Frage an die Langbogenschützen
Frage an die Langbogenschützen
hallo alle,
wir waren am wochenende bei einer Führung auf einer Burgruine. Der Hobby-archäologe, welcher die Führung machte erzählte dann auch irgendwann von Langbogenschützen. Er behauptete steif und fest, dass damals die Bögen, da die Leute kleiner waren als heute, mit dem unteren Ende auf den Boden aufgestellt worden währen beim schiessen.
Ich finde das etwas verwunderlich, da ja dann beim release einem der Bogen um die Ohren fliegen müsste, da sich ja schliesslich die wurfarme bewegen.
Also nur nochmal, um das ganz klar zu schildern: Der Bogen wurde in der Hand gehalten, Arm ausgestreckt, auf den Boden gestellt, dann ausgezogen und dann geschossen. Laut Aussage unseres Gästeführers konnte man so genauer Zielen auf weite Distanz.
Was haltet ihr davon? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so überhaupt irgendwas treffen kann geschweige denn, dass einem der Bogen nicht sogar ins Gesicht springt.
wir waren am wochenende bei einer Führung auf einer Burgruine. Der Hobby-archäologe, welcher die Führung machte erzählte dann auch irgendwann von Langbogenschützen. Er behauptete steif und fest, dass damals die Bögen, da die Leute kleiner waren als heute, mit dem unteren Ende auf den Boden aufgestellt worden währen beim schiessen.
Ich finde das etwas verwunderlich, da ja dann beim release einem der Bogen um die Ohren fliegen müsste, da sich ja schliesslich die wurfarme bewegen.
Also nur nochmal, um das ganz klar zu schildern: Der Bogen wurde in der Hand gehalten, Arm ausgestreckt, auf den Boden gestellt, dann ausgezogen und dann geschossen. Laut Aussage unseres Gästeführers konnte man so genauer Zielen auf weite Distanz.
Was haltet ihr davon? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so überhaupt irgendwas treffen kann geschweige denn, dass einem der Bogen nicht sogar ins Gesicht springt.
Re: Frage an die Langbogenschützen
Hallo Gaut,
das ist -gelinde gesagt- Bullshit!
Zum einen gab es bei uns keine Langbögen im Stil der engl. Warbows (mit Ausnahme einer kurzen Periode im späten 15. und 16. Jhd zur Zeit der Landsknechte... das war aber eher eine Liebhaberei) zum anderen würde genau das passieren, was Du beschreibst.
Alle Abbildungen der Bögen aus unseren Regionen zeigen kürzere Bögen, oft mit Recurves.
Auf einer Abbildung habe ich jedoch so was Obskures gesehen, wie einen Stock, mit dem der Bogenarm auf dem Boden abgestützt wurde, den Bogen selbst auf dem Boden abzustützen, wäre hingegen kontraproduktiv.
Ich schaue mal, ob ich die Radierung noch finde, auf der diese Technik abgebildet ist.
-> Gefunden: http://www.kriegsreisende.de/renaissanc ... euzeit.jpg
Grüße, Ed
das ist -gelinde gesagt- Bullshit!
Zum einen gab es bei uns keine Langbögen im Stil der engl. Warbows (mit Ausnahme einer kurzen Periode im späten 15. und 16. Jhd zur Zeit der Landsknechte... das war aber eher eine Liebhaberei) zum anderen würde genau das passieren, was Du beschreibst.
Alle Abbildungen der Bögen aus unseren Regionen zeigen kürzere Bögen, oft mit Recurves.
Auf einer Abbildung habe ich jedoch so was Obskures gesehen, wie einen Stock, mit dem der Bogenarm auf dem Boden abgestützt wurde, den Bogen selbst auf dem Boden abzustützen, wäre hingegen kontraproduktiv.
Ich schaue mal, ob ich die Radierung noch finde, auf der diese Technik abgebildet ist.
-> Gefunden: http://www.kriegsreisende.de/renaissanc ... euzeit.jpg
Grüße, Ed
Zuletzt geändert von Edradour am 29.05.2008, 13:49, insgesamt 1-mal geändert.
"I can resist everything - except temptation" (Oscar Wilde)
Re: Frage an die Langbogenschützen
Is schon spannend, was für ein wirres Zeugs erzählt wird...
Nur wenig ist tödlicher für einen Bogen, als Bodenkontakt beim Schuss. Der springt einem nicht nur ins Gesicht sondern beglückt die Umgebung auch noch mit Holzstücken diverser Größen und Formen
@Edradour
Ich glaube, du interpretierst das Bild falsch. Der "Stock" hat keinen Einfluss auf die Schießtechnik. Der gute Mann ist einfach mehrfach bewaffnet. Der Stock ist eine zusätzliche Stangenwaffe. Sie endet offenbar ausserhalb des Bildes, wie man hier etwas besser sehen kann.
http://www.petersfieldarchery.org.uk/im ... bowman.jpg
Ich denke, dass es in diesen Darstellungen auch immer darum ging, die Möglichkeiten der Soldaten darzustellen. Der Mann ist demnach sowohl Fernkämpfer (Bogen), als auch geeignet fürs Karree (Pike oder Hellebarde), als auch Nahkämpfer (Schwert).
Ob das wirklich authentisch ist, sei einmal dahingestellt. Und irgendwie sollte halt die Stangenwaffe auch mit aufs Bild. Am Boden liegend sieht sie ja keiner...
Aber wenn das Ding wirklich eine Stützfunktion hätte - ähnlich einer Musketengabel - wäre der Stock ja etwa 130 - 150 cm lang und der Künstler hätte das auch so dargestellt. Dazu ist das Bild zu genau und detailreich, als dass er sich einen so groben Schnitzer geleistet hätte.
Nur wenig ist tödlicher für einen Bogen, als Bodenkontakt beim Schuss. Der springt einem nicht nur ins Gesicht sondern beglückt die Umgebung auch noch mit Holzstücken diverser Größen und Formen

