Federstahldraht aus dem Modellbau

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hobbybalistiker
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Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von hobbybalistiker »

Hallo zusammen,
auf der Suche nach einem möglichst guten und ohne großen Aufwand einen Federstahlbogen zu bauen, stieß ich auf eine Modellbauseite, die Federstahldraht als Meterware und in Durchmessern bis 12mm vertreibt.
Kann mir jemand von Euch sagen ob, diese Stangen evtl. auch für einen Bogen verwendet werden können? Hat evtl. jemand erfahrungen damit?

Mfg hobbybalistiker :)
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Harald (✝)
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Harald (✝) »

Eigentlich schiessen wir mehr oder weniger alle mit Bögen aus Holz und ähnlichen elastischen Werkstoffen.
Ich habe aber vor über 40 Jahren mal Maschinenbau gelernt.
Einen Bogen aus rundem Federstahl kann ich mir nur so vorstellen, dass der von der Mitte zu den Enden auf mindestens den halben Durchmesser am Rücken runtergearbeitet werden muss.
Sonst wird das sicher nix mit dem Tiller.
Ich kann mir vorstellen, dass bei 12mm Federstahl der Handschock so groß ist, dass Dir der Kitt aus der Brille fliegt.
Andere Frage: Wie schwer soll der Bgen dann hinterher sein?
Oder: Welches Bogendesign schwebt Dir vor?
Langbogen, Jagdrecurve oder Reiterbogenform?
Hast Du Zeit und die nötigen Werkzeuge? Dann ran an das Experiment und berichte hier mit Bildern.
to old for rock'n roll, to young to die.

Man sollte sich die Ruhe, Gelassenheit
und Nervenstärke eines Stuhles zulegen.
Der muss schließlich auch mit jedem Ar*** klar kommen!
Bernhard Langbogen

Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Bernhard Langbogen »

Bögen aus Federstahl gibt es, allerdings sind mir nur Bögen aus Flacheisen bekannt.
Aus einen 12er Rundstahl dürfte es recht schwierig werden. Wie sieht es mit der Streckgrenze aus? Hast du schon einen Biegeversuch gemacht?
Versuche es am Anfang mit einen einfachen Design.
Federstahldraht zu biegen ist nicht einfach und benötigt viel Erfahrung mit dem Material. Ohne Rollmaschiene wirst du kaum brauchbare Recurves zusammenbringen. Und bitte ja nicht mit einen Brenner erwärmen und dann biegen. Ohne genau Kenntnisse der Biegetemperatur und die Möglichkeit die auch exakt zu messen wirst du nur den Stahl ruinieren.

Frag einfach aus welchen Material (z.B. wie 61SiCr7 oder1.7108) dein Draht besteht und dann fleißig Googeln.

Bernhard
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walta
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von walta »

das thema stahlbögen hatten wir bereits ein paar mal hier im forum. im grossen und ganzen kam dabei heraus: funktioniert wenn  man sich mit metallbearbeitung sehr gut auskennt.
und: metallbögen werden fast nur für eine armbrust verwendet.

was ich mir vorstellen könnte ist ein bogen aus vielen dünnen federstahldrähten - so wie ein panda-bogen aus dünnen bambusrohren

grüsse
walta
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der keine signatur hat ;-)
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tarock
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von tarock »

Hallo!

Ich würde dir empfehlen, bei einer Maschinenschlosserei wegen Einem Flacheisen aus Federstahl nachzufragen. (Evtl. nachfragen ob du den Federstahl über die Firma beim Stahllieferanten bestellen kannst) Es ist dann aber wichtig, dass es auch wirklich Federstahl ist, und nicht irgendein Baustahl.

Du kannst am Flacheisen dann auch z.B. Recurves biegen etc. , und das ohne das Metall zu erhitzen.
Wenn du alles schön in Form gebogen hast, wies dir gefällt, dann müsstest du den gesamten Bogen, oder Stück für Stück mit einer Gasflamme erhitzen. Wenn der Federstahl dann eine schöne Goldige Farbe bekommt ist er genügend erhitzt. Wenn das Metall blau wird, dann ist schon zu viel Hitze. Dann sofort weg mit der Flamme.

Dieses erhitzen nennt man Spannungsarmglühen. Kannst ja mal googeln  ;)

Das wäre jetzt das Vorbereiten vom Federstahl. Danach kannst du den Bogen tillern!
Wenn du am Flacheisen nichts verbiegst, dann brauchst du es anschließend auch nicht erhitzen..

Ich weiß aber nicht wie gut so ein Stahlbogen funktioniert, und wie es mit dem Handschock aussieht?

lg tarock
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Ravenheart
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Ravenheart »

Wie wäre es, lieber mehrere DÜNNE Stäbe zu verarbeiten? Zum Einen ist da die Gefahr eines Bruches geringer (unwahrscheinlich, dass alle gleichzeitig brechen), zm Andern kann man durch das Hinzufügen/Weglassen eines Stabes ab Punkt x sogar "tillern", OHNE zu Schleifen.

