen da mehrere Gründe für den Bruch zu Tage:
- Zuviel Hitze (wurde diskutiert)
- falsche Hitze (wurde diskutiert)
- falsche Stelle, Bogenrücken? (wurde angesprochen)
- Bogenlänge (muss reichen, wurde diskutiert)
- schlechtes Holz, viele Äste (s. Foto)
- Tiller? Ein gut getillerter Bogen hat es schwer zu brechen. Hier haben wir aber gleich zwei Stellen.
- zu stark gebogen, bzw. den Bogen zu früh zu weit ausgezogen?
- Bogenrücken: Fasern durchtrennt, nicht genügend Holz um Aststellen stehen gelassen...
- ODER ALLES ZUSAMMEN?

Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 04.03.2012, 19:03
von Ravnica
Snake-Jo hat geschrieben:
- Tiller? Ein gut getillerter Bogen hat es schwer zu brechen. Hier haben wir aber gleich zwei Stellen.
Ich hab den am Tillerbrett gezogen, mein Bogenbauer (ist erst mein 2ter selbstgebauter) hat gesagt, dass er zuerst rechts (auf dem Bild) gebrochen ist. Dann kam der linke WA hoch und die Kraft hat ihn gleich mit weggerissen.
- zu stark gebogen, bzw. den Bogen zu früh zu weit ausgezogen?
Unwahrscheinlich. Der wurde schrittweise getillert, also erst bis so ca. 7 Zoll, nach 2 Wochen dann wiederetwas mehr, dann wieder 2 Wochen Ruhe usw...
- Bogenrücken: Fasern durchtrennt, nicht genügend Holz um Aststellen stehen gelassen...
Nicht genug Holz um Aststellen könnte sein, halte ich aber nicht für die Ursache. Beim Fönen hat sich das Holz an einer Stelle dunkelbraun verfärbt. Mein Bogenbauer meinte, das kann passieren wenn man länger draufhält. Das schwächt das Holz, sollte aber noch gehen. War anscheinend aber doch zuviel.
- ODER ALLES ZUSAMMEN?

kra hat geschrieben:
Von wo aus wurde er denn mit dem Fön gebogen? Zeigte der Fön auf den Bauch oder den Rücken?
Wenn Rückjen hätten wir damit schon die warscheinliche Erklärung?
Zum Anderen, wie dick war der Jahresring am Rücken - und war er an diesen Stellen wirklich unverletzt?
Der Fön zeigte auf Bauch und Rücken, allerdings haben wir den Rücken deutlich länger bearbeitet. Mein Kumpel hält das (wie oben erwähnt) für die Ursache des Bruches.
Die Jahresringe waren wirklich sehr dünn. Man musste echt aufpassen wie viel man schabt, um nicht zu tief zu kommen. Allerdings haben wir da sehr drauf geachtet und uns bei dieser wichtigen Arbeit auch wirklich viel Zeit gelassen. An dieser Stelle war er also wirklich unverletzt.
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 04.03.2012, 19:19
von Moormann
Naja Rücken fönen macht man eigentlich nicht an den biegenden Bereichen, wenn es ein Bogen werden soll

man verändert dadurch so die Holzstruktur, dass man es quasi härtet, was allenfalls gut bei Druck, aber selten gut bei Zug ist
Nimm ein etwas weiches Baguette und leg es in den Ofen bei Oberhitze, ein Biegeversuch wird in einer spektakulären Semmelbröselexplosion enden

Wenn hingegen erstmal nur der Bauch hitzebehandelt wird, dann hast du gute Chancen, dein Baguette etwas weiter biegen zu können. Nur so als bildlicher Vergleich

