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Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 09:56
von Güssenjäger
Hallo,
ich möchte meinen neuesten Haselbogen ziemlich natur belassen und ihn nur mit Leinöl behandeln (steht noch was rum bei mir

). Nun meine Frage: Ich will den ganzen Bogen bearbeiten, auch den Griff. Kann ich danach noch was aufkleben oder hält das auf dem Griff dann nicht mehr (Arrowrest aus Leder, Griffleder).
Gerd
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 10:03
von Squid (✝)
Kein guter Plan: Auf Leinöl, auch wenns ausgehärtet ist, klebt sichs schlecht. Man muss das dann erst umständlich abkratzen und die Klebestellen entfetten.
Darum wird ja auch erst am Ende geölt, wenn Pfeilauflagen und co. am Bogen sind.
Griffleder werden eigentlich nicht geklebt, sondern nass vernäht oder gewickelt. Beim Trocknen ziehen die sich dann bombenfest zusammen.
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 10:18
von Trinkhorn
Ich hab mich mal informieren lassen, das Öl gar nicht gut ist, weil es das Holz träge macht. Bienen oder Parkett-Wachs soll da viel besser sein!
Trinkhorn
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 10:20
von Faltenhemd rigoros
Leinöl vorher kochen, oder gleich Leinölfirnis nehmen. Dauert sonst sehr lang zum aushärten.
Falti
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 10:23
von Tom of Sevenhills
Trinkhorn hat geschrieben:Ich hab mich mal informieren lassen, das Öl gar nicht gut ist, weil es das Holz träge macht.
... woher kommt die Info?
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 10:26
von Squid (✝)
@Trinkhorn: Das halte ich irgendwie für eine Tischlerlegende.
Wer kommt den darauf und warum?
Weils klebrig ist?
Auch Öl dringt ja nicht zentimeterweit ins Holz ein und weicht da irgendwas auf, sondern lungert auf dem / im ersten zehntel mm herum.
Leinöl wird seit Jahren im Bogenbau verwendet, aber von trägen Bögen war da noch nie die Rede...
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 11:54
von Güssenjäger
Noch ne Frage, weil ich mit Leinöl noch keine Erfahrung habe:
Wie lange dauert das Aushärten von Leinöl bei Zimmertemperatur ?
Gruß
Gerd
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 12:00
von alfred33
Also ich nehm
ERDAL REX Nano farblos,( Dose im Laden für knapp 5 €uros)
und der zieht wenig Feuchtigkeit und dunkelt fast nicht nach.
Nach dem Training mal Fett auftragen und vor dem nächsten Gebrauch ordentlich polieren.
Ich bin damit zufrieden.
Gruß alfred

Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 12:14
von tomtux
Güssenjäger hat geschrieben:
Wie lange dauert das Aushärten von Leinöl bei Zimmertemperatur ?
Gerd
reines leinöl bis zur schleif- bzw. klebbarkeit 2-3 tage. kleben lässt sich darauf mit lösungsmittelklebern schon, aber mit richtig langen abbindezeiten (z.b uhu hart mind. 1h statt 10min). die öle oxydieren mehr als sie trocknen, wirklich durchgehärtet ist das erst nach einer woche.
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 12:51
von Avaran
Also ich verwende Leinöfirnes bei meinen Holzschäften und warte aus Sicherheitsgründen immer eine Woche mit dem anbringen der Federn. Klebe diese dann mit Uhuhart ohne Vorbehandlung dann auf den Schaft, bis dato keine Federn verloren.
Ich tauche meine Holzschäfte in die Leinölfirness.
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 14:53
von Trinkhorn
Hi,
habe die Info von G_Bee aus dem Forum hier (allerdings telefonisch), er hat auch einen guten Kontakt zu einem Bogenbauer (Arno Rainer) - die Kollegen aus Österreich hier könnten ihn evtl. auch kennen.
Kann das auch gerne noch mal hinterfragen, er meinte dass das Öl zu sehr in die Holzfasern eindringt und eben dadurch das Holz eher "müde" wird. Ob das nun für einen Wald-und-Wiesen Schützen wie mich in einem spürbaren Ausmaß auftritt, kann ich nicht beurteilen, Profis die viel optimieren spüren das evtl. dann schon...
Trinkhorn
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 15:31
von tomtux
den arno könnte der eine oder andere kennen, ja
wie der auf die idee mit dem laschen holz käme, kann ich allerdings nur schwer nachvollziehen. leinöl ist ebenso wie lack eine beschichtung und ändert die materialeigenschaften gar nicht.
vor ein paar jahren gabs mal so ein gerücht in der richtung, und ein paar leute haben dann auch versuche gefahren und wurfarme von eingelassenen bögen aufgesägt. ergebnis war eine eindringtiefe nahe null bis gerade noch messbar (< 1/10mm), was soll sich da ändern?
ich verwende nur leinöl oder tungöl, durchs finish wurde noch kein bogen "lasch"
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 15:34
von Galighenna
Das halte ich persönlich für ziemlichen Mumpitz... Fakt ist, das jedes Finish, Öl Wachs oder Lack/Farbe das Gewicht des Bogens erhöht. Das spielt sich aber eher in einem nicht relevanten Bereich ab. Wenn so ein Bogen 500g wiegt und da kommen insgesamt 10g Farbe oder Öl drauf, dann macht das 2% des Gesamtgewichts aus. Ich denke nicht das man da noch überlegen muss... das Öl ans ich verändert das Holz auch nicht. Es Oxidiert mit dem Luftsauerstoff zu einem Polymer und wird dadurch fest. Ende der Geschichte.
Ich empfehle dir, nicht reines Leinöl zu verwenden, sondern Leinölfirnis aus dem Baumarkt. Da ist das Öl vorgekocht und mit sikkativen versehen, so das das Öl schneller aushärtet. Reines Leinöl trocknet sonst eher 1-2 Wochen bevor es wirklich trocken ist. Firnis trocknet innerhalb von 1-2Tagen. Je nach Temperatur und Ölmenge eher 2-3 wenn es viel Öl ist.
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 16:52
von Güssenjäger
Hallo,
danke für die vielen Antworten !
Man sollte einfach genauer hinschauen...in der Dose in meiner Garage ist Leinölfirnis und kein Leinöl....dehalb gehts sowieso schneller mit dem trocknen!
Gruß
Gerd
Re: Leinöl
Verfasst: 10.03.2011, 17:06
von Silberwolke
Hallo Trinkhorn
Ich habe mich mit vor einer Zeit auch mit dieser Frage beschäftigt. Die Antwort der Fachleute in diesem Gebiet war, es gibt keine Gefahr "dass das Öl zu sehr in die Holzfasern eindringt und eben dadurch das Holz eher "müde" wird" ,es sei denn, du tauchst deinen Bogen in ein Fass mit Öl und lässt ihn wochenlang drin.
Ich selber benutze eine Mischung: 50% Tung, 30% Leinen, 10% Eukalyptus, 10% Orange. Das war halt im Haus, ich benutze das für meine Didgeridoos. Das dringt sogar etwas tiefer ins Holz.