Kann man das Zeug löten/schweißen?

Rabe
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Radon
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Radon »

ravenheart hat geschrieben: Wie wäre es, lieber mehrere DÜNNE Stäbe zu verarbeiten? Zum Einen ist da die Gefahr eines Bruches geringer (unwahrscheinlich, dass alle gleichzeitig brechen), zm Andern kann man durch das Hinzufügen/Weglassen eines Stabes ab Punkt x sogar "tillern", OHNE zu Schleifen.

Kann man das Zeug löten/schweißen?

Rabe
Das war auch mein erster Gedanke.
In einer TBB gibt es eine Abbildung eines Bogens aus vielen dünnen Bambusstäben. Der war genauso konstruiert.

Radon
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Ravenheart
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Ravenheart »

Ich dachte allerdings eher an eine flache Gitterstruktur, so Richtung "Spiderman-Netzfaden-Bündel"...

Bild

Rabe
RubenAryala
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von RubenAryala »

Ich glaube, daß es am einfachsten mit einem kohlenstoffreichen Stahl ginge, den man weichglüht, in Form bringt, bearbeitet und dann durch Erhitzen, abschrecken und anschließendes Tempern seine Federkraft zurückgibt.

So wurde es früher gemacht, als es noch keine hochlegierten Stähle gab und das ist - Kenntnisse und Ausrüstung vorausgesetzt - auch heute noch möglich.

Ich könnte mir vorstellen, daß es ein Kreuz ist, einen Federstahl in seinem endgültigen, federharten Zustand bearbeiten zu müssen.
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von hobbybalistiker »

Also erstmal danke für die Antworten.
Ja ein Federstahlbogen aus Flachmaterial schwebte mir auch lange vor. Ich hab auch schon jemand gefunden der mir den machen würde, allerdings fehlt diesem jemand das nötige Werkzeug; Und aus einer Blattfeder einen rausschleifen, dazu habe ich keine Lust bzw. Zeit, deswegen dachte ich verwendene einen fertigen Federstahldraht.
@ravenheart: Also Federstahl sollte man nicht löten oder schweißen, weil er dann seine Härte bzw. Elastizität(Rückfedern) verliert.
@radon:  Du sprachst von TBB. Kannst du mir evtl. die Quelle nennen?

@harald: Was meinst du mit Handschock?
Vielleicht stell ich mal ne Zeichnung rein, wie ich mir das Vorstelle.

mfg hobbybalistiker
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Ravenheart »

hobbybalistiker hat geschrieben:
@ravenheart: Also Federstahl sollte man nicht löten oder schweißen, weil er dann seine Härte bzw. Elastizität(Rückfedern) verliert.
Hmmm... auch beim Punktschweißen an den Kreuzungspunkten von Stäben?
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walta
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von walta »

beim punktschweissen wird der kontaktpunkt zur weissglut gebracht (mittels strom und nicht indem man ihn ärgert) - also verliert er auch (punktförmig) an elastizität - könnt ich mir vorstellen.

Handschock: steht im lexikon (bin gerade zu faul zum rüberkopieren.

grüsse
walta
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der noch jede menge bambusstäbe rumliegen hat :-)
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tarock
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von tarock »

Ich denke, dass eine Lötstelle den Belastungen nicht standhält.

Allerdings könnte man Rabes Idee mit den Gitterstäben ausprobieren. Wenn man die Stäbe nur an den steifen Bogenenden und im Griffbereich punktverschweißt, dann wären die Veränderungen im Metallgefüge egal, da sie nicht mitarbeiten.

Ich würde ein Holmegard Design vorschlagen, weil da die Enden steif sind und man so dort Gewicht sparen kann.
Am arbeitenden Bereich:
Am Rücken 10 Rundstäbe mit ca. 2 mm Durchmesser oben und unten Verschweißen.
Dann auf der Bauchseite in die Vertiefungen Rundstäbe hineinlegen und diese im Griff anschweißen. Diese Rundstäbe sollten aber Stück für Stück kürzer werden. So erreicht man den Tiller.

Hier ein Beispiel mit Strohhalmen. Da wo die Gummibänder sind, da wird geschweißt:
http://www.fletchers-corner.de/cpg/displayimage.php?album=739&pos=12
Der improvisierte Wurfarm ist hier von der Bauchseite aus betrachtet.

Als steife Bogenenden könnte man 3 dünne Bleche miteinander verschweißen.
Etwa so (den Querschnitt betrachtet):

                          Rücken --->  H  <--- Bauch


durch den H-förmigen Querschnitt hast du einen hohen Biegewiderstand bei wenig Masse.


