Knochenspitze herstellen.... ??

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Tower
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Knochenspitze herstellen.... ??

Beitrag von Tower »

Hallo,

kann mir jemand Hinweise zur Herstellung von Knochenspitzen geben. Es geht mir um solche Spitzen wie in der Abbildung gezeigt, bzw. wie normale Klebespitzen aber aus Knochen. Dachte dabei schon an einen Kranzbohrer der aus einem großen Knochen eine Art Dübel ausbohrt, der dann an einem Ende ausgebohrt wird um den Pfeil zu halten und am anderen Ende angespitzt wird. Aber wo bekomme ich einen Karanzboher her der ca. 9mm "Dübel" bohrt ???
Diese Spitzen werden hauptsächlich zum traditionellen Clout-Schiessen verwendet. Da ist eine leichte aber wiederstandsfähige Spitze sehr wichtig.

Bild

J.R:
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horsebow
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Beitrag von horsebow »

@Tower: ist das Knochen auf dem Bild? Auf meinem Monitor sieht's eher aus wie Messing...

Mein Tip, wenn Du nicht gerade hunderte von Spitzen brauchst: Handarbeit!
Beim Schlachthof oder Metzger Rinderschienbein- oder -oberschenkelknochen besorgen (Schienbein hat einen eher dreieckigen Querschnitt und ergibt bein Zuschnitt eher plane Stücke, die sich übrigens auch für Blattspitzen oder Messergriffschalen eignen...), mit der Säge in etwa 5cm lange Stücke sägen und ca 1/2 - 1 Stunde in Wasser mit Natron (aus der Apotheke, ca 1/2 Teelöffel pro Liter) kochen. Vorsicht, kocht gerne über! Alternativ 2 - 3 Waschgänge im Besteckfach der Geschirrspülmaschine. Danach ist der Knochen gebleicht und ausreichend entfettet. Jetzt mit der Säge Streifen mit annähernd quadratischem Querschnitt zurechtsägen, mit einer Feile oder grobem Sandpapier (auf eine Leiste geklebt) annähernd rund schleifen, in das Dreibackenfutter der Bohrmaschine einspannen und mit Schleifpapier mit feiner werdender Körnung in die endgültige Form "drehen". Zur Befestigung am Schaft entweder einspleißen (so wie die Hornnocke rechts auf Deinem Bild) oder eine flache Schaftzunge sägen/schleifen, einen Schlitz in den Schaft sägen und mit Epoxy einkleben, anschließend wickeln.

Gruß, horsebow
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Tower
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Beitrag von Tower »

@ horsebow:
Die linke Spitze ist aus Messing, die andere aus Horn. Sollte nur als Beispiel dienen, da ich eigentlich die gesteckte Variante ähnlich der bekannten Klebespitzen, bevorzugen würde (wie die Messing Abbildung). Das eingägen der Schäfte in dreiscksform ist mir zu viel Arbeit.

Das mit der Geschirrspülmaschine ist ein guter Tipp, sonst koche ich die Dinger stunden lang aus und packe sie bei ca. 135 Grad in den Backofen.

Besten Dank für den Hinweis.
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horsebow
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Beitrag von horsebow »

Das Problem beim konischen Anbohren wird wohl sein, absolut zentrisch zu bohren, damit die Spitze keine Unwucht kriegt.Das ist mit Heimwerkermitteln sicher nicht einfach hinzukriegen. Ich denke, die Spitze einzuspleißen ist da einfacher, man könnte den Schlitz beispielsweise mit einer Messerfeile (heißt das so?) mit dreieckigem Querschnitt herstellen, dann hat er immer den gleichen Winkel.

