Ein paar Fragen

Themen zum Bogenbau
Kadano
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Ein paar Fragen

Beitrag von Kadano »

Hallo!
Tut mir leid, die Fragen wurden wahrscheinlich schon gestellt aber die Threads die ich gefunden hab hatten entweder zu viele Begriffe die ich nicht kannte oder haben meine Fragen nicht eindeutig beantwortet. Falls ihr Threads mit Antworten auf meine Fragen kennt freue ich mich wenn ihr mir die Links sagt!
Also:
1.Ich habe verstanden dass es bei Eibe nicht nur um den Feuchtigkeitsgehalt bei der Lagerung geht sondern auch um Prozesse im Holz die die Leistung steigern und lange brauchen. Geht dieser Prozess wie die Trocknung von außen nach innen dh. könnte man ihn beschleunigen indem man die Rohlingsmaße verringert? Ich habe Eibenstämme die ich von den ehem. Besitzern gratis geschenkt bekommen hab. Sie sind dort etwa 5 Jahre gelegen, allerdings draußen im Freien und recht feucht. Ist dieser Prozess bei ihnen schon abgeschlossen?
2. Warum ist es so Tradition dass man am Bogenrücken einen einzigen Jahresring lässt und decrowned diese nicht(was ich bis jetzt getan habe)? In der Bibel des traditinellen Bogenbaus(warum kürzt ihr die eigentlich TBB und nicht BTB ab?)steht dass 2 Bögen von denen der eine stehende und der andere liegende Jahresringe hat unterscheiden sich in der Leistung um 10%. Durch das Decrowning würde doch die Belastungsverteilung gleichmäßiger werden und die höchstens 3% Nachteil der angeschnittenen Jahresringe locker ausgleichen?
3.Kantaktrecurves schiessen schneller als gerade Bögen aber mit zunehmender Kontaktlänge auch ungenauer- stimmt das so?
Das war´s derweil
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Indiaman
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Beitrag von Indiaman »

TBB steht vermutlich für "Traditional Bowyers Bible"

Gruß,
Indie
MaNa
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Beitrag von MaNa »

Hallo,

ich bin zwar auch erst Neuling, werde trotzdem versuchen dir zu helfen. ICh hoffe ich sag nichts falsches.

zu 1.) Wenn der Stave schon 5 Jahre draußen lag und jetzt etwas feucht ist, dann denke ich, dass er schon morsch sein muss? Wenn nicht, kannst du ihn auf Bogenmaße bringen (+0,5 bis 1cm). Und langsam trocknen lassen ;-)

zu 2. kann ich dir leider nichts sagen.
de sagittis Hungarorum libera nos, domine
benz

Beitrag von benz »

Hallo Kadano,

wie dick sind die Stämme? Hast Du sie schon gespalten? Wie groß ist der Splintholzanteil?

Tja nur Gegenfragen, mist gell? :D

liebe Grüße benzi
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

wg. unbekannte Begriffe:
Schau mal links im Menü unter "Specials", da gibt es ein Lexikon! Da hat sich jemand die Mühe gemacht, fast 500 Fachbegriffe zusammen zu tragen und zu erläutern... TBB is auch drin...
;-)

wg. Eibe nass gelagert:
Nein, die Aushärtung beginnt erst mit der Trocknung. Sonst wäre ein 5 Jahre alter Holzring ja bereits "fertig gelagert", man müsste bei jedem Baum nur die ersten 5 Ringe abtragen und hätte abgelagertes Holz! So ist es aber leider nicht...
:o

wg. Kontakt-Recurves:
Woher stammt die These? Scheint mit unlogisch, denn wenn es wahr wäre, würden die olympischen Bogenschützen ja wohl Langbogen, oder zumindest nur Recurves mit ganz kurzen Kurven schießen... Sieht aber nicht so aus!
Unzweifelhaft werden die Anforderungen an die Präzision des BogenBAUERS immer größer, je stärker die Recurves sich "aufrollen", denn je weiter das WA-Ende nach vorne geht, desto stärker wirken sich auch minimale Abweichungen von der Achse aus - weil der Hebel immer länger wird! Ob man daher aber schon generell sagen kann: "Alle Recurves ziehen schief, um so mehr, je länger der Rec.-Bereich ist" möchte ich doch mal bis zum Beweis bezweifeln!
8-|

Wg. Decrowning:
Bessere Lastverteilung heißt ja nicht mehr Leistung - im Gegenteil! Es bringt nur mehr Sicherheit, WENN es richtig gemacht wurde (der Faser gefolgt, Ringe seitlich durchlaufend). So lange aber das Holz die Last ohne zu brechen aushält, spricht nichts gegen einen unverletzten Rückenring!
Außerdem ist es wesentlich weniger Arbeit! Im Idealfall ist der erste Ring unter der Borke schon brauchbar - Borke ab, Rücken fertig! Wenn Du noch am Decrownen bist, geh ich schon zum Einschießen...
8-)

