Oh ja, da gibt es 100 Methoden für 90 Messer....
Aber ein paar Grundregeln gelten für alle:
1. Für die grobe Formgebung (bei völlig "verschliffenen" Flohmarkt-Teilen) oder das Herausschleifen von Scharten braucht man grobes Gerät!
Problem dabei: Die Klinge darf auf KEINEN FALL überhitzen! Sonst verliert sie die Härte!
ICH löse das Problem mit dem Bandschleifer, bei dem ich das Band vorher anfeuchte... ACHTUNG!!!: Das darf man NUR machen, wenn der Schleifer hinreichend gekapselt ist! Wasser + Strom = schlechte Kombination! Und nur mit nem Pinsel anfeuchten, es darf auf keinen Fall Wasser fließen!
2. Ein Ziehmesser hat immer eine gerade, ebene Seite und eine schräge, angeschliffene!
Richtig scharf wird es nur, wenn die gerade, die "Spiegelseite" diesem Namen auch Ehre macht! Sie wird ZUERST geschliffen und zwar zuerst - falls nötig - grob begradigt, dann immer feiner BIS KEINE Schleifriefen mehr erkennbar sind und sie wirklich spiegelglatt ist.
Erst dann kommt die andere Seite dran.
3. Die schräge Seite - die Phasenseite - kann man auf 3 Arten formen:
a) die Schräge hat einen leichten Hohlschliff
b) die Schräge ist linear, also in sich gerade
c) die Schräge ist leicht gewölbt, also "ballig"
Je nach Schliff arbeitet das Messer anders und ist für einen anderen Einsatzzweck.
a) Hohlschliff ist am empfindlichsten arbeitet aber auch am präzisesten - denn er hat den flachsten Schnittwinkel und lässt sich am leichtesten wieder zwischendurch (von Hand) nachschleifen. Er ist also für Feinarbeit und wird eher bei kleinen und mittleren Messern gemacht. Auch lassen sich Messer mit gewölbter Klinge so am besten schärfen. Das Messer wird immer mit Spiegelseite nach unten verwendet und es werden nur ganz dünne "Scheibchen" geschnitten.
b) der gerade Schliff lässt sich am besten per Schleifmaschine herstellen, er ist robust und für alle Anwendungsfälle und alle Messer geeignet. Industriell geschärfte Ziehmesser sind ab Werk immer so angeschliffen. Frei Hand ist es schwierig, gerade zu bleiben!
c) der ballige Schliff ist eine Besonderheit! Er ist robust, nicht so scharf und fein im Schnitt wie die anderen, aber:
Das Messer lässt sich besonders gut ÜBER KOPF verwenden, also mit Spiegelseite nach oben!
Dadurch kann man es besonders gut fühern und so auch welligem Verlauf oder Ästen gut folgen! Es schneidet einen besonders kleinen Radius!
Mein bevorzugtes Messer zum Bogenbau ist klein, nur 11 cm Klinge, ist von mir ballig umgeschliffen und wird fast nur über Kopf verwendet. Es geht auch durch harte Äste ohne gleich schartig zu werden und ist sehr handlich und wendig.
Nachdem die Phasenseite geformt wurde, wird bei ihr wenigsten der vorderste mm ganz glatt poliert und dann der Grat von der Spiegelseite her entfernt.
Ein gut geschliffenes Ziehmesser rasiert die Haare vom Arm.....
Rabe