Gruß, horsebow
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Tower
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Beitrag von Tower »

Mir fällt da gerade mein alter Kumpel Winni ein, der ist stolzer Besitzer einer Drehbank. Wenn man das Rohmaterial als nahezu quadratisches Stäbe in die Drehbank spannt, kann man das sicher hinbekommen.
Kennt sich jemand mit Drehbänken oder Drechselmaschinen aus??
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Jackold29
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Knochenspitzen

Beitrag von Jackold29 »

Hallo Tower,

habe eine kleine Drehbank in meinem Keller stehen und drehe teilweise meine Spitzen selber aus Messing. Bin also somit im Drehen von Stahl recht fit.
Bin aber der Meinung das Knochen schiergar etwas zu spröde sind und recht ekelhaftig zum bearbeiten sind, habe schonmal Messergriff aus einem Rinderknochen gemacht und dann beschlossen, daß ich das das letzte mal gemacht habe. Sauerei ohne Ende im Keller. Bervozugtes Material von mir wäre Horn und dann auch einspleisen und kleben (Uhu endfest 3000)
Ich glaube ich werde das nacher mal in meinem Keller probieren und werde dann nochmals bericht erstatten :)

Grüße Jack
Mit erbaulichen Gr??en

Jack

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Mein Keller hat was ausgespuckt !!!

Beitrag von Jackold29 »

Hallo Tower,

mein Keller hat soeben zwei Hornspitzen ausgespuckt:
Spitze 1 ist gespleist und nun meine Erfahrungen dazu:
Sehr aufwendige Art zur Herstellung aber durchaus möglich. Allerdings würde ich beim nächsten mal hergehen und den Spleis gerade andersrum machen(Hornspitze hat den Einschnitt und Pfeilschaft wird angespitzt, hat den Vorteil dass wenn Steine im Boden sind oder der Untergrund recht hart ist, daß der Pfeil nicht springt. Optisch muß ich natürlich gestehen ist das die weitaus bessere Variante :)
Spitze 2
Das gemeine ist ich habe wie schon zuvor geschrieben eine Drehbank im Keller stehen und kann damit umgehen. Habe aber zum Trost auch eine Möglichkeit gefunden wie es auch ohne Drehbank geht:
Benötigte Materialien sind: 1 altes Sägeblatt aus einer Stahlbügelsäge, Flex, Boihrmaschine, Bohrer 6,5, und Schleifpapier.
Als erstes das Stück Horn grob rund feilen, schleifen... auf 11/32" geht zur not auch in der Bohrmaschine mit einer Feile und Schmirgelleinwand. Dann die gewünschte Spitzenform mit der Feile aufziehen und nachpolieren. Von der anderen Seite das Hornstück mit einer Bohrung Durchm. 6,5 und Bohrtiefe 20mm versehen.
Aus dem alten Stahlsägeblatt habe ich mir dann mit einer Flex das Negativ zum Innenkonus geschliffen(Einfach solange mit der Flex schleifen, bis sie in eine gekaufte Spitze sauber reinpasst)
Dann wieder das Hornstück in die Bohrmaschine einspannen und mit dem Zugeschliffenen Sägeplatt den Innenkonus ausschaben.
Spitze von ausen polieren und fertig.
Für beide Spitzen habe ich ca 2Stunden gebraucht, geht also recht flott (Bild anbei)
Bild

Viel Spaß beim Arbeiten, hoffe ich konte dir helfen.

Grüße Jack
Mit erbaulichen Gr??en

Jack

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Beitrag von locksley »

Schöne und schnelle Arbeit Jack.:-o
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Beitrag von Tower »

@ Jackold29:

Wow, das nenne ich eine gute Beschreibung und auch eine gute Arbeit. Werde das nun mal ohne Drehbank in die Tat umsetzen. Lasse Dich wissen wie weit ich damit gekommen bin.

Besten Dank!

J.R.
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Beitrag von Jackold29 »

:o feut mich wenn ich Dir helfen konnte.
Bin schon auf das Ergebniss gespannt wie Flitzebogen.

Grüße Jack
Mit erbaulichen Gr??en

Jack

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Versuch macht kluch

Beitrag von Archiv »

Hallo zusammen,

ich will ja ende Juli mit einer Schulklasse Pfeile herstellen. Da ich es bis dahin vermutlich nicht gelernt haben werden Steinspitzen herzustellen, soll sie aus Knochen werden.

Folgende Beobachtung zuerst:

ein Hund kann einen rohen Knochen anders kauen, als einen gekochten

offenbar haben alle die Versuche mit Spitzen gemacht haben, diese vorher gekocht

Es gibt ja aber andere Möglichkeiten (Ameisen, Speckkäfer) die Knochen sauber zu bekommen.