Rabe
Der Bootsbauer
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Beitrag von Der Bootsbauer »

Je schneller und kürzer ein Bogen ist, desto weniger Fehler verzeiht er, das heißt aber nicht, daß der Bogen ungenauer ist, sondern nur der Schütze, wenn er nicht trifft. ;-)
Kadano
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Beitrag von Kadano »

Nun, ich dachte eig. dass das so in der TBB steht("ein Recurve bringt den Vorteil höherer Pfeilgeschwindigkeit aber niedrigere Zielgenauigkeit")aber da muss ich was falsch verstanden haben. Ich hatte es mir so erklärt dass die Bogenlänge eines Recurve ja im gespannten Zustand niedriger ist als bei einem Langbogen und Tim Baker ja geschrieben hat dass einen höhere Bogenlänge mehr Genauigkeit bringt(beim Abschuss hat der Bogen ja wieder Standhöhen- Länge) aber anscheinend kommt es eher auf die Länge im voll ausgezogenen Zustand an, oder?
Die Eibenstämme hatten einen Durchmesser von etwa 30bzw. 25cm, da der eine Teil der oberen Stammhälfte war und der andere Teil der unteren.
Sie wurden beide draußen im Freien gelagert und es war ein wenig Laub auf ihnen also denke ich schon dass sie so bis 15-20% getrocknet sind.
Und wegen Decrowning: Ich meinte eigentlich Holz bei dem man den 1. Jahresring NICHT verwenden kann(in der TBB wird gezeigt wie jemand aus Osage den äußersten Kernholzring für einen Bogen freilegt und ihn nicht decrowned).
Und was meinst du mit "seitlich auslaufend? Ich hab die Bögen immer so gemacht dass in der Mitte ein Spätring war und zur Seite hin jüngere Jahresringe zu sehen waren, durch die pyramidale Form waren die äußersten Jahresringe jedoch zwangsläufig irgendwann diagonal angeschnitten, deshalb hab ich dort die Ecken des Bogenrückens leicht abgerundet um das Holz zu schonen.
benz

Beitrag von benz »

Ich bin sehr neugierig darauf, ob Eibe die 5 Jahre draußen gelagert war noch bogentaugliches Holz ergibt, besonders was das Splintholz angeht. Ich kann es mir nicht vorstellen.......

Berichte bitte von Deinen Erfahrungen.

liebe Grüße benzi
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Ravenheart
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RE:

Beitrag von Ravenheart »

Original geschrieben von Kadano

Und was meinst du mit "seitlich auslaufend? Ich hab die Bögen immer so gemacht dass in der Mitte ein Spätring war und zur Seite hin jüngere Jahresringe zu sehen waren, durch die pyramidale Form waren die äußersten Jahresringe jedoch zwangsläufig irgendwann diagonal angeschnitten, deshalb hab ich dort die Ecken des Bogenrückens leicht abgerundet um das Holz zu schonen.
Ja, das war dann eigentlich genau falsch! Freu Dich, wenn's gut gegangen ist, - muss aber nicht!

Richtig wäre, wenn der Ring, der in der Mitte entfernt wird, aber am Rand bleibt, so am Rand auch bis zum Bogenende durch geht! Das erfordert natürlich, dass man zum Ende hin immer WENIGER oben abträgt - macht ja aber nix, wird ja auch schmaler!

Grund: Ein Ring spaltet sich viel eher vom anderen Ring ab, als dass er das INNERHALB des Ringes tut!

Rabe

(Hinweis: Skizze entfernt, wurde durch das (bessere) Bild unten ersetzt!)
Kadano
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Beitrag von Kadano »

Also das verwirrt mich jetzt
In der TBB wars genau andersrum gezeigt?!?
Auf Seite 33 des 2.Bands sieht man einen decrownten Osagebogen bei dem wie bei meinen Bögen in der Mitte ein Spätring ist und die jüngeren parallel dazu nach außen.
Außerdem wenn man einen Bogen so wie du gesagt bauen würde und anschließend von den Nocken ausgehend die seitl. Wurfarmteile wegspalten würde so dass der bogen vom Griff bis zur Nocke gleichbreit wäre würde man ja sehen dass die Jahresringe vom Rücken zum Bauch verlaufen was doch sehr schlecht ist?(so stehts zumindest in TBB2 Seite 41)
Und die Eibe hatte im Splint zwart einige graue Flecken das Kernholz ist jedoch vollkemmen unbeschädigt
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

Hmmm, ich glaube, Du hast die Skizze falsch verstanden - oder ich verstehe Dich nicht!