@Edradour
Ich glaube, du interpretierst das Bild falsch. Der "Stock" hat keinen Einfluss auf die Schießtechnik. Der gute Mann ist einfach mehrfach bewaffnet. Der Stock ist eine zusätzliche Stangenwaffe. Sie endet offenbar ausserhalb des Bildes, wie man hier etwas besser sehen kann.
http://www.petersfieldarchery.org.uk/im ... bowman.jpg
Ich denke, dass es in diesen Darstellungen auch immer darum ging, die Möglichkeiten der Soldaten darzustellen. Der Mann ist demnach sowohl Fernkämpfer (Bogen), als auch geeignet fürs Karree (Pike oder Hellebarde), als auch Nahkämpfer (Schwert).
Ob das wirklich authentisch ist, sei einmal dahingestellt. Und irgendwie sollte halt die Stangenwaffe auch mit aufs Bild. Am Boden liegend sieht sie ja keiner...
Aber wenn das Ding wirklich eine Stützfunktion hätte - ähnlich einer Musketengabel - wäre der Stock ja etwa 130 - 150 cm lang und der Künstler hätte das auch so dargestellt. Dazu ist das Bild zu genau und detailreich, als dass er sich einen so groben Schnitzer geleistet hätte.
Zuletzt geändert von Squid (✝) am 29.05.2008, 18:42, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Re: Frage an die Langbogenschützen
Hallo Squit,Squid hat geschrieben: Der Stock ist eine zusätzliche Stangenwaffe. Sie endet offenbar ausserhalb des Bildes, wie man hier etwas besser sehen kann.
da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher. Für eine Stangenwaffe ist der Stab eigentlich ein bisschen dünn, wie ich finde.
Zudem scheint es in dem Bereich der Bogenhand eine Art Wicklung zu geben, was für Piken, Spieße oder Hellebarden eher unüblich ist. Auch scheint er den Stab gegen seinen hinteren Fuß abzustützen. Zu guter letzt scheint mir eine Stangenwaffe als Sekundärbewaffnung für einen Bogenschützen eher unpraktisch, da sperrig.
Üblicher waren da Einhänder, Falchions, Hämmer und Äxte (zumindest zur Zeit des hunderjährigen Krieges.)
Ist aber Alles nur spekulativ. Mag sein, dass Du recht hast, zumal es auch die einzige Abbildung dieser Art ist, die mir bekannt ist.
Gruß, Ed
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Re: Frage an die Langbogenschützen
Gaut hat geschrieben: Der Hobby-archäologe, welcher die Führung machte ...behauptete steif und fest, dass damals die Bögen,..., mit dem unteren Ende auf den Boden aufgestellt worden währen beim schiessen.





So ein UNSINN!!!!!
Rabe
Re: Frage an die Langbogenschützen
ich würde ja bei solchen behauptungen auf eine vorführung bestehen 

Re: Frage an die Langbogenschützen
der stock ist eine waffe - ich hab das ganze bild mal irgendwo gesehen - keine ahnung wo - altzheimer lässt grüssen. es gab mal versuche die bogenschützen mit einer zweitwaffe für den nahkampf auszurüsten man musst jedoch feststellen das die trefferquote rapide sinkt sobald der schütze gepanzert und schwer bewaffnet ist - also hat mans gelassen.
nachdem ich nicht persönlich bei solchen versuchen dabei war *gg* geb ich nur wieder was ich irgendwo mal gelesen haben.
jedenfalls könnte es das gewesen sein was der gute mann da von sich gegeben hat - im grossen und ganzen also warme luft.
grüsse
walta
----------
der keine signatur hat :-)
nachdem ich nicht persönlich bei solchen versuchen dabei war *gg* geb ich nur wieder was ich irgendwo mal gelesen haben.
jedenfalls könnte es das gewesen sein was der gute mann da von sich gegeben hat - im grossen und ganzen also warme luft.
grüsse
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Re: Frage an die Langbogenschützen
Laut FITA nicht zulässig, da als Zielhilfe verwendbar.Auf einer Abbildung habe ich jedoch so was Obskures gesehen, wie einen Stock, mit dem der Bogenarm auf dem Boden abgestützt wurde

