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Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 17.01.2016, 17:35
von Holzbieger
Hallo Messermacher,
Hier ist das neuste Messer aus meiner Werkstatt. Wie beim letzten mal schon angedeutet wieder ein Haiku Küchenmesser.

Das ist jetzt das vierte Messer in diesem Stil und in dieser Größe das ich gemacht habe. Damit das nicht langweilig wird, habe ich das ganze etwas variiert, indem ich den Anschliff nur halb hochgezogen habe und den Griff statt oval, oktagonal geformt. Ich hab den Anschliff für meine Verhältnisse diesmal auch ziemlich hoch auspoliert (bis K1000 und dann an die Polierscheibe).

Hier die Daten:

Stahl: 1.4153.03 (C = 0,8% , CR = 12,7 % , Mo = 1,1 %, V = 0,9 %, Nb = 0,7) aka SB1 härte ca. 60 HRC
Griff: Stabilisierte Schwarznuss (Juglans Nigra) mit Zwischenlagen aus scharzem Fiber, Edelsathlnieten und einem Mosaikpin
Klingendicke: 2.1 mm fast auf Null ausgeschliffen
Gesamtlänge: 280mm
Kliengenlänge: 150 mm
Gewicht: 150 g

Das Messer hat seine Zukunft in der Küche einer Kollegin von mir bei Salt Lake City und geht morgen in die Post.

So ich hoffe es gefällt? Kritik und Anregungen wie immer erwünscht.

Gruß

Roland
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Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 17.01.2016, 18:28
von tom.smile
Wieder ein vorzügliches Messer.

Ich find das Design ist wieder stimmig. Der Griff ist einfach gehalten sieht aber
trotzdem edel aus. Echt toll. Auch die Verarbeitungsqualität ist wieder top.

Darf ich fragen mit was für einer Maschine du schleifst? Ich hab bald Geburtstag und da darf mir was wünschen ;-)
Ein Bandschleifer zum Messermachen steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Bisher hab ich meine Messer nur mit Feile und Schleifpapier in Form gebracht.

LG Tom

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 17.01.2016, 22:20
von Holzbieger
Hallo Tom,

Danke für die Blumen, nun das Design hat sich ja bei mir bewährt. Das erste Messer dieser Serie ist ja jeden Tag bei mir in der Küche im Einsatz. An der grundlegenden Geometrie hab ich ja eigentlich nichts geändert.

Womit ich meine Messer mache? Nun das erste Messer hab ich im wesentlichen mit einem auf der Werkbank augespannten Handbandschleifer und mit viel Handarbeit gebaut (feilen kann ich ja).

Dann hab ich mir so einen Kombischleifer (Band und Teller) aus dem Baumarkt zugelegt (Rexon). Für den gab es nur Bänder K60 und 80. Heute bekomme ich die Bänder dafür gar nicht mehr als Standard. Ich bestelle mir die jetzt bei Scharnau in Berlin, da hab ich mehr Auswahl. Ich benutze diese Maschine aber nur nuch um Griffe grob vorzuschleifen.

So ab Messer 6 benutze ich diesen hier, den hab damals hier im Forum vorgestellt.

http://www.fletchers-corner.de/viewtopi ... er#p354448

Kaufen kann man den aber nicht, da selbst gebaut. Ich kann Dir da also wenig Tips geben. Mit dem Rexon ging das Messermachen, aber eher Suboptimal.
Viele Messermacher nehmen eine Metabo BS 175/BS 200, den sie sich dann optimieren. Dann gibt es noch die Maschine vom kleinen Messerladen und auch Stefan Steigerwald bietet jetzt einen Bandschleifer an, da legst Du aber richtig Geld hin.

Gruß
Roland

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 16:18
von jetsam
Nahmd.
Das Dingelchen hier kriegt ein Kumpel zum Geburtstag, ich weiß, Euro mitschenken ;) .
Die Klinge hab ich aus der Bucht, ist aus Carbonstahl und 8,5 cm lang, das ganze hat 19 cm.
Griff und Scheide sind ein Stück Traubenkirsche, Finish: This Is FINISHING von Normchaos und Nevis.
Die Methode, die Scheide längs aufzuschneiden, ein Stück Leder in der Stärke des Klingenrückens dazwischenzukleben, aus dem die Klingenform dann wieder ausgeschnitten wird, erweist sich als sehr probat für mich.
Wie heißen diese Platten eigentlich?, sind aus Wasserbüffelhorn. Leider ist mir an der Scheide die Klebung beim Raspeln wieder aufgegangen, mußte ich nachepoxen (oder heißt es Epoxe machen?) und jetzt liegen sie wie man sieht leider nicht mehr ganz plan aufeinander, dang!
Der Gag mit den beiden Magneten darin funktioniert allerdings recht gut, hält bombig.
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Die ganze Erscheinung ist leider etwas weniger elegant, als ich gehofft hatte, aber weil Sachen bei mir völlig planlos einfach entstehen und ich mehr so am Material entlang arbeite, muß ich in späteren Phasen eben mit den in früheren Phasen geschaffenen Umständen umgehen. Sagt mir bitte etwas dazu, damit ich das nächste besser hinbekomme.

