Kompositbogen bauen

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skerm
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

@Snake-Jo: Sehr schön!


Daniel
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skerm
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Ich glaube, ich sollte den Wasserkocher mit in die Werkstatt nehmen und zwischendurch mal einen Beruhigungstee zubereiten.

So funktioniert die Aufspannvorrichtung:

Bild

Etwas weiter:
Bild

Und noch etwas weiter:
Bild

Beim letzten Bild sieht man, daß der linke Wurfarm in der Mitte zu steif ist. Er biegt nicht mit und behält seine Krümmung (rote Linie). Als Folge dessen drückt es den Wurfarm nahe am Griff runter (roter Pfeil). Schätze ich mal. Auf jeden Fall gehört entlang der roten Linie etwas Horn weg.

Was ich so gelesen habe könnte man diese Stelle auch etwas erwärmen, aber solch ein Vorgehen kommt mir verdächtig vor, solange der Bogen noch nicht fertig getillert wurde.
Snake-Jo hat geschrieben: Seh ich auch so. Nur wenn du das Teil aus der Aufspannhilfe nimmst, beobachte genau, ob es sich gleichmäßig spannt. Die Bruchgefahr ist eigentlich bei einem Komposit gering, was häufiger vorkommt:
- Überdehnungen am Bauch, wenn das Horn ungelichmäßig stark ist
- Knicke am Griff-Fade-out, wenn der zu steil war
- Abreißen von einzelnen Sehnensträngen, wenn sie unter zu hoher Spannung stehen, also punktuelle Belastung
-Flip-Flop vom ganzen Bogen, wenn ein Wurfarm wesentlich stärker als der andere ist.
Christopher, falls du inzwischen das Horn nicht schon drauf hast: Mach den Übergangsbereich lang. :D

Gruß,
Daniel
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skerm
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Das Mittagessen war schön, weiter geht's!

Bild

Wie man sieht, sind die Wurfarme außen noch relativ steif. Das Bild wird zwar durch die Bolzen im Siyahknie verfälscht, weil durch die Siyahs der griffnahe Bereich etwas entlastet wird, aber trotzdem gehört da noch einiges an Horn weg.

Daniel
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von Snake-Jo »

@Daniel: Gut! Das sieht gut aus. Man muss ja auch bedenken, das man quasi einen ungetillerten Bogen aufspannt und da biegt sich eben noch nicht alles os, wie es soll .
Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen für eine Erwärmung vom Bogenbauch her an den steifen Stellen, um den griffnahen Bereich nicht zu überlasten. Durch das Erwärmen werden die Stellen temporär weicher und beigsamer und man kann anschließend dann genau bestimmen, wo noch Horn weg muss. Wenn man jetzt zu schaben anfängt, kann es passieren, das man zuviel weg nimmt und hat dann dort einen Knick.
Merksatz: Erwärmte Biegung ist reversibel, abgeschabtes Horn nicht!

Wärmen in der Form. Man merkt dann schnell, wie der Wurfarm nachgibt. Aber langsam, immer wieder aufhören und mal ein paar Minuten beobachten.
Griff mit mindesten 2 Schraubzwingen sichern!!!!!!
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acker
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von acker »

Hallo,
Daumen drück Daumen drück.....
Bin auf der arbeit, aber das einzig spannende ist momentan Dein erstlings Aufspannversuch :)
Meine Mitarbeiter und ich wünschen Dir Glück!
Gruß acker
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.
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skerm
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Danke für's Mitfiebern, acker und Kollegen! ;D
Snake-Jo hat geschrieben: @Daniel: Gut! Das sieht gut aus. Man muss ja auch bedenken, das man quasi einen ungetillerten Bogen aufspannt und da biegt sich eben noch nicht alles os, wie es soll .
Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen für eine Erwärmung vom Bogenbauch her an den steifen Stellen, um den griffnahen Bereich nicht zu überlasten. Durch das Erwärmen werden die Stellen temporär weicher und beigsamer und man kann anschließend dann genau bestimmen, wo noch Horn weg muss. Wenn man jetzt zu schaben anfängt, kann es passieren, das man zuviel weg nimmt und hat dann dort einen Knick.
Merksatz: Erwärmte Biegung ist reversibel, abgeschabtes Horn nicht!

