Elsbeere , vom stave zum Bogen

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acker
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Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Hallo,
Ich möchte hier meine Erfahrungen zur Eignung der Elsbeere als Bogenholz niederschreiben.
Weder hier im FC noch in den anderen großen Fachforen konnte ich einen fertigen Bogen bzw Erkenntnisse zur Bogentauglichkeit finden, dieses möchte ich hiermit ändern .

Ich hatte die Ehre einen wunderschönen Halbstamm der Elsbeere ( engl : wild service tree lat [Sorbus torminalis] ) von Dirk M geschenkt zu bekommen :)
Ich habe mich sehr darüber gefreut ! Meine Frage wie ich dieses herrliche Geschenk denn wieder gutmachen kann beantwortete er schlicht , kurz in Heidjer Manier mit :

" Bau einfach einen schönen Bogen draus ! "

Nun denn, ich werde versuchen diesem Wunsch folge zu leisten und Euch an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen.

Zitat aus dem Wiki :
Das Holz der Elsbeere ist eines der härtesten europäischen Hölzer. Es ist zerstreutporig, der Kern wird normalerweise nicht farblich abgesetzt. Es arbeitet und wirft sich beim Trocknen sehr, ist zäh und gleichzeitig elastisch.

Na das liest sich doch schon einmal gut, bis auf das verwerfen, Dirk hatte den Halbstamm schon mit Entspannungsschnitten versehen und ihn in drei Kuchenstücke aufgeteilt .
Daran hat er sehr gut getan ! Als ich den Halbstamm bekam waren die Schnitte etwa 6 - 8 mm breit , nun kann man Stellenweise einen "männlichen" Finger in den Spalt stecken.
(Behaltet euer Kopfkino dort wo es hingehört.... ::) >:) )
Die Rinde ist während der Trocknung auf dem Stamm geblieben , die Enden versiegelt.

Da es in den letzten Wochen bei uns sehr warm und trocken war werde ich nun einen stave vom Kuchen abtrennen .
Die Rinde abziehen und dann den Rücken wieder versiegeln mit Schellack.
Aus Abschnitten werden Biegetests gemacht und die Dichte bestimmt , dieses ist sehr wichtig denn erst danach werde ich das Design des Bogens festlegen können.

Es ist doch immer etwas aufregendes "Neuland" zu betreten , das ruft den Geist des Entdeckers wach :)
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Moormann
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von Moormann »

Muss sagen, dass Elsbeere eines meiner Lieblingshölzer ist. Habe zwar noch keinen Bogen draus gebaut, weil ich an solch große Stücke nicht herankomme, aber für kleine Schnitzereien ist es perfekt. Lässt sich, wie ich finde gut bearbeiten und wunderschön polieren. Ist auch glaub ich immer noch das derzeit teuerste heimische Holz (fast alle Chefetagen wollen sich damit auskleiden lassen). Wenn der Bogen was wird, woran ich nicht zweifle ;) , dann wird er eine wahre Augenweide sein.
Bin gespannt :)
LG
Moormann
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eddytwobows
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von eddytwobows »

@acker...

Habe beim ersten Antesten meines Elsbeeren Stückes feststellen müssen, daß dieses Holz geradezu unanständig viele und vor allem sehr sehr dünne Ringe aufweist, die beim abtragen zudem noch äußerst schlecht bis kaum voneinander zu Unterscheiden sind... quasi schon fast ein "Blindflug" beim freilegen des Rückenringes... :)

Das allgemein harte, zähe und elastische Verhalten des Holzes kann ich bestätigen... :)

LG
etb
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acker
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Hier die ersten Ergebnisse :

Der Halbstamm :

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Der abgespaltene stave :
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acker
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Die Rinde wurde entfernt was sichtlich gut, sauber und schnell funktionierte. Zuerst ging ich es mit dem Ziehmesser an welches gut geling jedoch merkte ich das man auch längere Batzen abziehen konnte und hebelte dann den Rest der Rinde mit einem kleinem Stechbeitel runter, bzw durch hebeln und abziehen.
So habe ich einen schier verletzungsfreien Rücken erhalten.

Beim Spalten platzte seitlich ein Stück Elsbeere ab welches direkt für die Tests verwendet wurde :

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Hirnholz geschliffen und angefeuchtet :
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frischer Anschnitt und alter angedunkelter
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erstes anmessern des Holzes und der Rinde :
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dann mit dem Stechbeitel :

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so ließen sich wunderbar große Stücke anlösen und abziehen :

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fertiger Rücken und Rinde :
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Rinde :

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acker
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Damit war ich ja schon recht zufrieden , die Rinde ging sauber ohne mucken runter und ein fehlerfreier Rücken erschien.
Das Holz unter der Rinde fühlte sich trocken an, das Feuchtemessgerät spuckte Werte von 14 - 16 - 18% Restfeuchte aus im Rindenbereich.

