Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Themen zum Bogenbau
benz

Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von benz »

@Rabe Du bist gemein, jetzt hatte ich einmal die Hoffnung dass etwas nicht so sch***se ist, wie ich es mir ausmale und DU zerstörst es einfach wieder  :'(

Ist mir aber völlig wurscht, weil benutzen tu ich das Zeug eh nicht  ;D
Anglia
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Anglia »

Dann werde ich das Zeug mal verpacken...(Danke Rabe, dass Du eine meiner zahllosen Wissenslücken gefüllt hast :))

Da der Rohling ja vorerst unpässlich ist, mache ich mir Gedanken über den Querschnitt (siehe Bild). Da ich Weissdorn als sehr druckfest einstufe, denke ich man könnte in Richtung 2-3 gehen, um Gewicht zu sparen, würde dazu aber auch gern noch Eure Meinungen hören (frei nach dem Motto: Frage zehn Experten und Du kriegst ein Dutzend verschiedene Meinungen ;))

Also, wie weit soll ich mich aus dem Fenster lehnen?


Anglia
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Al Fadee
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Al Fadee »

wie wärs mit 1 und 2 gleichzeitig?
also den bogen so wie 1 und zu den tips hin dann wie 2, schön schmal und mit diesem dreieckigen querschnitt.
so sparst du gewicht und hast im stark belasteten bereich mehr reserven

al fadee
Ist das Design oder kann das weg?
Anglia
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Anglia »

Hmmm, bin gerade am Überlegen. Ist die Belastung bei einem Compass-Tiller nicht überall die gleiche? Set tritt dann ja auch gleichmäßig auf, oder hab ich da jetzt nen Knoten im Kopf?
Vielleicht können die Profis da weiterhelfen...

Generell hatte ich geplant, das Dicke/Breite-Verhältnis über die gesamte Länge konstant zu lassen, und den Compass durch ein erst sehr langsames, dann zum Tip hin progressives verjüngen zu erreichen...

Hab das mal Supertiller damit gefüttert, sollte funktionieren.


Anglia
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acker
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von acker »

Hallo,
Bei der Form 1 würdest du einen sanfteren Schuss erhalten wobei der Bogen aber vermutlich zum Stringfollow neigen würde (vermutet da keine Ahnung von Weissdorn)
Bei der Form 3 würdest du einen lebhaften und schnellen Abschuss haben,
das Holz unterliegt bei dem Profil aber einer grösseren Belastung--was sich natürlich auf die Lebenserwartung auswirkt.

Also je höher der Wurfarmquerschnitt ist, desto schneller der Abschuss und je flacher desto sanfter der Abschuss

Gruss Acker
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Anglia
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Anglia »

Kleines Missverständniss: Alle Profile abgeändert auf ein Stack von 100% (oder zumindest sehr nah dran) also geht es nur um die Form der Rundung am Bauch, sorry für die Unklarheit... :-[

Anglia
Christopher
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Christopher »

Hmmm, bin gerade am Überlegen. Ist die Belastung bei einem Compass-Tiller nicht überall die gleiche? Set tritt dann ja auch gleichmäßig auf, oder hab ich da jetzt nen Knoten im Kopf?
wenn du mit Kompasstiller einen Kreistiller meinst, hast du nen Knoten im Kopf ;D
Die Belastung wird immer größer, je weiter man zur Mitte kommt. das erklärt auch, dass oft Bögen Stauchrisse im Fade-out kriegen und sehr selten an den Tips.
Ich behaupte, dass ein intakter Bogen eher im Griff(nicht oder nur ein bisschen biegend) eher brechen würde als an den Tips, selbst wenn diese noch so dünn sind.
Du hast die Macht, missbrauche sie!!!
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acker
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von acker »

Hallo,
Ich mein doch die Form der Rundung am Bauch...ist sie spitzer wird der Bogen schneller aber auch kürzer leben....ist die Rundung am Bauch flacher wird der Schuss sanfter...der Bogen aber auch ein wenig mehr zum Stringfollow tendieren können(vermutung bei weissdorn)

Was meinst du mit "...alle Profile abgeändert auf einen Stack von 100%..." ?

Gruss Acker
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Squid (✝) »

Weissdorn hat nach TBB 4 eine ungewöhnlich hohe Dichte. Daraus resultiert bei den meisten Hölzern eine hohe Druckfestigkeit.
Entsprechend wird es als ungewöhnlich gutes Bogenholz bezeichnet.

Nach deren Formeln kannst du daher aus Weissdorn einen Bogen bauen, der bei einer Länge von irgendwo um 165 cm bis zu 75 lbs mit vertretbarem Set hat. Ob das nun alles so stimmt, weiss ich mangels eigener Tests nicht.