Wärmen in der Form. Man merkt dann schnell, wie der Wurfarm nachgibt. Aber langsam, immer wieder aufhören und mal ein paar Minuten beobachten.
Griff mit mindesten 2 Schraubzwingen sichern!!!!!!
Ok! Wird gemacht! Ich finde das aber seltsam. Wenn ich jetzt erwärme, geht vermutlich ordentlich was von dem Reflex raus. Wenn ich dann abgespannt durch Wärmen und Rückwärtsaufspannen den Reflex wieder herstelle, dann habe ich beim nächsten Aufspannen ja dasselbe Problem.
Außerdem.. wenn ich nach dem Erwärmen mit dem Tillern beginne, dann tillere ich doch quasi einen anderen Bogen. ??? Das leuchtet mir nicht so ganz ein!
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von Snake-Jo »

@Daniel:
1. Ziel ist: Den Bogen auf Aufspannhöhe zu bringen, die Sehne einzuhängen und ohne Pflöcke zu betrachten.
2. Ziel ist: Keine Knicks zu produzieren bzw. einzelne Bereiche zu überdehnen (oder Schlimmeres).
3. Ziel ist: Den Bogen auf Aufspannhöhe zu bringen, ohne ihn gleich durch Abschaben zu sehr zu schwächen, denn: Ein Komposit  spannt sich anfangs sehr schwer, z.B. wie ein 50 lb-Bogen, hat dann hinterher aber doch nur 35 lb, wenn er "eingebogen" ist. Wenn ich gleich zuviel Horn wegnehme, habe ich nur noch 20 lb.


Beim Aufspannen siehst Du, welche Bereiche noch zu steif sind, diese mit Bleistift markieren. Das Erwärmen bringt den Vorteil, das man weitermachen kann, ohne das Teil ständig aus der Form zu nehmen. Natürlich ändert sich mit dem Erwärmen auch die Form und das Reflexverhalten. Dies ist jedoch reversibel. Eine überdehnte Stelle nicht, ein gebrochener Bogen nicht und ein zu schwacher Bogen auch nicht!
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skerm
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Verstehe! (ein bißchen)
Das erwärmen hat nicht so schlecht geklappt.

Bild
Bild

Nur.. ähm..  :-[.. das ist mir jetzt ein bißchen peinlich..

Bild
(Das Foto ist unscharf, weil ich mir das nicht ansehen konnte..)

Da is wohl ein Wurfarm etwas stärker ausgefallen. Tja, ich bin Linkshänder, hab die eine Seite mit dem kräftigen Arm gebogen. ::)

Ich hab den Bogen jetzt wieder rückwärts gespannt.

Gruß,
Daniel
Zuletzt geändert von skerm am 21.02.2009, 19:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von Snake-Jo »

Nö, alles im grünen Bereich. Das ist ja normal, wie gesagt: Es ist ein Bogen, der mit der Hornschicht nicht getillert war. Nun weißt Du:
- er hält das Aufspannen aus
- er biegt sich im normalen Rahmen
- er braucht noch ein bischen "Zuwendung"

GLÜCKWUNSCH !!!!!
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Das ist normal? Ich hab gedacht, ich hab mich ordentlich verschätzt zwischen den zwei Hörnern.
Na dann, jupeee! :)
Dann werd ich morgen rausfinden, wie es sich mit dem Reflex, dem Erwärmen, Aufspannen und dem Tillern verhält. Sehnenbrücken und eine neue Sehne muss ich auch noch machen! Die ganze Prozedur hat 8cm Set verursacht. Mal schauen, ob die durch Aufspannen allein weggehen.

Daniel
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Ich habe heute morgen echt gestaunt. Während meine Liebste noch den Polster umarmt hat, war ich schon in der Werkstatt. Der Bogen war ja über Nacht rückwärts kalt aufgespannt worden. Heute morgen war der Set weg. Der Abstand Tips-Griffrücken betrug wie vorher 38,5cm. Am besten fand ich, daß er sich wieder schön und ohne nochmaliges Erwärmen aufspannen ließ. Ich verstehe es nicht, aber es ist gut!

Mit Bolzen:
Bild

Die Wurfarme waren ziemlich unausgeglichen. Ich hab daher bei aufgespannter Sehne rumgeschabt, damit ich sehen kann, wie die Wurfarme ins Gleichgewicht kommen. Taten sie nach einiger Arbeit nicht, also hab ich links etwas erwärmt. Ich bin dabei prompt übers Ziel hinaus, aber es ging noch, und ehrlich gesagt, so wie sich die Sehne da um die Siyahs quälen muss, würde ich das auch nicht überbewerten.

Bild

Ich wollte natürlich wissen, wo ich mit dem Zuggewicht ungefähr bin. Ich hab beim Aufspannen ja schon gemerkt, daß es gut ist, daß ich eine 14-strängige (oder waren es 16?) Fastflight Sehne gemacht habe. Die ist nämlich ordentlich gespannt. Ich hab mal so ein bißchen an der Sehne gezogen. Huiuiui, mein 80# Engländer zieht sich auf den ersten Zentimetern leichter. Der Vergleich hinkt natürlich, weil beim Langbogen die Sehne um 60cm länger und die Kraft-Auszug-Kurve eine ganz andere ist, aber das Zuggewicht dürfte trotzdem ganz ordentlich sein.

