Hallo
Ich gebe mal meine Senf mit dazu.
Erstens: Stahl ist kein Baum oder sonst eine Pflanze und hat somit keine Fasern! Das mit den Fasern, Faserverlauf habe ich während meiner Lehre auch mal so gelernt aber das stimmt nicht. Stahl ist ein Metall welches Eisen, Kohlenstoff und sonstige andere Elemente beinhaltet (Karbide, andere Legierunsgelemente etc.)
Durch walzen oder andere mechanische Bearbeitung können sich die Kristalle und Einschlüsse in der Gefügestruktur in eine Richtung ausrichten, das nennt man Zeiligkeit. Die Stahlhersteller gleichen dies allerdings wieder durch Wärmebehandlung aus - normalisieren eben.
https://www.messerforum.net/showthread. ... lzrichtung ist hier gut erklärt im Beitrag #5 etwa die untere Hälfte.
Deine Netzfundstücke beziehen sich auch große Werkstücke mit starken Änderungen der Formrichtung. Das trifft auf Messer alles eher nicht zu. Du kannst eine geschmiedete Kurbel- oder Generatorwelle nicht mit einem Messer vergleichen.
So jetzt zu Messern. Moderne Messerstähle die Du im Handel kaufen kannst sind i.d.R alle normalisiert und haben ein "optimales" Gefüge (theoretisch, natürlich haben auch die Stahlwerke Qualitätsschwankungen). Bei Pulvermetallurischen Stählen siehst Du im Schliffbild nur eine homogene Kornstruktur.
Schmieden hat seine Vorteile (das sage ich jetzt als nicht Schmied):
- Mehr gestalterische Freiheiten. Das reicht von der allgemeinen Formgebung bist zur Damastherstellung
- Materialersparniss, ich kann durch umformen mit weniger Ausgangsmaterial arbeiten verglichen mit zerspanen. Schau Dir mal auf You-Tube die Videos der Fa. Güde an. Der erste Spaltling ist recht klein verglichen mit dem Endprodukt.
- Mehr Auswahl an Stählen. Es gibt nicht alle Stähle als Flachmaterial. Einige werden nur als Stäbe angeboten da fange ich als Stock remover nichts mit an. Ein Schmied kann auch auf Stähle wie alte Autofedern zurückgreifen, das kann ich auch nicht.
- Schmieden macht Spaß.
Auch Stock-removal hat Vorteile:
- Meine Werkstatt ist im Keller eines Mehrfamilienhauses, ich kann da nicht schmieden auch wenn ich es noch so wollte. Die Esse und einen Amboss dann jedes mal im Garten auf und ab zu bauen ist mir zu viel Aufwand.
- Ich kann mit einfachen Mitteln ein Messer machen, es gibt noch Messermacher die Ihre Messer feilen und allerhöchstens eine Bohrmaschine verwenden.
- Weniger Fertigungsfehler. Ich war neulich bei Spaßmacher zu Hause und er hat mir 2 geschmiedete Klingen gezeigt. Eine Klinge war eine Steckerlklinge die im Erl einen Längsriss hatte. Und nicht jeder der schmiedet kann das auch.
Bei richtiger Wärmebehandlung gibt es meiner Meinung nach keine qualitativen Unterschiede zwischen einem geschmiedeten und einen im Stock-removal hergestellten Messer.
Wenn Du hierzu nachlesen willst: Roman Landes: Messerklingen und Stahl. Wobei der Author nicht auf die Unterschiede Schmieden vs, Stock removal eingeht, eben weil diese bei Messern keine Rolle spielen.
Gruß
Roland
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- Ancora Imparo