@all: Dann wede ich Euch mal teilhaben lassen an meinem Erfolg oder Misserfolg....
@Squid: die Oberarme für 100 Pfund hab ich nicht, allerdings hab ich auch noch niemanden gesehen, der soeinen Bogen aus dem Arm zieht. Die Rückenmuskulatur dafür hab ich, da sollte die Kraft nämlich herkommen.
Wenn Du das waas die Engländer "shooting in the bow" machst, sprich die Kraft möglichst vollständig aus dem Rücken holst, ziehst Du auf einmal ganz andere Bögen

, dabei benutzt Du einen der stärksten Muskeln des Körpers, dagegen ist der Oberarm nen Waisenknabe... bei jedem, egal wie dick der is.
Abgesehen davon kann ich nur Tyron voll und ganz zustimmen. Der Reiz des Bauens kann ungemein groß sein.. wie wir ja alle wissen

Und zudem gibt es weit mehr Leute die einen 100Pfünder ziehen können, als Leute, die einen bauen können (obwohl viele es wohl schlichtweg nie probiert haben)
So, nun zum Buildalong:
1. Stand der Dinge.
Wie ich ja schon geschrieben hatte, hab ich am WE schon angefangen, die Idee hierzu kam mir leider zu spät

Wie alles begann. Nachdem ich 2-3 Bäume als Favoriten ausgemacht hatte, habe ich nochmal etwa 2 Stunden gebraucht, mich endgültig zu entscheiden, vor allem auch deswegen, weil ich die Bäume sehr schön finde und es mir jedesmal ein bisschen in der Seele weh tut, wenn es einer weniger wird.
Nach dem Fällen habe ich den Rohling entrindet und GANZ wichtig unruhige Stellen in der Rinde auf dem geschälten Stamm markiert. Das mache ich deshalb, weil die Rinde ein viel besseres "Gedächtniss" hat wo mal Äste oder Verletzungen waren, als das Holz darunter, man kann sozusagen, mithilfe der Rinde tief ins Holz gucken.
Natürlich hab ich mir die Rinde schon vor dem Fälleen sehr genau angeguckt

aber einen makellosen Rohling wird man bei weissdorn wohl nicht finden....
Nachdem der Stamm Geschält und problematische Stellen markiert waren, habe ich mich für die (schon relativ genaue) lage des Bogens im Holz entschieden. Dies kurz angezeichnet, kam auch schon die große Bandsäge. Als erstes habe ich von der Rückseite einen dicken Streifen abgesägt, damit ich eine ebene Fläche habe, wenn ich die Flanken säge. Dieser erste Schnitt geschieht bei mir wenn irgent möglich mit sehr viel Zugabe, um mögliche "Unfälle" zu vermeiden. Danach werden die Flanken gesägt, noch nicht in der Form des späteren Bogens, sondern erteinmal parallel mit einer Breite von ca 4,5cm (also auch noch viel Reserve).
Hierbei kam auch schon die erste Überraschung zu Tage: auf einmal hatte der zukünftige Bogen nicht 4 sondern fast 8 cm Reflex!
Danach habe ich eine kurze "vortrocknungsphase" verstreichen lassen, um mögliches Verziehen zu erkennen.
Nachdem das glücklicherweise gut gegangen ist, und sich nichts verzogen hat, habe ich die Mittellinie angezeichnet, und von daaus die Maße des zukünftigen Bogens auf den Rücken gezeichnet.
An diese habe ich mich dan grob (Zugabe 1,5mm) mit E-Hobel und Handwerkzeugen herangearbeitet. Danach wurde ersteinmal die Stärke etwas reduziert(immernoch mit reichlich Zugabe), die ja noch bei ca 5-6 cm lag.
Der Rücken it in diesem Falle der Ring unter der Rinde, auch deshalb, da man Jahresringe bei diesem Holz eigentlich nicht wirklich sehen kann.
Abgesehen davon ist das Holz Zerstreutporig und hat deswegen weniger bedeutende Festigkeitsunterschiede innerhalb der Jahresringe und auch die Dicke der Jahresringe ist nicht so bedeutend.
Dann kam die Zeit des Wartens....
Nein noch länger....
Immernoch warten....
Naja, den Rest des Wartens erspare ich Euch.
Der Grund für dieses Bearbeiten im nassen Zustand ist, dass Weissdorn ein Holz ist, was furchtbar zum Reissen neigt, und ich mir einbilde, dass die Gefahr durch die geringere Dicke des Holzes etwas geringer ist.
2. Am WE:
Nach dieser schier unendlichen Zeit, habe ich nun die Stärke auf Endmass + ca 2 mm gebracht, und die Flanken an das Endmass angenähert und vorgeschliffen.
Als nächstes kamen die Kanten des Rückens dran, die ich mit einer Feile gerundet und dann grob vorgeschliffen habe.
Die Kanten des Bauches (der ja noch eben ist) habe ich auch gebrochen, um die Gefahr von Spanabhub beim Biegen zu reduzieren. Der Bauch wird für das Dämpfen und Biegen noch flach gelassen, da beim Biegen die Außenseite des Holzes nie schmaler sein sollte als die Innenseite. So kann ich in beide Richtungen biegen, wie ich lustig bin...
Als Nächstes kommen ein paar Fotos vom status quo und dann der Abschnitt über das Biegen.
Daten:
Der Rohling: Länge war ca. 215cm
gekürzt auf 198 cm
Breite Endmass 34mm (Schätzwert, vom anderen Weissdornbogen abgeleitet + Zugabe)
Stärke Endmass 34mm (Schätzwert, vom anderen Weissdornbogen abgeleitet + Zugabe)
Tips Endmass 13mm rund
Angepeilter Tiller: full compass
Angepeilt sind max 115 min 105# vor dem Einschießen (mit der Vorgabe blamier ich mich bestimmt

, am Ende wirds nen Kinderbogen

)
Anglia