Jetzt habe ich mir eine Pause verordnet, indem ich die Sehnenbänke nicht mit 5-Minuten-Epoxy, sondern mit 24-Stunden-Epoxy angebracht habe. Ich muss eh die Sehne neu machen.

Gruß und schönen Sonntag!
Daniel
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von Snake-Jo »

@all: Man muss sich von einigen Vorurteilen verabschieden beim Kompositbogenbau.
1. Der Komposit zieht sich wunderbar leicht und sanft bis über die 30" hinaus.
Stimmt. Allerdings auch deswegen, weil er deutlich mehr Set entwickelt als ein Holzbogen.
2. Ein Komposit hat immer tierisch viel Reflex.
Nö, s. oben. Ist nach Auskunft eines Sammlers auch eine Frage der Lagerung.i
3. Ein Komposit schießt wesentlich besser und weiter und schneller als ein Langbogen.
Nö, s. Untersuchungen von Tim BAKer. Ein gut gemachter Komposit schießt so gut wie ein sehr guter Langbogen. ( self oder Laminat, kein Glas). Das sind auch meine Erfahrungen.
Aber: Ein guter Komposit ist wesentlich schwieriger herzustellen als ein sehr guter Langbogen.
4. Ein Komposit ist sensibel in der Handhabung, beim Aufspannen, beim normalen Gebrauch.
Ja, so ist das.
5. Ein Komposit ist allen anderen Bogen überlegen.
Nur beim Schießen vom Pferderücken, da hat er eindeutige Vorteile.

@Daniel: ich gehe mal davon aus, dass du es jetzt geschafft hast. Der Rest ist Kür. Das sieht alles sehr gut aus. Nu man schön die fiesen Sehnenreste glatt schleifen, da kann man sich ganz ordentlich dran pieksen.  ;D
Jetzt unbddingt die Wicklungen dran basteln. Und erst dann langsam in den Vollauszug gelangen, immer schön auf Knicke beobachten. Sollte eine solche Stelle auftauchen, erstmal mit partiellem Sehnenbelag korrigieren.
Zuletzt geändert von Snake-Jo am 22.02.2009, 13:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von skerm »

Snake-Jo hat geschrieben: 3. Ein Komposit schießt wesentlich besser und weiter und schneller als ein Langbogen.
Nö, s. Untersuchungen von Tim BAKer. Ein gut gemachter Komposit schießt so gut wie ein sehr guter Langbogen. ( self oder Laminat, kein Glas). Das sind auch meine Erfahrungen.
Ich hab Teile der Diskussion auf PaleoPlanet gelesen. Wurde dort nicht gesagt, daß es sich bei hohen Zuggewichten etwas zu gunsten der Kompositbögen verschiebt? Oder galt das nur für flight-Schießen?
@Daniel: ich gehe mal davon aus, dass du es jetzt geschafft hast. Der Rest ist Kür. Das sieht alles sehr gut aus. Nu man schön die fiesen Sehnenreste glatt schleifen, da kann man sich ganz ordentlich dran pieksen.  ;D
Jetzt unbddingt die Wicklungen dran basteln. Und erst dann langsam in den Vollauszug gelangen, immer schön auf Knicke beobachten. Sollte eine solche Stelle auftauchen, erstmal mit partiellem Sehnenbelag korrigieren.
Ich werde davon nicht ausgehen, bevor er nicht öfters (~250 Mal..) am Tillerbaum den vollen Auszug überlebt hat. Bis jetzt hab ich ihn ja erst aufgespannt :) Wicklungen mag ich eigentlich nicht.. müssen die echt sein? Da du "unbedingt" sagst, vermute ich, ja. Da fällt mir ein.. seitlich muss auch noch Sehne drauf. Kannst du bitte mal ein Foto reinstellen, das zeigt, wie das bei dir mit den Wicklungen aussieht?

Gruß,
Daniel
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von acker »

Hallo,
Sehr schön , herzlichen Glückwunsch !
Darf ich meinen Daumen wieder benutzen oder ist weiters drücken erwünscht ;)

Gruß acker
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.
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Re: Kompositbogen bauen

Beitrag von Commerz »

Herzlichen Glückwunsch Skerm.
Wegen drücken. Ich drücke die Daumen bis ich ein Bild mit Skerm im Vollauszug ~31" sehe. Das wird schon  ;)
Grüße --Commerz
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