-was nicht heißt, dass man aus Baguettes Bogen bauen kann

-
Spaßige Grüße
Moormann

Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 05.03.2012, 00:44
von Galighenna
Ravnica hat geschrieben:
Der Fön zeigte auf Bauch und Rücken, allerdings haben wir den Rücken deutlich länger bearbeitet. Mein Kumpel hält das (wie oben erwähnt) für die Ursache des Bruches.
Damit haben wir die Ursache gefunden! Da auf dem Bogenrücken sehr hohe Zugkräfte auftreten wird ein Bogenrücken NIEMALS mit Hitze behandelt, bzw. auf jeden Fall nicht im Biegenden Bereich. Das Holz wird dadurch hart und Spröde. Es kann sich nicht mehr genügend elastisch dehnen, was zum Bruch führt.
Beim nächsten Versuch sollte das beachtet und NUR noch am Bauch mit Hitze gearbeitet werden.
Was mich etwas irritiert ist die tatsache das dein "Bogenbauer" dich nicht darauf hingewiesen hat, das das so nicht geht. (klang so als hättest du den Bogen unter seiner Anleitung gebaut) Das hätte er wissen müssen

Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 05.03.2012, 08:30
von Wilfrid (✝)
Also, um Holz zu biegen, mußt Du es "garkriegen" nicht "braten".
Nun leitet ja trockenes Holz schlecht Wärme, man wird ungeduldig und geht zu dolle drauf. Schon versprödets und macht knack. Oder wird Gummi( wenn´s nicht ganz zu warm war)
Wenn Du sowas biegen willst, 3 Stunden Sauna und da drin Biegen
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 05.03.2012, 15:22
von Chirion
@Ravnica ob du zwischen den Tillerschritten 5min oder 2 Wochen vergehen lasst ist absolut irrelevant, zu früh ausgezogen bedeutet den Bogen zu einem Zeitpunkt zu weit ausgezogen, zu dem der Tiller für diese Auszugsweite noch ungeeignet war.
Hab ich das richtig mitbekommen, dass ihr im biegenden Bereich der Wurfarme auf den Rücken geheizt habt um die Wurfarme deflex zu biegen? Das wäre ein herrlicher Schildbürger Streich

. Da fällt mir ein Vergleich dazu ein: Wenn man einem Pitbull in die Eier beißt um ihn dazu zu bewegen aus der Hand zu fressen und sich dann wundert warum er nicht aus der Hand, sondern die Hand gefressen hat.

Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 05.03.2012, 15:34
von Gornarak
Negativbeispiel für einen zu früh ausgezogenen Tiller:

- SO NICHT!!!
- CIMG2244.JPG (6.96 KiB) 1758 mal betrachtet
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 05.03.2012, 18:15
von kra
Ok, wenn du ihn am Rücken "getempert" hast dürfte das die Ursache sein. Vor allem in Verbindung mit sehr dünnen Jahresringen ist das tödlich. Schon die sehr dünnen Jahresringe sind bei dem Design/Bogenlänge mehr als mutig.
Nicht den Kopf hängen lassen - passiert. Ich hab 2 Bögen beim Biegen der Recurves mit der HLP versaut (bzw. sie sind jetzt ca. 140cm lang.)... aus einem Fehler lernt man mehr als aus 10 gelungenen Bögen!
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 07.03.2012, 18:18
von Ravnica
Chirion hat geschrieben:@Ravnica ob du zwischen den Tillerschritten 5min oder 2 Wochen vergehen lasst ist absolut irrelevant, zu früh ausgezogen bedeutet den Bogen zu einem Zeitpunkt zu weit ausgezogen, zu dem der Tiller für diese Auszugsweite noch ungeeignet war.
Hab ich das richtig mitbekommen, dass ihr im biegenden Bereich der Wurfarme auf den Rücken geheizt habt um die Wurfarme deflex zu biegen? Das wäre ein herrlicher Schildbürger Streich

. Da fällt mir ein Vergleich dazu ein: Wenn man einem Pitbull in die Eier beißt um ihn dazu zu bewegen aus der Hand zu fressen und sich dann wundert warum er nicht aus der Hand, sondern die Hand gefressen hat.