@hobbybalistiker Wenns dich reizt kannst du ja mal einen Holzbogen bauen.. ::)
Ist echt eine wunderschöne Arbeit!

lg tarock
Zuletzt geändert von tarock am 01.11.2008, 12:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Schorl
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Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Schorl »

tarock hat geschrieben: Hallo!
...
Wenn du alles schön in Form gebogen hast, wies dir gefällt, dann müsstest du den gesamten Bogen, oder Stück für Stück mit einer Gasflamme erhitzen. Wenn der Federstahl dann eine schöne Goldige Farbe bekommt ist er genügend erhitzt. Wenn das Metall blau wird, dann ist schon zu viel Hitze. Dann sofort weg mit der Flamme.

Dieses erhitzen nennt man Spannungsarmglühen. Kannst ja mal googeln  ;)

Das wäre jetzt das Vorbereiten vom Federstahl. Danach kannst du den Bogen tillern!
Wenn du am Flacheisen nichts verbiegst, dann brauchst du es anschließend auch nicht erhitzen..
...
lg tarock

Hallo,

Spannungsarmglühen: Glühen bei einer Temperatur unterhalb der PSK-Linie mit anschließendem langsamen Abkühlen zur Herabsetzung innerer Spannungen.

PSK-Linie = 723 Grad
Spannungsarmglühen bei ca. 600 Grad (+/- 50 Grad)
die von dir genannte "Goldgelbe" Farbe entspricht ca: 230 Grad
das von dir genannte Blau entspricht ca: 290 Grad (Dunkelblau) bis 320 Grad (Hellblau)

Ich könnte mir jetzt vorstellen das du bei den genannten Temperaturen das "Anlassen" meinst. (Anlassen = Verringerung der Sprödigkeit nach einer Wärmebehandlung)
Wenn man nichts verbiegt und nichts erhitzt braucht man auch keinen Federstahl.

Gleich mal vorweg, ich habe noch nie irgendeinen Bogen aus Metall gefertigt. ABER: rein von der Metall-Seite her bringt das so wie beschrieben nichts. Wenn nichts spezielles zu dem Stahl angegeben ist (Stahlschlüssel) dann würde ich den Flachstahl erst mal in Form bringen, dann Spannungsarmglühen, dann auf ca: 780 Grad erwärmen (Kirschrot) und sofort in einem Ölbad abschrecken. Jetzt gleich ab damit in den Backofen bei ca 200-220 Grad und ca. eine Stunde drinnen lassen (nach 30 min kurz raus und abschrecken)
Der Stahl sollte jetzt eine Federhärte aufweisen und wie das nun getillert wird wissen bestimmt andere besser als ich.

Wie gesagt, das beruht jetzt rein auf Metallbearbeitung und Wärmebehandlung von Stahl. Ein nicht wärmebehandelter Kohlenstoffstahl ist nur geringfügig härter als normaler Baustahl, wird also nach dem Überschreiten einer gewissen Biegebelastung nicht mehr zurückfedern (was denke ich für einen Bogen zwingend erforderlich sein sollte  ;) )

Was nun die Federstahl-Rundstähle (den Draht) betrifft:
Ist er schon Wärmebehandelt (sprich: Federhart) ?
Ja: dann viel Spass bei der Bearbeitung, nicht über die Anlaßstemperatur erhitzen (kein Schweißen, Löten, Flexen, Maschinelles Schleifen ohne Kühlung usw.), das führ alles zu Härteverlusten bzw, Schwachstellen beim Biegen.
Nein: dann musst du nach der Bearbeitung trotzdem noch Härten, kannst also gleich einen Flachstahl nehmen.


Freue mich schon auf Kommentare hierzu *g,
Schorl
Bogenede

Re: Federstahldraht aus dem Modellbau

Beitrag von Bogenede »

Nachdem ich den ganzen Tread durchgelesen habe wurde mir schlecht.

Jungs, hört doch auf mit dem Quatsch und dünnen Drähten. Ja, auch mein Vater hat aus Regenschirmen mir einen Bogen gebaut. Es geht, aber ......

Geht auf einen Schrottplatz oder zu einem Federhersteller der PKW Federn herstellt.

Sagt ihm für was ihr sie braucht und sucht eine entsprechend dem Zuggewicht aus.

Jetzt greift ihr zu einer Einhandflexe, legt ein 1 mm Trennblatt auf ( Schutzbrille nicht vergessen ) und schneidet die Bogenform aus im Verhältnis 100 % / 70 % / 40 %.
Das hab ich in einem anderen tread beschrieben.

Da bricht nichts, da splittert nichts und  ihr spart euch das ganze erwärmen, weichglühen und wieder erhärten das ihr sowieso nicht hinbrächtet.

Glaubt mir, ich arbeite schon mein ganzes Leben mit Metallen und weiss wie man härtet. Ohne Detailwissen geht da nichts. Und mit ( Hobby) Schweissen schon mal garnicht.
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