Aber bei einer Länge von über 2 m - soviel gab der Rohling doch her? - sollte das Kriegsbogenkonzept somit machbar sein.

Nun zu den Profilen: Ich würde alle drei vorgestellten Varianten in einem Bogen vereinen und zwar mit sanften Übergängen von innen nach aussen.

Version 1 am Griff und in den Fades um dort (besonders schädlichen) Set zu vermeiden und dem Bogen jede Menge arbeitenden Materials mitzugeben.
Version 2 in der Mitte der Wurfarme, wo starke Belastung herrscht, aber eine geringe Menge Set aufgrund leicht überlasteten Holzes nicht schadet.
Version 3 an den Tips, wo es darauf ankommt Gewicht zu sparen. 
Zuletzt geändert von Squid (✝) am 16.07.2008, 22:15, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
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Ravenheart
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Ravenheart »

wg. Querschnitt: Stimme AlFadee voll zu: Mitte 1, zu den Enden 2.
wg. Belastung: Wenn eine Punktlast (Sehne) einseitig an einem Stab angreift, treten 2 Belastungsarten auf:
1. Scherspannung (wäre der Stab aus Zucker, würde das Ende einfach am Belastungspunkt abbrechen),
2. Biegemoment (der Stab wird gekrümmt).

Die Scherspannung hält das Holz in der Regel locker aus, im Zweifel wird durch Hornnocke oder Overlay verstärkt.

Die Belastung durch das Biegemoment ergibt sich durch das Produkt (also Mal-Nehmen) aus Abstand vom Angriffspunkt und der Kraft selber.
Kraft x Hebelarm
(Alltagserfahrung: Je länger ein Stab (bei gleicher Dicke), desto leichter kann man ihn krümmen!
Alltagserfahrung 2: Ein über die ganze Länge gleichmäßig dicker Stab biegt sich fast nur in der Mitte, zu den Enden hin immer weniger, an den Enden gar nicht. deshalb bauen wir Bogen ja auch so, dass sie zu den Enden hin schlanker werden! So biegen sie sich über (nahezu) die ganze Länge!)

Grund: Je dichter zur Sehnenkerbe man kommt, desto geringer wird das Biegemoment, weil die Länge des Hebelarms immer kürzer wird.

Das Biegemoment wiederum erzeugt am Bogenrücken Zugspannung, am Bauch Druckspannung.

Je flacher (=breiter) die Bauchfläche ist, desto mehr Last kann sie aufnehmen, die Last verteilt sich besser.

Da aber das Biegemoment - und damit auch die Druckspannung - zu den Enden hin abnimmt, kann der Bauch da hin auch ruhig schmaler werden.

THEORETISCH so sehr, dass er an den Sehnenkerben "0" Breite hat, der Querschitt also voll dreieckig ist.

Rabe
Zuletzt geändert von Ravenheart am 16.07.2008, 22:49, insgesamt 1-mal geändert.
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skerm
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von skerm »

Squid hat geschrieben: Version 1 am Griff und in den Fades um dort (besonders schädlichen) Set zu vermeiden und dem Bogen jede Menge arbeitenden Materials mitzugeben.
Hmm? Griff? Fades? Kriegsbogen?  ???

Ich würde die Form 1 wählen, allerdings mit einem stärker gerundetem Rücken wie in 2, so daß ein schöner ovaler Querschnitt rauskommt.
13x13mm² klingt für den Anfang sehr gut, verjüngen kann man das immer noch, wenn man fertig ist. 34x34mm² ist nicht wenig, aber bei viel Reflex wird sich der griffnahe Bereich wahrscheinlich trotzdem anfangs biegen lassen. Das Tillern auf einem Stock oder einer Holzhalterung ist da nicht ideal, weil es schwieriger ist, die Biegewinkel vom Griff aus zu beurteilen. Das ist leichter, wenn man die Sehne fixiert und den Bogen über einen Gurt zieht, vor allem, wenn man horizontale Hilfslinien hat.