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 17:09
von Tom Tom
Urig und schön :)

Ich hätte die Scheide etwas zentrierter um die klinge angelegt das die nicht so nach oben absteht

Und das planlose arbeiten kennen ich :D

Lg Tom Tom

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 17:27
von Holzbieger
jetsam hat geschrieben: Wie heißen diese Platten eigentlich?, sind aus Wasserbüffelhorn.
Na ich würde mal sagen WABÜHOPLA (Wasserbüffelhornplatten) ;D

Das ganze ist nicht so mein Stil und ich schließe mich TomTom an, wäre es etwas zentrischer würde es harmonischer und nicht so klobig aussehen.

Was Du mit dem der Lederscheibe meinst kann ich aus Deiner Beschreibung nicht so ganz nachvollziehen, meinst Du die Lederscheibe am Scheidenmund?

Gruß
Roland

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 18:18
von Haitha
Ich glaube er meint in der Scheide selbst, damit es besser hält, wie man bei einer Lederscheide die Zwischenlage einarbeitet.

@Jetsam: Verarbeitung find ich sehr interessant, mal gespannt auf kommende Projekte

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 18:41
von Arcito
@Jetsam: Ich mag den Style! Sehr ungewöhnlich, aber auch sehr originell! Du hast viele Ideen umgesetzt und das in ziemlich sauberer Ausführung. Schickes Geschenk.

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 19:44
von apaloosa
Jetsam,
schönes Teil und ich wiederhole mal:
Klinge zentrieter.
Geduld, vorher alles gut überlegen (das mach ich immer beim Einschlafen :D ) und nochmals Geduld bei den Entscheidungen.

VG
Harald

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 08.02.2016, 21:12
von jetsam
Danke für die Blumen und die Einwände.
Wenn ich nicht diese Ösenleiste oben in der Scheide als zentrales Element gesehen hätte, wäre alles tatsächlich zentrierter geworden. So habe ich, herantastenshalber, lieber mehr Platz gelassen, um zu vermeiden, daß beim Bohren und Formgeben die Spielräume nicht reichen.
Die Art wie die Lederkordel da reingefriemelt ist, ist auch bloße Option, man kann sich das Ding damit genausogut an den Gürtel wurschteln, in die Haare flechten oder am Brillenbügel festknoten.

@Holzbieger: aaaah, natürlich! Zum Glück habe ich hier Zugang zu hochkompetenter Expertise. ;D
Nach diesem Prinzip
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wurde das dann so,
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ist auf den ersten Fotos in der Tat nicht zu sehen, sorry.

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 09.02.2016, 17:08
von JoGreis (✝️)
Moin,

wir kennen uns leider nicht. Daher habe ich die Befürchtung, dass das, was ich jetzt schreibe, nicht gut ankommt.
Ich mache es aber trotzdem, weil ich glaube, dass es bei Dir auf fruchtbaren Boden fällt.
Bitte nicht persönlich nehmen sondern als gut gemeinte Kritik:

Was ich hier sehe ist eine sehr schöne Klinge und ein sehr schöner Griff. Aber ich sehe kein Messer.
Mein erster Eindruck war: "Wo will der riesige Griff mit der kleinen Klinge hin?"
Es braucht nicht viel, um ein Messer elegant wirken zu lassen, aber das ist oft sehr schwer zu erreichen. Im Prinzip müssen ein paar Linien zusammenpassen, das war es schon.
Aber genau das geht diesem Messer ab. Zwischen Griff und Klinge gibt es einen Bruch. Es gibt keine fortgeführte Linie, die einen "Zusammenhalt" zwischen diesen beiden Bauteilen herstellt.

Um dies zu verdeutlichen schaue Dir bitte noch einmal Rolands letztes Messer an.
Der fleißende Übergang des Messerrückens zum Griff ist das,was ich meine.
Sch....., das ist schwerer zu beschreiben als ich glaubte.
Schade, dass Du so weit weg wohnst. Ich hätte Dir das gerne bei einem Kaffee persönlich gezeigt und Dich in meine Werkstatt eingeladen.

Ich hoffe, Du nimmst meine Kritik nicht persönlich.

Viele Grüße aus dem Westerwald,
Jo (der ehemalige Zeckezüchter)

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 09.02.2016, 17:59
von jetsam
Entspann Dich, ich nehm Dir überhaupt nüscht übel, nach solchen Antworten habe ich ja gefragt.
Vielleicht stimme ich ja nicht völlig mit Dir überein, aber ich hab mir sagen lassen, dies hier sei eins der Universen, in denen das ginge. :D

Also für mich ist der Gegenstand hier schon irgendwie ein Messer, und zwar dadurch, daß er schneidet.
Da hört die Funktionalität aber auch schon auf. Okee, wobei diese Magnet-Technologie noch echt gut funktioniert.