Nun die Frage:

wie könnte ich die Tauglichkeit von Knochenspitzen im Vergleich testen? Was sind die optimalen Eigenschaften für den Knochen in Bezug auf Härte? wie könnte ich diese Eigenschaften einmal mit gekochten und einmal mit rohen Knochen testen?

danke und liebe Grüße benzi
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Beitrag von Peter O. Stecher »

Benz, meiner Meinung nach waren die Knochenspitzen immer "ungekocht" , beim Kochen wird der knocheneigene Kleber ausgekocht und die Knochen werden sicher poröser. Einen Röhrenknochen sauber zu kriegen ist nicht so ein Problem. Man kann Knochen auch in/neben einem Ameisenhaufen (in einem Käfig o.ä.) eingraben. Die lieben Kleinen putzen die Beine schön sauber und freuen sich. Und Ameisen sind nicht so eklig wie Käfer oder solche. Der Käfig dient dazu, Füchse oder Wildschweine vom Objekt abzuhalten. Ich hab einmal einen Wildschweinschädel, mit wundervoll eingebettetem Broadhead, neben einem Ameisenhaufen gelegt, durch die Augenhöhle mit einem 2mm verzinktem Draht gesichert - nach einer Wo. war der Schädel weg...:-( Dadurch müsst ihr auf ein weiters greuliches Bild verzichten.:)
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RE:

Beitrag von Archiv »

Original geschrieben von Negley

Benz, meiner Meinung nach waren die Knochenspitzen immer "ungekocht" , beim Kochen wird der knocheneigene Kleber ausgekocht und die Knochen werden sicher poröser.... Man kann Knochen auch in/neben einem Ameisenhaufen (in einem Käfig o.ä.) eingraben. Die lieben Kleinen putzen die Beine schön sauber und freuen sich. Und Ameisen sind nicht so eklig wie Käfer oder solche. Der Käfig dient dazu, Füchse oder Wildschweine vom Objekt abzuhalten.
danke alter Feuerwasserverkäufer, aber erzähl doch einem "Indianer" nichts über Ameisen und Käfer :D :bussi

Ich seh das mit ´ungekocht´ genau wie Du. Da aber selbst Friedrich Seeberger ("Steinzeit selbst erleben"), die Knochen 30 min kocht, wollte ich halt einen Versuch machen.

Die Frage ist, wie kann ich die Qualität prüfen? Ich kann sie schlecht gegen ne Betonmauer schießen, ich vermute mal da sind sie beide hin. Gibts nichts lustiges in dieser Art bei Deinen Freunden aus den 60er Jahren?

liebe Grüße benzi
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Peter O. Stecher
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Beitrag von Peter O. Stecher »

Benz,

ich kann mich in die Richtung einmal informieren. Ich meine aber dass Knochenspitzen ausschließlich dort verwendet wurden wo es an vernünftigem Material (Flint, Obsidian, Stahl) mangelte. Knochenspitzen (Jagd) sind sicher schwer scharf zu halten/bekommen. Ich kann mir höchstens scharfe Röhrenknochen oder Schulterblatt - Stücke vorstellen.
Ich vermute auch dass bei Kukturen die bessere Materialien kannten, Knochen z.B. für die Harpunenherstellung verwendet wurden, ein Widerhaken ist sicher aus Knochen leichter zu schnitzen als aus z.B. Obsidian..

Die Grundsatzfrage ist, was willst Du mit den Spitzen machen ? Bzw. was willst Du testen, die Penetration, die Stabilität...
Oder willst Du sie vergleichend mit anderen Spitzen (Eisen, Stein) testen?

P.S.: Verlass Dich auf Feuerwasser- Negley, nicht auf Archäologieknochendreissigminutenkocher
:D
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RE:

Beitrag von Archiv »

Original geschrieben von Negley

Bzw. was willst Du testen, die Penetration, die Stabilität...
Oder willst Du sie vergleichend mit anderen Spitzen (Eisen, Stein) testen?
Ich will ausschließlich testen, ob gekochte oder rohe Knochen besser geeignet sind.

liebe Grüße benzi
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