Im oberen Teil des Bildes wird der Stave (halbierter Stamm) gezeigt, der decrowned wird, also ein Teil der OBEREN Rundung wird bei der roten Linie weggeschnitten. Übrig bleibt der Teil UNTER der roten Linie.

Der untere Teil der Skizze zeigt die Draufsicht auf den verbliebenen Wurfarm, also die Rückenansicht.

Rabe

Nachtrag: Habe beide Varianten noch mal 3D gezeichnet:

Bild
Kadano
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Beitrag von Kadano »

danke für die hübschen bilder aber ich habs eh verstanden und weiß auch dass das problem bei meinen bögen die kanten sind, dazu hat baker(glaub ich) aber gesagt dass man hier einfach die kanten ein wenig abrunden soll da ja sonst nirgends die fasern durchtrennt werden.
und wenn ich einen fertigen undecrownten bogen habe und ihn dann decrowne wird er doch so wie der linke (bei mir) und nicht so wie "dein" rechter?!?
hoffe ich versteh dass irgendwann aber derweil versteh ich überhaupt nicht.
Bild
1 soll der bogenrücken sein wie dus beschrieben hast
2 die seite
bei 3 hab ich den wurfarm gleichmäßig abgehackt und man sieht hier den bogen rücken.
4 soll die seite sein. genauso verhält es sich ja eig. auch im 1- zustand, bis darauf dass man es nicht sieht. und in TBB 2 seite 41 csteht ja dass so etwas nur ca. 60% so haltbar und sicher ist wie bei geradem faserverlauf?!?
was ich meine ist dass der bogen ja schräg aus dem baum gesägt ist! und in der TBB steht dass das so schlecht sein soll...
na ja ich freu mich schon darauf wenn ich das endlich verstehen werd^^
Kadano
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Beitrag von Kadano »

ähm tut mir leid dass das bild so klein ist

>Link zum Bild<






[royalblue](edit: übergroßes Bild in Link gewandelt! Rabe)[/royalblue]
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Ravenheart
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Beitrag von Ravenheart »

Richtig! Wenn man einen bereits FERTIGEN Bogen decrowned, kommt genau das raus, was bei mir rechts, bei Dir 1 ist!

Aber wer macht das schon?
:o

In der Regel stellt man ja ERST den Rücken her, und arbeitet dann die Dicke heraus. Und da muss man halt schon beim Dercrownen den fertigen Bogen im Hinterkopf haben, sonst kommt da eben einer wie bei mir links raus, und das wäre riskant! (Zumindest ohne Backing!)
Abrunden hilft da auch nicht viel... entschärft das Problem bloß etwas...

Rabe
Kadano
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Beitrag von Kadano »

Mein Bild sollte nur bedeuten dass in der Wurfarmmitte ja die Jahresring schräg vom Rücken zum Bauch verlaufen und Tim Baker hat in TBB2 Seite 41 geschrieben dass das Holz dann nur 60% so viel belastet werden könnte.
Also so wie ich das jetzt sehe sind bei deinem Bogennrücken die Seiten viel weniger bruchgefährdet weil sie ja im Gegensatz zu "meinem" Design einem Jahresring folgen jedoch ist die Wurfarmmitte mehr gefährdet weil hier die Ringe ja durchtrennt sind.
Ich weiß dass in diesem Absatz irgendein Fehler ist aber ich komme einfach nicht dahinter was ich falsch sage...
erstes bild:

>Link zum Bild<

Das soll einen Bogen mit stehenden Jahresringen darstellen. Den würde man doch auch nicht so wie du gesgt hast "schräg" aus dem Baum schneiden obwohl er decrowned ist. Wenn ich diesen Bogen nun um 90 Grad drehe so dass er liegende Jahresringe hätte würde er ja nach deiner Beschreibung schlechter werden?!?
^da ist das 2. Bild: (:bravseiundlinkangeb:)
http://img142.imageshack.us/img142/5664 ... ng3sl2.png
Der Querschnitt rechts oben ist der nahe des Wurfarms und der links unten bei den nocken
So wie ich das seh ist meiner an der Seite des Rückens gefährdet und deiner in der Mitte des Rückens(Seitenquerschnitt:rotbraun, Linie nach der sich der Bogen dann biegt schwarz dargestellt)
Ich freu mich schon drauf wenn ich das endlich versteh^_^


[royalblue](edit: Schon wieder zu großes Bild! Rabe)[/royalblue]
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