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RE:

Verfasst: 12.12.2005, 15:01
von killerkarpfen
Original geschrieben von newton

Mir ist eingefallen, dass es einen thread gegeben hat der sich mit dem Bau einer Stahlbogenarmbrust beschäftigt hat. Dieser thread ist aus Sicherheitsgründen vom Administrator gelöscht worden(Verletzungsgefahr).
Gehärterter Federstahl ist sehr spröde, d.h. bei Überbeanspruchung verformt er sich nur gering plastisch (bleibende Verformung) und bricht dann schlagartig. Durch glühen wirds etwas besser.
Das könnt ich so nicht unterschreiben, [red]meine Kenntnisse sind aber nicht die besten)[/red], soweit ich weiss werden Spiralfedern und auch Blattfedern kalt geformt.
Erst gehärtet dann gerollt und geschnitten. Ich habe zumindest schon viele Federn gerichtet. und Brüche hab ich auch schon gesehen. Das waren aber alles Ermüdungsbrüche die nach langem Einsatz mit einem Spalt über die neutrale Linie beginnen. Auch die brechen selten mit lautem Knall sondern biegen weg

Stellt Euch vor Stahlfedern wären so heikel, könnte man sie nicht im ganzen Fahrzeugbau verwenden . Wäre viel zu gefährlich.

Federstahl hat weniger Kohlenstoff als Werkzeugstahl oder ist anders legiert und wird nicht so hart. Zumindest nicht zu hart gehärtet.

Sobald man mit Wärme den Stahl behandelt, zum schmieden oder biegen geht die Härte verloren. Mit dem abkühlen an der Raumluft entstehen innere Spannungen, das federt nicht mehr.
[red]Es ist wichtig Herstellerangaben zum Stahl zu haben und nur eine Härterei ist in der Lage dies auch richtig zu härten.[/red]
Sonst wird sich nach tollem Auszug beim Ablass nichts rühren. Der Auszug bleibt.

Was mit der Armbrust zusammenhängt da hätt ich auch meinen Respekt, aber wegen der Einrichtung der Armbrust und nicht dem Bogen.
KK

Verfasst: 12.12.2005, 16:23
von schiefa
Mein Wissen über Federstahl ist bescheiden und rein theoretischer Natur.
Jedenfalls muss er um die Hohe Streckgrenze zu erhalten gehärtet werden. Danach ist er sehr spröde. Darum folgt normalerweise anschließend eine Wärmebehandlung (anlassen). Dadurch kann man je nach Temperatur wieder eine gewisse Zähigkeit (auf Kosten der Streckgrenze und Zugfestigkeit) einstellen.
Bin jedenfalls deiner Meinung, dass man das Härten und Anlassen den Profis überlassen sollte.

Stahlbogen

Verfasst: 12.12.2005, 19:57
von Wurzelpeter
Hallo Leute!

Ich hab im Armbrust-Thead damals fleißig mitgelesen. Der dort verwendete Bogen stammte aus einem Auto (Seat Marabella) und war dort als Blattfeder eingebaut.
Was Härte und Sprödigkeit betrifft, hab ich auch noch eine Erfahrung gemacht. Die war, dass man ein ausrangiertes Blatt einer Eisensäge extrem weit biegen kann. Erst unter extremster Biegung, die man mit einem Bogen wohl nie erreichen kann, ist es gebrochen. An einen Übergang von elastischer zu plastischer Verformung kann ich mich nicht erinnern, bzw. war dieser kaum bemerkbar bis zum Bruch. Am Ende waren aus einem Teil ein paar mehr geworden, aber als richtig gesplittert ist es nicht. Beim Bogen hat man zudem den Vorteil, dass das meiste Zeug wohl eher vom Schützen wegfliegen dürfte.

Nagut, soviel vom mir.

Ich wünsch viel Bastelspaß!

Steffen

Verfasst: 12.12.2005, 21:04
von Shagrath
Mehr als das er bricht, kann nicht passieren, aber einen Versuch ist es doch allemal wert.

RE:

Verfasst: 12.12.2005, 21:23
von Netzwanze
Original geschrieben von Shagrath
Mehr als das er bricht, kann nicht passieren, aber einen Versuch ist es doch allemal wert.
Naja, wenn Holz bricht, kündigt es dies bereits vorher an. Metall tut das nicht, sondern bricht sofort. Außerdem bricht Holz nur selten sofort ab, sondern hält immer noch an den Fasern aneinander. Diese Fasern fehlen bei Stahl komplett.

Brechen die Wurfarme im Auszug, werden sie Dir beide um die Ohren fliegen und nicht von Dir weg. Die Sehne tut ihr Übriges dabei. Bedenke auch, daß bei einem Bogen sehr hohe Kräfte wirken. Die sind schon anders als bei einer Auto-Blattfeder.

Christian

Verfasst: 13.12.2005, 11:14
von Snake-Jo
@Bard: nein, leider nicht geschossen, nur mal die Sehne was flippen lassen. Handschock wird da sein. Die Lederwicklung und die Büschel hätt ich gleich abgebaut, die stören nur! :D
Immerhin sollte man bei einem Stahlbogen auch sehen, dass es einer ist. Ich hätt ihn auf Hochglanz geschmirgelt.
@Killerkarpfen: Das sind auch meine Erfahrugnen mit Blattfederstahl. Z.B. besitze ich eine Machete aus Kamerun, die wurde in England original aus alten Blattfedern hergestellt. Diese Machete ist flexibel und unverwüstbar. Wenn man damit auf einen Stein haut, hat sie eine Scharte und der Stein ist halbiert.
Ansonsten ist das Härten, schmieden und Herstellen von Stahlbögen eine hohe Kunst und nur ein Waffenschmied traut sich an sowas ran.
Alternativ könnte man sicher aus einem Bündel Sägeblätter einen halbwegs schießbaren Bogen bauen und der würde nicht brechen (oder aus zwei Macheten). :D

Karbon statt schmieden

Verfasst: 13.12.2005, 12:13
von killerkarpfen
Zum allgemeinen hin und her, vom schmieden eines Bogens sebst aus Federstahl würde ich abraten. Es ist sicher schwierig einen schönen Tiller unter einem Krafthammer zu erhalten. Mit schmirgeln und schleifen werden die Schmiedefasern durchtrennt und die Oberflächengüte schwindet.
Um einen doch halbwegs guten Bogen zu erhalten käme für mich nur die oben erwähnte Methode in Frage, angelehnt an den Formen eines modernen Recuves.
Heute wird aber immer wieder Karbon gelobt. Mit Zugfestigkeiten die Stahl noch übertreffen und einem Drittel an Gewicht! Daher gesehen ist der Versuch einen Stahlbogen zu bauen sicher interressant, vom Eigengewicht her und von den benötigten Einrichtungen für einen "Hobbybogner" sicher eine enorme Herausforderung.

Ps Man begann im Mittelalter sehr früh Armbrüste mit Stahlbogen zu bauen, neben ein paar Unikaten hat er sich aber im Langbogenbau nicht durchgesetzt. Wahrscheinlich weil der Aufwand zum Ertrag nicht stimmte. Die Idee existiert ja schon lange, funktioniert aber offenbar nur bei sehr kurzen Bögen, denn bei den Compounds wird soviel ich weiss auch Federstahl eingesetzt.