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Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 14:05
von Wolfric
Ich liebe ja alte Fertigungsweisen....
Hat hier jemand Erfahrung oder Wissen über mittelalterlichen Kleber zum Befestigen von Federn auf Kriegspfeilen?
Ich habe mal irgendwo aufgeschnappt, dass man dazu eine Mischung aus Grünspan + Bienenwachs + Lärchenterpentin verwendet hat.
Kennt das hier jemand?
Wie immer habt Dank!
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 14:25
von benzi
Ohne geschichtliches Hintergrund Wissen, eher als Imker, weil Du Bienenwachs geschrieben hast, und ich gerade von den Bienen komme..

der Klebstoff bei den Bienen ist Propolis... Ich habe damit auch schon kleine Schmuckstücke geklebt, das Terpentin scheint mir das Lösungsmittel zu sein, bleibt die Frage nach der Funktion des Grünspan...

Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 15:19
von Wolfric
Jetzt habe ich gerade nochmal online geguckt und dieses Video gefunden.... er nimmt dort
Kiefernharz, Kupferacetat und Bienenwachs.... aber den Ansatz finde ich auch sehr interessant. Muss ich mal probieren.
https://www.youtube.com/watch?v=Zd8shBqmvyE
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 16:32
von Neumi
Geklebt wurden die Federn mit Glutinleim, also höchstwahrscheinlich Hautleim.
Das Verdigris dient zur Versiegelung der Wicklung - warum genau ist ungeklärt. Auf alle Fälle ist es nicht besonders gut zum kleben der Federn geeignet.
Grüße - Neumi
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 16:48
von benzi
Naja, jeder bei dem dieser durchgewickelte Faden schon mal gerissen ist, der weiß wie doof das ist, eigentlich hält die Befiederung noch, aber der Faden muss erneuert werden, deswegen macht die Versiegelung des Fadens aus meiner Sicht großen Sinn...

Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 17:14
von Anasazi
Das Kupfer (Grünspan, Kupferacetat) hält Gammel, Schimmel und Mikroben etwas auf und erhöht wahrscheinlich die Lebensdauer der Befiederungswicklung / Befiederung bei feuchten Witterungsverhältnissen (Sehnenwachs genauso wie Schusterpech besteht aus Bienenwachs und Baumharz (oft von der Kiefer))
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 20:49
von Neumi
Anasazi hat geschrieben: ↑28.08.2024, 17:14
Das Kupfer (Grünspan, Kupferacetat) hält Gammel, Schimmel und Mikroben etwas auf und erhöht wahrscheinlich die Lebensdauer der Befiederungswicklung / Befiederung bei feuchten Witterungsverhältnissen
Der Wicklung ganz bestimmt, der Befiederung (Federäste) kann ich mir nicht vorstellen. Aber was sicher durch das Verdigris vor allen möglichen negativen Umwelt-Einflüssen geschützt wird, ist der Hautleim der Federklebung.
Und ja, sicher ist die Wicklung auch vorm zerreißen durch Bogenkontakt geschützt, zumindest reißt die Wicklung nicht mehr so leicht wie ohne Verdigris. Dafür bräuchte es aber kein Kupfer.
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 28.08.2024, 21:01
von Anasazi
Ob jetzt Kupferverbindungen auch gegen Insekten wie Motten helfen, da bin ich überfragt?
In dem Video waren die Rollen Sehnengarn ( Dacron , Fastflight +), der Sekundenkleber für das Ende der Wicklung und der Epoxy für die Spitzen etwas unpassend, fand ich zumindest.
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 11:39
von Wolfric
Nach etwas Abstinenz habe ich mal ein paar Pfeile gebaut und dazu ein Rezept - wohl aus dem MA- verwendet:
1. 50% Kiefernharz + 50% Bienenwachs + einen Teelöffel Kupferoxid - Alles einmal verkochen und verrühren.
2. Dann den Bereich für die Befiederung mit diesem Kleber bestreichen - abkühlen lassen
3. Die Federn dann mit dem Daumen jeweils vorne andrücken - durch die Handwärme halten die Federn dann auch schon soweit das man mit der Wicklung beginnen kann.
4. Nach dem Wickeln dann das Ganze über Wasserdampf erwärmen um a) Gänsefedern zu begradigen und b) damit dieser Kleber flüssig in die Wicklung einzieht.
Das Ganze funktioniert ausgesprochen gut und ich finde sieht auch schön aus.

- Pfeilbefiederung mit MA Kleber
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 13:47
von Anasazi
DDH (die Daumen hoch).
Jetzt nur noch den Langzeittest durch die Jahreszeiten und wenn das Harz Wachs Gemisch auch im Hochsommer unter direktem Sonneneinfluss (da kann die Temperatur auf dem Schaft auch schon mal deutlich über 40° sein) nicht weich wird, passt das Mischungsverhältnis.
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 15:32
von benzi
Super! Danke fürs berichten!


Zu was genau war nochmal das Kupferoxid gut? Konnte ich jetzt nicht wirklich heraus lesen...

Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 16:08
von locksley
@benzi
Kupferoxid gegen Milben und Schädlingsbefall, wenn die Pfeile in großen Stückzahlen im Tower gelagert wurden.
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 18:16
von benzi
Ist allein das Kupferoxid für die tolle Farbe verantwortlich?
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 14.03.2025, 19:24
von Neumi
So ist das. Aber Vorsicht mit Kupferoxid, ist nicht so besonders gesund.
Übrigens wird gern Kupferacetat verwendet. Das dürfte authentischer sein als Grünspan.
Kann man mit Geduld auch sehr einfach selbst herstellen.
Einfach Kupfer in Essigdampf stehen lassen.

- abgekratzt vom Kupferrohr (Atemschutz ist Pflicht!)

- Die Dose steht seit vielen Jahren, ich muss mal wieder Essigsäure nachfüllen
Re: Mittelalterkleber für Pfeilfedern
Verfasst: 20.03.2025, 18:41
von Wolfric
Neumi hat geschrieben: ↑14.03.2025, 19:24
So ist das. Aber Vorsicht mit Kupferoxid, ist nicht so besonders gesund.
Übrigens wird gern Kupferacetat verwendet. Das dürfte authentischer sein als Grünspan.
Kann man mit Geduld auch sehr einfach selbst herstellen.
Einfach Kupfer in Essigdampf stehen lassen.
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Du packst dazu einfach Kupferrohre in ein Plastikgefäß und gießt dort Essig rein? Danke