ok, das ging aus meinem Beitrag nicht so wirklich draus hervor, aber das scheidet als Ursache auch aus ^^ Der war schon bereit fürs Tillern.
Damit haben wir die Ursache gefunden! Da auf dem Bogenrücken sehr hohe Zugkräfte auftreten wird ein Bogenrücken NIEMALS mit Hitze behandelt, bzw. auf jeden Fall nicht im Biegenden Bereich. Das Holz wird dadurch hart und Spröde. Es kann sich nicht mehr genügend elastisch dehnen, was zum Bruch führt.
Beim nächsten Versuch sollte das beachtet und NUR noch am Bauch mit Hitze gearbeitet werden.
Was mich etwas irritiert ist die tatsache das dein "Bogenbauer" dich nicht darauf hingewiesen hat, das das so nicht geht. (klang so als hättest du den Bogen unter seiner Anleitung gebaut) Das hätte er wissen müssen
Er hat zwar schon viele Bögen gebaut, aber sowas hat er auch zum ersten Mal gemacht. Er sagte, es war sein Fehler, mit einem Heißföhn macht er sowas nie wieder, sondern nur mit dem Wasserbad. Ich hätts auch besser gefunden wenn das geklappt hätte, aber aus Fehlern wird man eben klug.
@Gornarak: Das Bild ist so riesig, da erkenn ich ja gar nichts drauf ^^
Ok, wenn du ihn am Rücken "getempert" hast dürfte das die Ursache sein. Vor allem in Verbindung mit sehr dünnen Jahresringen ist das tödlich. Schon die sehr dünnen Jahresringe sind bei dem Design/Bogenlänge mehr als mutig.
Er hat die Erfahrung und ich hab ihm vertraut. Bei uns im Verein haben mehrere ihren Recurvebogen mit seiner Hilfe gebaut (auch aus Osage) und die sind immer noch im Gebrauch - ohne Beschwerden
//Jedenfalls danke ich euch allen (naja fast allen) für eure Hilfe. Ihr konntet mir bestätigen, dass der Fehler in der Verwendung des Heißluftföhns lag und das man eigentlich keine Wurfarme (ver)biegt. Trotzdem wird der nächste Bogen genauso, auch wenn wir nur noch mit Wasserdampf biegen werden :p
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 07.03.2012, 18:31
von Wilfrid (✝)

?
Wenn ich das Bild und Deine Worte richtig deute, habt ihr das Holz in Schlangenlinien gebogen?
Also keinen Vollreflex, wie ~http://www.youtube.com/watch?v=EKdb71kFmKo der am Anfang?
Darf man fragen , warum?
Re: Bogen biegen - aber wie?
Verfasst: 08.03.2012, 22:23
von Chirion
Gut ich will noch mal verdeutlichen warum mich die Vorstellung einen Deflex in die Wurfarme zu biegen um eine Schwalbenform zu erziehlen so erheitert hat, nix für ungut übrigens wegen meiner Scherze ist nicht bös gemeint.
Holz einer bestimmten Dicke mit intaktem Rücken lässt sich bis zu einem bestimmten Radius biegen, dann versagt entweder der Rücken oder der Bauch. Ein eingedämpfter Deflex ändert an diesem Radius nichts, anders ausgedrückt auch ohne einen Deflex reinzubiegen lässt sich das Holz genausoweit biegen bis es bricht, es ist als nicht nötig da einen Deflex reinzubiegen. Dies gilt für gedämpft, schlimmer ist es mit der HLP, denn die trockene Hitze vermindert die zugbelastbarkeit des Holzes, sprich ein mit trockener Hitze eingedämpfter deflex kann dazu führen das man den Wurfarm weniger weit biegen kann als ohne den Deflex. Wenn du also diese Form willst das bieg den Griff reflex fürs setback und dann tillerst du vorsichtig, dabei wird sich an den Wurfarmen etwas Set einstellen und die Form wird auch im entspnnten Zustand des Bogens sich dem annähern was du willst. Zu tillern ist diese Form allerdings sehr schwer, weil sich der Bogen zur Wehr setzen wird, er wird versuchen umzuschlagen, seitlich auszuweichen und alle erdenklichen Mätzchen aufführen, wenn du ihm den ganzen Blödsinn abgewöhnt hast und ihn fertig getillert hast dann kannst auch noch die Tips reflex biegen und sie mit einem Teibacking fixieren.