Bei einem geraden Stave und Mary Rose-Abmessungen ist es so, daß die Biegung anfangs in den griffnahen Dritteln stattfindet, bei weiterem Auszug kommen dann die Wurfarmmitten ins Spiel. Dann heißt es tillern, ist eh klar. Wenn man das Holz sich immer schön an die Biegung gewöhnen lässt, kommt man so schön auf 32" mit wenig und gleichmäßigem Set über die Arme. Ich habe z.B. einen 80# Bogen (Hickory, Opepe, Lemonwood) der so wenig Set hat, dass er aufgrund des Dickentapers mit dem Bauch auf einer ebenen Fläche quasi aufliegt. Ich bin neugierig, wie es mit dem Reflex laufen wird.
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Squid (✝)
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Squid (✝) »

OK, ungeschickt ausgedrückt.  ::)
Nen Griff wird er aber haben... wäre doch sonst recht luftig in der Mitte des Bogens  ;D
Gemeint war: "In der Mitte und den angrenzenden (inneren) Wurfarmabschnitten..."
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
benz

Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von benz »

skerm hat geschrieben: [Ich würde die Form 1 wählen, allerdings mit einem stärker gerundetem Rücken wie in 2, so daß ein schöner ovaler Querschnitt rauskommt.
Das wäre mir, bei dem angetrebten Zuggewicht, zu weit aus dem Fenster gelehnt..... mir wäre die Gefahr, dass der Rücken die Zugbelastung dann nicht aushält zu groß.

lG benzi
Anglia
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Anglia »

@Acker: Stack is nen bisschen verwirrend, da es 2 Bedeutungen haben kann. 1. die überproportionale Zunahme an Zuggewicht/Zoll (der Bogen wird hinten hart), vermute mal, das ist das geläufigere.
2. Das Verhältnis Dicke zu Breite, angegeben als Dicke in % der Breite.

@Squid: Danke für das Wissen aus TBB4, die ich nicht habe. Hört sich gut an und bestätigt meine (wenn auch nicht gerade zahlreichen) Erfahrungen mit dem Holz. Der Rohling hat jetzt noch eine (effektive) Länge von 198cm.
Fadeouts... ztztzt, hast ja nochmal die Kurve gekriegt :P ;)

@Rabe: Das Hebelgesetz ist schon klar...natürlich wird die Belastung mit zunehmender Entfernung vom Angriffspunkt (Nocke) größer. Ich bezog mich auf die Belastung/Holz (wenn das verständlich ist) die Dicke und Breite nehmen ja auch mit zunehmender Entfernung zur Nocke zu, das heißt, mehr Holz, was die Belastung auffängt. Und zwar immer soviel, dass die Krümmung konstant ist->Kreistiller. Was die Breite 0 des Bauches an der Sehnenkerbe betrifft: Klar, ist einleuchtend, aber, da die Zugkräfte ja auch zur Sehnenkerbe gegen 0 laufen, müsste dann die Breite des Rückens auch gegen 0 an der Sehnenkerbe laufen (in der Theorie!). Folgert daraus dann nicht wieder ein konstantes Querschnittsprofil, wo sich lediglich der Maßstab verkleinert???

@Skerm: Wenn man sich die Mary-Rose Bögen anguckt, so haben die am Ansatz der Hornnocke alle 12mm Durchmesser, das is von 13mm ja nicht so weit weg... Dass die Holzhalterung nicht so dolle ist, sehe ich auch so. aber wenn ich den mit langer Sehne am Anfang tiller, dreht der bei dem Reflex garantiert sofort rum, wenn ich den nicht gegen Kippen sichere. Wenn er erstmal auf 5cm Standhöhe ist, wird er ja aufgehängt. Nur mit den Linien komme ich nicht zurecht, sehe dann Knicke wo keine sind.... ich lass das mit den Linien ;) und verlass michauf den Zollstock im Auge (bei ungeübten auch schlicht Augenmaß genannt ;D).
Jaja der Reflex.. das wird lustig :-\

@Benz: Weiß nicht so recht... Denkbar wärs vielleicht, das Zeugs is ziemlich zäh, aber ganz wohl is mir nicht dabei, und ziemlich druckfest is es ja auch...

@all:  Super Eure Meinungen zu hören....und diese Beteiligung, da wird man ja rot....

Anglia
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Squid (✝)
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Re: Weissdorn Kriegsbogen Buildalong

Beitrag von Squid (✝) »

Noch mal Zitate aus TBB4:

"Ist der Bogen 1,5 " breit und 72" lang, kannst du mit Hölzern von 0.40 Dichte unbedenklich Bögen im D Tiller bis zu 50 lbs bei bei 28er Auszügen bauen"

Weissdorn wird mit einem spez. Gewicht von 0.83 angegeben und als "sehr dichtes, starkes Holz" bezeichnet.

Ein Weissdornbogen praktisch ohne Set der dort vorgestellt wird, hat 47# @ 28", ist 70" lang und war ursprünglich ein 3 cm starker Ast.

Hier wird er allerdings nur mit einer Dichte von 0.60-0.65 angegeben: http://www.holzwurm-page.de/holzarten/h ... ssdorn.htm

Wahrscheinlich hilft am Ende nur selbst nachmessen...
Zuletzt geändert von Squid (✝) am 17.07.2008, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
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