Dieses hier ist halt das Produkt eines albernen amateurhaften Geistes, der noch übt, um für geplante größere Würfe Erfahrung zu sammeln und dem bei der Arbeit genau Deine Einwürfe in den Sinn kamen, als das Ruder aber wegen knapper Timeline und bereits geschaffener Fakten nicht mehr herumzureißen war.
Wenn es ginge, würde ich Dir gerne mein erstes Messer zeigen, denn das entspräche Deiner Sichtweise sicherlich viel eher.

Wie hättest Du denn hierbei diesen - absolut eingeräumten - optischen Bruch vermieden?

Danke für die Gedanken, die Du dir gemacht hast.

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 10.02.2016, 10:39
von JoGreis (✝️)
Ich bin entspannt. ;)
Ich möchte hier nur nicht als Klugschwätzer daherkommen. Allerdings waren für mich immer die ehrlichen und konstruktiven Kritiken hilfreicher als das ewige Lobgehudel. 8)

Ich habe mir erlaubt, 2 Vorschläge mit Paint zu basteln (Habe leider nichts anderes und auch das beherrsche ich nicht wirklich).

Vorab:
Generell würde ich auf diese Monsterplatte verzichten. Sie passt meiner Meinung nach so gar nicht zu der schlanken Klinge.
Ein nach unten gezogener Fingerschutz, der in die Unterlinie des Griffes eingefügt wird ist ja OK, aber so ein Absperrbohlen????

Des weiteren habe ich natürlich keine Ahnung, wie breit der Erl ist und was demnach als Griff machbar ist.

Vorschlag 1:
Vorschlag.png
Hier ist noch einmal Deine Phantasie gefragt, weil ich zu blöde bin, das in Paint hinzubekommen.
Stelle Dir bitte den Griff noch so weit im Uhrzeigersinn gedreht vor, dass Klingenrücken und Griff eine Linie bilden.
Ob dann die Flechtung noch passt, kann ich natürlich nicht sagen.

Vorschlag 2:
Vorschlag2.png
Hier habe ich einfach einmal einen Griff gezeichnet, wie ich ihn machen würde.

BTW: Sollte ich es in diesem Leben noch einmal in meine Werkstatt schaffen, würde ich mir die Idee mit der Flechtung im Griff gerne übernehmen, wenn das für Dich OK ist.

Viele Grüße aus dem Westerwald
Jo

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 10.02.2016, 10:54
von kra
Mit der Flechtung komme ich nicht klar. Ich bin Anhänger von "weniger ist mehr", und wenn sie keine echte Funktion am Werkzeug Messer hat würde ich sie weglassen. Genauso an der Scheide.
Und dann ist auch wieder überschüssiges Material, das abgetragen werden kann.

Die Ledereinlage zwischen die beiden Holzschalen ist eine sehr gute Lösung. Leder ist etwas elastisch und wenn die Lederschicht ein ganz klein wenig dünner ist als die Messerklinge dick ergibt sich bereits eine leichte Klemmwirkung.

Re: Messer, die 7. (ab 9. Juli 2014)

Verfasst: 10.02.2016, 13:12
von jetsam
@JoGreis, danke für Deine Mühe, Dein 2. Entwurf für den Griff ist in der Tat viel stimmiger mit der Klinge, auch wenn ich, zumindest unten, einen Fingerschutz für sehr sinnvoll zu erachten gelernt habe.
Hinsichtlich der Griffgröße gebe ich Dir was den Gesamteindruck betrifft auch recht, allerdings ist die Klinge hinwiederum schon so klein, daß ein kleinerer Griff bedeutet hätte, kaum noch etwas in der Hand zu haben.

Daß Dir die Geschichte mit dem durchgefädelten Lederfaden so gefällt, schmeichelt mir natürlich. Fühl Dich frei, es nachzumachen.

Ich könnte jetzt erklären, daß vielleicht zu viele Ideen in unterschiedlichen Stadien auch noch mit reinmußten, der Handschutz oben als Aufnahme für den zwieten Magneten fungiert, das Praktische nicht wirklich im Vordergrund stand und ich einfach die eine oder andere Umsetzung (auch als Übung und zum Ideenkonkretisieren für dieses Halsmesser das ich da plane) einfach mal hab machen wollen ungeachtet des Gesamtbildes, tue das aber nicht, denn das sieht man ja. :D

@Kra, wie man sicher auch sieht, bin ich halt verspielt. :)
Wie oben geschrieben, kann die Strippe an der Scheide allerdings genauso gut zum Befestigen an irgendwas benutzt werden, meiner bescheidenen Erfahrung als frühjugendlicher Fahrtenmesserfetischist nach sogar viel besser als diese piefigen Lederlaschen, die die Scheide immer haben senkrecht baumeln und zuverlässig im Oberschenkel rumstechen lassen, bzw. verhinderten, daß man das Messer mit nur einer Hand ziehen konnte.
Und die andere Wicklung trägt gefühlt zur Griffigkeit bei.
Aber Du hast natürlich recht, es ist ein in-vitro-Messer, das dem in-vivo-Einsatz nicht lange standhielte.

Auf jeden Fall danke für Lob und hilfreiche Kommentare.