Aus dem Reststück welches beim Spalten gewonnen wurde fertigte ich einen "Kubus" von 1,3cm Kantenlänge an und aus dem Rückenstück ein ca 30cm langes pyramidales Stück für erste Biegeversuche.
Kubus und Biegestück wurden fix in der Mikrowelle runtergetrocknet.

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Das Biegestück wurde in den Schraubstock gespannt und dann getestet.
Es wurde 20 mal um ca 6 / 7 cm ausgelenkt und dann begutachtet ob es sich schon gesetzt hat .

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Hier der Stand nach 20 mal Auszug :

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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Das sieht auch schon ganz gut aus, minimaler set welcher sicher auch durch die ungleichmäßige Form zustande kommt , der Tiller ist eben nicht "Astrein" soweit ein Top Ergebniss nach meiner Erfahrung !

So, aber nun wollen wir den doch mal zum brechen bringen >:)

Es wurde wieder einige male ausgezogen und dann bis zum brechen des Testobjektes ausgelenkt :

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Bei einer sehr starken auslenkung von fast 90° und den erkennbaren Schwachstellen ergab er sich dann seinem Leid und brach vom Rücken aus , Stauchungen waren nicht erkennbar :
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acker
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Der Dichte Test :
Da meine Feinwaage noch in der Bucht liegt und meine Küchenwaage bei so kleinen Würfeln nicht aussagekräftig genug ist wurde die Dichte mittels Wasser ermittelt.
Der geschnittene ca 13mm Kubus wurde wie oa in der Mikrowelle schnellgetrocknet und dann in ein Wasserglas gegeben .

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Das Ergebniss ist recht eindeutig, das Holz liegt in einem Dichtebereich von um 0,9... kg/dm³
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

Fazit bis Dato :

Die beschriebenen Eigenschaften des Holzes im Wiki kann ich vollauf bestätigen.
Es ist zäh , elastisch und schwer .

Es scheint sehr gut auf Zug und Druck zu reagieren.
Rückschnelleigenschaften würde ich im mittleren Bereich einsiedeln, so wie Eberesche , Hasel .

Es ließ sich an den Flanken gut messern und neigte nicht zum einreißen.

Nach meiner Erfahrung werde ich dieses Holz im Verhalten vorerst -! so einsiedeln wie Weißdorn, Flieder .

Der Testbogen wird auf 174cm Länge über alles ausgelegt.
An den fades 4cm breit dann 10cm parallel laufen um dann in die pyramidale zu wechseln auf 10mm .

Profil : leichte Linse

Beim bau wird das Gewicht des Bogens beobachtet ,er soll 50# bei 28" bekommen.
Ich denke ein reflex an den Enden wird von Nöten sein.

Das Design wird nun auf den stave übertragen und dann wird der Rohling mittels Bandsäge gewonnen .
Der Rohling wird abgespeckt und kommt ins Haus um zu trocken, der Rücken wird mit Schellack versiegelt.
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von madcala »

Sieht klasse aus!

Hätte gerne auch so eine Werkstatt wie du :S
https://t.me/pump_upp
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acker
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von acker »

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Padma
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von Padma »

Jetzt macht sich wieder Panik in mir breit! Das ist ja eine wissenschaftliche Herangehensweise! Du bist einfach Prof. Dr. A(rcus) C(onstructor) Acker.

Ich werde das hier gespannt und beeindruckt verfolgen und wir backen wirklich erst einmal kleinere Brötchen als Selfbows.
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Ravenheart
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von Ravenheart »

@Padma: Don't panic!! ;D

Acker hat genug "kleine-Brötchen-Bogen "aus der Hüfte" gebaut. Genug, um allgemeine Erfahrungen zu sammeln, genug, um mehr und mehr die Feinheiten des Holzes erspüren zu können. Wenn er es jetzt etwas "akademischer" angeht, liegt es daran, dass er über die "passt-scho"-Phase hinaus ist. Das muss man erst mal erreichen. Also genieße es, aber lass Dich davon nicht erschrecken.
Für die ersten 100 ist das SO nicht nötig! ;)

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Padma
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von Padma »

Aaaah, man wird nur so nach mehreren 100 Bögen....
Ich strenge mich an, mich nicht abschrecken zu lassen...
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Ravenheart
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Re: Elsbeere , vom stave zum Bogen

Beitrag von Ravenheart »

...ja sicher! Die reine Erkenntnis:
...recht eindeutig, das Holz liegt in einem Dichtebereich von um 0,9... kg/dm³
Nützt Dir GAR NIX ohne das Wissen
a) Is das nu viel?
b) Was heißt das für das Bogendesign? Und
c) wie setze ich das um?

;)

Rabe
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