da es mit den oben genannten Begrifflichkeiten ja immer wieder Probleme zu geben scheint, dachte ich mir, ich erklär es mal einigermaßen verständlich.
Die Frage taucht ja recht regelmäßig auf, und immer alles wieder aufs neue zu erklären, ist ja auf Dauer auch Recht mühselig


Zug-/Druckfestigkeit:
(Auch Zug-; bzw. Druckstärke genannt)
Die Zug-/Druckfestigkeit beschreibt, wie groß die benötigte Kraft ist, um ein gewisses Material um eine bestimmte Länge zu dehnen, bzw. zu komprimieren.
Klingt schön und gut, kapierten tuts aber nicht jeder. Keine Angst, ging mir auch mal so

Veranschaulichen wir das Ganze mal mit einem Beispiel:
Wir nehmen zwei gleich bemessene Körper, einmal aus Gummi, einmal aus Plexiglas.
Nun biegen wir das Ganze, d.h. der entsprechende Stoff wird an der Rückseite gedehnt und an der Unterseite gestaucht.
Was geht nun schwerer zu biegen?
Natürlich das Plexiglas.
Das liegt daran, dass es wesentlich druckfester und zugfester als der Gummi ist, man benötigt viel mehr Kraft, um es am Rücken zu dehnen und auf der Unterseite zu stauchen.
Der Gummi dagegen ist wesentlich weniger zugstark,bzw. druckstark, als benötigen wir sehr viel weniger Kraft.
Klar soweit?
Gut.
Nun biegen wir beide Stoffe, soweit wir können. Der Gummi wird wohl relativ unbeeindruckt bleiben, das Plexiglas wird sich dagegen recht schnell mit einem lauten "Peng!" in das jenseits verabschieden.
Aber dabei ist es doch sehr viel druck- und zugstärker als der Gummi? Weshalb bricht es bei einer viel geringeren Auslenkung?

Das liegt an dem nächsten Thema, der:
Druck-/Zugtoleranz
Die Zug-/Drucktoleranz beschreibt, wie weit ein Stoff komprimiert, bzw. gedehnt werden kann, ohne irreversible geschädigt zu werden, d.h. eine umunkehrbare Zerstörung der Zellstruktur zu erfahren (bei Holz wäre dies der Bruch am Rücken, bzw. Knitterfalten am Bauch).
Wieder so ein toller, von Fachtherminologie geprägter Satz, den nur die Hälfte kapiert.

Nehmen wir mal wieder unser Beispiel mit Gummi und Plexiglas.
Das Plexiglas benötigt zwar eine hohe äußere Krafteinwirkung, um gebogen zu werden, toleriert aber nur eine sehr geringe Dehnung, bzw. Stauchung. Bei Überschreiten dieser kollabiert die Struktur des Stoffes, und das Ding fliegt einem um die Ohren.
Der Gummi, obwohl er nur sehr wenig Kraft benötigt, um gestaucht und gedehnt zu werden, verträgt auch eine sehr große Dehnung, bzw. Stauchung, bevor er den Geist aufgibt.
Deswegen flitscht der brav in seine Form zurück, wo uns das Plexiglas schon zehnmal ins Gesicht gesprungen ist.
Rekapitulieren wir einmal:
Druck-, bzw. Zugfestigkeit: Wie stark muss ich drücken?
Druck-, bzw. Zugtoleranz: Wie weit kann ich drücken (ohne das Ding kaputt zu machen)?
Aber da wir hier nicht in einem Physik-, sondern in einem Bogenbauforum sind:
Was bedeutet das jetzt für mein Bogenholz?
Optimal ist, wenn sowohl Zug- und Druckfestigkeit, als auch -toleranz in etwa gleich hoch sind.
Da wird weder der Bauch vom Rücken zusammengequetscht, noch wird der Rücken übermäßig gedehnt.
Zudem geben beide etwa gleichzeitig auf. Kommt man nicht bis zu diesem Punkt ist alles gut, toller Bogen.
Leider kommt sowas in der Natur aber nur sehr selten vor.
Dementsprechend muss man immer etwas gegenarbeiten:
-sind Zug- und Drucktoleranz hoch, die -festigkeit aber sehr niedrig, wird der Bogen etwas dicker, um dennoch den nötigen Druck aufzubauen.
-sind Druck- und Zugfestigkeit sehr hoch, die -toleranz aber niedrig, ist es generell weniger geeignet. Entweder man baut sehr breit und flach, oder man kloppt es in die Tonne, da es schön bei einer sehr geringen Auslenkung bricht.
-Sind Drucktoleranz und Druckfestigkeit hoch und die Zugtoleranz und - festigkeit niedrig (bzw. umgekehrt, Zugtoleranz und -festigkeit hoch und Druckfestigkeit und -toleranz niedrig), ist das auch semioptimal.
Der Bauch, der eigentlich sehr weit zusammengestaucht werden kann, tut nix, und der Rücken, der eh nix verträgt, wird gnadenlos langgestreckt (oder eben andersrum). Solche Hölzer benötigen oftmal einen Trapezförmigen Querschnitt (mehr Holz an Rücken, bzw. Bauch) oder ein Facing/Backing.
-usw.....
Ich hoffe, dem ein oder anderen ist es nun ein wenig klarer geworden, wie es sich mit diesem ominösen Begriffen verhält und welch simpler Gedanke eigentlich dahintersteckt

Gruß
Benedikt