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Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 07:09
von Powderburner
Liebes Forum,
ich beschäftige mich mit der Entwicklung der Schusswaffen im 19. Jahrhundert. Dabei bin ich auf eine Waffe des schweizer Büchsenmachers Frédéric Siber aus Morges bei Lausanne gestossen, dessen Lebenswerk die Herstellung präziser, pulverbetriebener Scheibenwaffen war. Meine Fragen beziehen sich auf eine Pistolen'armbrust'. Darf ich euer Schwarmwissen anzapfen und um einen Blick in die Glaskugel bitten?
In dem angefügten Bild seht ihr eine Pistole, die folgende Fragen aufwirft:
-Wurden damit Bolzen oder Kugeln verschossen? Womit wäre die Eigenpräzision besser?
-Was ist ein möglicher Einsatzzweck, welche Entfernungen und welche Präzision ist realistisch?
-Steht die sehr aufwendige Visierung im Kontrast zur kurzen Visierlinie?
-Gibt es andere Beispiele für solche Konstruktionen?
Vielen Dank und herzliche Grüße
Powderburner

- Frédéric Sieber, Morges
![Bild]()
Re: Sch.weizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 10:03
von apaloosa
Hallo,
ich sehe da keine Vorrichtung (Piston, Zündhütchen....) zur Zündung von Schwanzpulver. Der Lauf soll da wohl den Bolzen (Pfeil) "stabilisieren".
VG Harald
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 10:22
von Indie12
Mal frei phantasiert: der Herr Siber hatte sich auf die Herstellung von Scheibenwaffen spezialisiert schreibst du. Also Waffen für Sportschützen? Könnte die Armbrust vllt dem Training gedient haben? Und um Schwarzpulver zu sparen, wurden hier Kugeln mit Bogenkraft auf kurze Distanz geschossen?
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 10:50
von MrCanister123
Indie12 hat geschrieben: ↑01.10.2026, 10:22
Mal frei phantasiert: der Herr Siber hatte sich auf die Herstellung von Scheibenwaffen spezialisiert schreibst du. Also Waffen für Sportschützen? Könnte die Armbrust vllt dem Training gedient haben? Und um Schwarzpulver zu sparen, wurden hier Kugeln mit Bogenkraft auf kurze Distanz geschossen?
Das war tatsächlich auch meine Idee dazu, ein Pfeil bekommt man ja da auch fast ned rein..
Aber im gespannten Zustand bekommst vorne gut die Kugel rein
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 12:10
von Hieronymus
Diese Art Büchsenarmbrust wurden bei Turnieren im Innenraum verwendet. Ich gehe davon aus , um auf Schwarzpulver verzichten zu können, würden sie mir einem Bogen versehen...
LG Markus
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 13:11
von Ravenheart
-Wurden damit Bolzen oder Kugeln verschossen?
Ich tippe auf Kugeln.
Womit wäre die Eigenpräzision besser?
Bolzen.
-Was ist ein möglicher Einsatzzweck, welche Entfernungen und welche Präzision ist realistisch?
15 - 30 m, auf 15 m Bieruntersetzer, auf 30 m Teller.
-Steht die sehr aufwendige Visierung im Kontrast zur kurzen Visierlinie?
Klar, is ja aber bei jeder Pistole so.
-Gibt es andere Beispiele für solche Konstruktionen?
Sicher, ich hab aber keine parat...
Such bei Wikipedia mal "Balester"
Rabe
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 14:20
von kyudodetmold
Wenn ich den Bereich näher betrachte, in dem die Sehne bei gespanntem Zustand liegt, wird vor dem Rohr ein Freiraum erkennbar.
Dort ist eine kleine Mulde zu sehen. Eine lose in das Rohr von vorne eingeführte Kugel würde vermutlich hin und her rollen.
Daher meine Vermutung: bolzenähnliches Projektil, das von vorne durch den Lauf bis in die Position der gespannten Sehne geführt wurde.
Ein Stückchen Werg am Ende des Bolzens könnte zum einen für den geraden Flug einen sauberen/dichten/stabilen Kontakt zum Innenrohr herstellen - und vielleicht noch als Mini-Stabilisierung dienen.
So würde ich das vermutlich bauen. -
Am Rande: Schon mit 13 Jahren habe ich einen funktionsfähigen Vorderlader aus einem Eisenrohr gebastelt, so wie ich es in einem Abenteuerkrimi im Fernsehen gesehen habe. Streichholzköpfe als Treibladung, Nägel als Geschosse und ein Lötkolben als „Auslöser". Später eine Öffnung für einen Streichholzkopf im Rohr, der mit der Reibefläche in Brand gesetzt werden konnte. Das Ganze wurde an einem entsprechend langen Holzstück mit Draht befestigt. Heute vermutlich eine „verbotene" Waffe.
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 17:43
von Hieronymus
Ich habe nochmal Tante Gockel gefragt und die hat gesagt es wurden Stahlkugeln oder Steine verschossen...
Also Pfeile mit sowas zu verschießen macht für mich keinen Sinn, da kann ich gleich mit einer normalen Armbrust schießen.
In den Innenräumen wird die Distanz auch nicht so groß gewesen sein
LG Markus
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 21:53
von Powderburner
Vielen Dank euch allen für die Denkanstöße! Konsens scheint zu sein, dass damit in Räumen geschossen wurde. Zum 'Warum' könnte ich beisteuern, dass vl. im Winter trainiert wurde und ein Raum nach wenigen Schüssen mit Schießpulver vernebelt gewesen wäre. Ich füge noch ein Bild an, das ich im Museum Grand Curtius in Liége aufgenommen habe. Die Waffe ist eine voll 'ausgewachsene' Armbrust mit Lauf. Haltet ihr das ebenfalls für ein Trainingsgerät oder sollte damit Wirkung erzielt werden?
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 01.10.2026, 22:53
von Indie12
Ich denk das schießen in Innenräumen ist der maßgebende Faktor. Da hätte man bei Vorderladern ab dem ersten Schuss weder sehen noch atmen können.
Es sollte aber das Feeling einer Pistole/ oder in deinem letzten Bild Büchse erhalten bleiben. So könnte ich es mir gut erklären.
Re: Schweizer Pistolenarmbrust aus dem frühen 19. Jahrhundert
Verfasst: 02.10.2026, 09:15
von klaus1962
Ich hab zwar mit Historie nicht viel am Hut, aber Indoor-Schießen ist scheinbar auch heute noch sehr beliebt.
Schaut euch mal diesen
Youtube-Kanal an.
Der Typ macht sehr ansprechende "Spielzeuge", mit denen man sowohl kleine Bolzen wie auch Kugeln beschleunigen kann.
Die heutige Verwendung von leistungsstarken Gummis anstelle eines schwierig zu bauenden Armbrustbogens, ist eigentlich die logische Evolution.
Gute Gummis gabs wahrscheinlich im 19.Jh noch nicht.
LG
Klaus