Nee, aber mal Schurz beiseite.
War es denn nicht so, das die Bogenschützen angespitzte Stangen
(evtl,. auch erbeutete Lanzen) vor sich in den Boden rammten,
um gegen angreifende Reiter/Läufer was auch immer halbwegs gesichert zu sein.
Ich meine, ich hätte da mal in ner ART Doku über die Schlacht von Azincourt
was gesehen.
Re: Frage an die Langbogenschützen

Ich habs in einem Buch... allerdings auch nicht mit der ganzen Pike (wobei die zunehmend länger wird), wohl aber mit Bildbeschreibung und Quellenangabe.

Wird immer bunter, der Typ ;D
Und das mit dem Abstützen der Pike am Schuh erklärt sich hiermit:
http://www.kylesociety.org/Art%204/pike ... rawing.jpg
So wehrte man damals Kavallerie ab. An der Pike ist übrigens auch eine Wicklung zu erkennen.
Übrigens hat er die Pike DURCH den Bogen gesteckt: Das gibt auch ne schöne Katastrophe beim Ablass...
Zuletzt geändert von Squid (✝) am 29.05.2008, 14:48, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Re: Frage an die Langbogenschützen
Ok Squid,
Du hast gewonnen, so macht das schon eher Sinn.
@Walta
Wo hast Du denn das her?
In vielen Quellen, die ich kenne (zumeist english, 14. und 15. Jhd) sind die Bogenschützen mit Aketons, Beinschienen, Beckenhaube mit Aventail usw. ausgestattet. Sie trugen auch fast ausnahmslos Sekundärwaffen, wie schon weiter oben erwähnt.
Du hast gewonnen, so macht das schon eher Sinn.
@Walta
Wo hast Du denn das her?
In vielen Quellen, die ich kenne (zumeist english, 14. und 15. Jhd) sind die Bogenschützen mit Aketons, Beinschienen, Beckenhaube mit Aventail usw. ausgestattet. Sie trugen auch fast ausnahmslos Sekundärwaffen, wie schon weiter oben erwähnt.
"I can resist everything - except temptation" (Oscar Wilde)
- Felsenbirne
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- Beiträge: 3272
- Registriert: 01.06.2006, 20:38
Re: Frage an die Langbogenschützen
@squid
was ist das für ein Buch?
was ist das für ein Buch?
Gruss Matthias
Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften.
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller
Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften.
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller
Re: Frage an die Langbogenschützen
"Buch der Waffen", von der Steinzeit bis zur Gegenwart
William Reid, Göteborg 1976
OT: "The Lore of Arms"
William Reid, Göteborg 1976
OT: "The Lore of Arms"
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.
Re: Frage an die Langbogenschützen
keine ahnung wo ich das wieder gelesen habe - sowas merk ich mir normalerweise nicht weil ich es interessant aber nicht wichtig finde.
leichte schutzausrüstung hatten die bogenschützen natürlich (beinschienen, helm,...) und eine sekundärwaffe natürlich auch aber nichts was schwer und gross ist - wie eben eine hellebarde oder so zeug. bogenschützen mussten schnell und genau schiessen können - das war ihre hauptaufgabe - schliesslich gibt es in jedem handwerk spezialisten für bestimmte tätigkeiten - auch im kriegshandwerk.
grüsse
walta
---------------
er keine signatur hat ;-)
leichte schutzausrüstung hatten die bogenschützen natürlich (beinschienen, helm,...) und eine sekundärwaffe natürlich auch aber nichts was schwer und gross ist - wie eben eine hellebarde oder so zeug. bogenschützen mussten schnell und genau schiessen können - das war ihre hauptaufgabe - schliesslich gibt es in jedem handwerk spezialisten für bestimmte tätigkeiten - auch im kriegshandwerk.
grüsse
walta
---------------
er keine signatur hat ;-)
Re: Frage an die Langbogenschützen
Eh, welche Burgruine war denn das. Ich möchte dort auch mal diese Führung mitmachen.Gaut hat geschrieben: hallo alle,
wir waren am wochenende bei einer Führung auf einer Burgruine. Der Hobby-archäologe, welcher die Führung machte erzählte dann auch irgendwann von Langbogenschützen.
